Die CED-Therapie braucht den Blick nach vorn
Eine klinische Remission kann trügerisch sein, wenn die Entzündung im Darm unterschwellig persistiert. Statische Biomarker allein liefern dabei offenbar nicht die ganze Wahrheit. Gefragt sind neue Therapieziele, kontinuierliche Verlaufsdaten und ein genauer Blick auf die individuelle Krankheitsgeschichte. Die Zukunft der CED-Therapie könnte in der richtigen Reaktion zum passenden Zeitpunkt liegen.
Soll die CED-Therapie erfolgreich personalisiert werden, muss ein Umdenken stattfinden. Welche Konsequenzen aus den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte der CED-Therapie abgeleitet werden können, beschrieb Prof. Dr. Konrad Aden vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Der ursprüngliche Ansatz der personalisierten Therapie basierte auf der Annahme, dass molekulare Biomarker in Blut und Stuhl schon vor Therapiebeginn einen Behandlungserfolg vorhersagen können. Über diese Ex-ante-Biomarker wurde das Patientenkollektiv stratifiziert und für jede Gruppe eine feste Therapiestrategie abgeleitet. Hierbei wurden laut Prof. Aden allerdings einige Parameter übersehen, die den individuellen Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen, wie z. B. Vorbehandlungen, die Dauer der Erkrankung, unterschiedliches molekulares Ansprechen auf verschiedene Wirkstoffgruppen.
Was das Therapieziel anbelangt, lohnt ein Blick in die Onkologie. Hier wurde der Begriff der Minimal Residual Disease geprägt. Bei den CED wäre das eine minimale Restentzündung, für die es laut Prof. Aden nun gelte, die entsprechenden molekularen Marker zu definieren und in das klinische Handeln zu implementieren.
Restentzündung bei CED als unterschätztes Therapierisiko
„Eine klinische Remission entspricht keiner vollständigen Krankheitskontrolle“, sagte Prof. Dr. Axel Dignass vom Agaplesion Markus Krankenhaus in Frankfurt und bezog sich auf die Erkenntnis, dass bei CED-Betroffenen eine unterschwellige Entzündung bestehen kann, obwohl sich die Person in einer vollständigen klinischen Remission befindet. Diese unerkannte Inflammation könne zu einer kontinuierlichen Schädigung des Darms führen mit Fisteln, Stenosen, Strikturen und Motilitätsstörungen, so der Referent. Das könne neue Schübe, Hospitalisationen, chirurgische Eingriffe und Invalidität mit sich bringen. Doch wie verhindert man diesen Zustand am zuverlässigsten?
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