Bei chronischen Unterleibsbeschwerden auch an das Reizdarmsyndrom denken
Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen (chronic pelvic pain, CPP) sollten aktiv nach Darmsymptomen gefragt werden. Denn häufig besteht – unabhängig vom Vorliegen einer Endometriose – eine Assoziation mit dem Reizdarmsyndrom. Zu diesem Ergebnis kommt eine Arbeitsgruppe um Dr. Simon Powell von der Universität Liverpool.
Für ihre Fall-Kontroll-Studie rekrutierten die Forschenden 89 prämenopausale Frauen im mittleren Alter von 33,9 ± 6,9 Jahren, die sich zwischen November 2021 und Februar 2023 im Liverpool Women’s Hospital zur laparoskopischen Abklärung von CPP vorgestellt hatten. Fragebögen dienten zur Erfassung der für das Reizdarmsyndrom geltenden Rome-IV-Kriterien und der Beurteilung von endometriosebedingten Symptomen.
Reizdarmkriterien bei drei Viertel der Frauen erfüllt
Anhand ihrer chirurgischen Befunde wurden die Teilnehmerinnen in drei Gruppen eingeteilt: Patientinnen mit oberflächlicher Endometriose (n = 21), mit tief infiltrierender Endometriose (n = 19) und ohne Endometrioseherde (n = 49, Kontrollgruppe). Insgesamt 66 (74,2 %) erfüllten die Rome-IV-Kriterien eines Reizdarmsyndroms. Darunter waren 25 Frauen mit (62,5 %) und 41 (83,7 %) ohne Endometriose (Odds Ratio, OR, 3,08). Von den Patientinnen mit Endometriose hatten 14 einen oberflächlichen Befund, nur 11 waren von tief infiltrierender Endometriose betroffen.
Bei Frauen mit CPP überschneiden sich die Symptome von Endometriose und Reizdarmsyndrom häufig stark, schreiben die Autorinnen und Autoren. Nach chirurgischen Eingriffen seien CPP-Patientinnen besonders häufig vom Reizdarmsyndrom betroffen. Vor diesem Hintergrund plädiert das Team für eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber dieser Darmerkrankung. Zugrunde liegende Wechselwirkungen mit Endometriose näher zu beleuchten, sei Aufgabe künftiger Studien.
Powell SG et al. J Endometr Uterine Disord 2026; doi: 10.1016/j.jeud.2025.100148