Überraschender Zufallsfund im diabetischen Fuß
Ein kleines Ulkus, eine Routinevisite – und dann ein verblüffender Zufallsbefund: Bei einer 80-Jährigen steckte ein Glukosesensor unbemerkt im Fußballen. Was die Fallgeschichte über diabetische Polyneuropathie lehrt.
Eine 80-jährige Seniorin hatte eine oberflächlich geschlossene Wunde an der dritten Zehe links, subkutan bestand ein kleines Hämatom, erläutert Wolfgang Fischer, niedergelassener Internist in Regensburg. Der Wundexpertin des ärztlichen Versorgungsnetzwerks in Regensburg, die man zur Begutachtung der Läsion gerufen hatte, fiel während der gründlichen Inspektion ein seltsamer runder Fremdkörper auf, der im Vorfußbereich der Fußsohle steckte. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich das Objekt als Sensor, wie er zur permanenten Glukosekontrolle verwendet wird. Die ältere Dame hatte sich die offenbar von ihrem Arm gefallene Messsonde unbemerkt in den Ballen getreten, als sie mit nackten Füßen durch ihre Wohnung gelaufen war, und hatte dies aufgrund einer ausgeprägten diabetischen Polyneuropathie nicht bemerkt. Der HbA1c lag mit 9,2 % deutlich über dem empfohlenen Bereich, berichtet der Kollege.
Die Verletzung am Zeh war erstmals bereits im Juli 2024 in Erscheinung getreten und zunächst mit lokaler Desinfektion, Wundauflagen und Dekompression therapiert worden. Trotz aller Maßnahmen hatte sich im Januar 2025 eine Phlegmone entwickelt, was eine stationäre Aufnahme erforderlich machte. Die Patientin erhielt eine antibiotische Behandlung mit Clindamycin und im Rahmen des Krankenhausaufenthalts konnte die Durchblutungssituation als Grund für die Entstehung des Ulkus ausgeschlossen werden. Wundheilungsstörungen im weiteren Verlauf riefen schließlich die Wundmanagerin auf den Plan.
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Als bevorzugte Quelle auswählenDruckentlastung und Kontrolle des Fußes als zielführende Maßnahmen
Eine spezielle Wundauflage war für den Zeh nicht erforderlich, da die Wunde noch geschlossen war. Entscheidend war eine konsequente Druckentlastung der Wunde und die regelmäßige Kontrolle der Füße, schreibt der Experte. Die Patientin bekam einen Zehenschutz an D3 und wurde angehalten, auch zu Hause Schuhe zu tragen.
Die Wunde sei mittlerweile verheilt und auch die Verletzung durch den Glukosesensor habe keine sichtbaren Spuren hinterlassen, schreibt Fischer. Die weitere medizinische Betreuung der Patientin erfolgt jetzt durch eine diabetologische Praxis und ihren Hausarzt.
Fischer W. Bayerisches Ärzteblatt 2026; 81: 61