Wie der endoskopische Ultraschall die minimalinvasive Therapie revolutionierte
Seinen Ursprung hat der endoskopische Ultraschall in der Diagnostik. Doch über die Zeit konnte er sich auch als minimalinvasive Option in der Behandlung zahlreicher Krankheiten behaupten. Ein Überblick zum State of the Art der endoskopischen Versorgung.
Ob zur Stadieneinteilung von Tumoren oder zur Probengewinnung aus dem Gewebe – der endoskopische Ultraschall (EUS) ist eines der wichtigsten Instrumente in der Diagnostik. Die Zahl und die Vielfalt der EUS-Verfahren und der dafür verwendeten Geräte haben in den letzten Jahren explosionsartig zugenommen. Durch diese Fortschritte haben sich neue Anwendungsmöglichkeiten ergeben, sodass die Nutzung des EUS mittlerweile weit über die Diagnostik hinausgeht. Wie die therapeutische Endoskopie die Behandlung verschiedener Krankheitsbilder revolutioniert hat, erläutert ein Forschungsteam um Prof. Dr. David Diehl vom Geisinger Medical Center in Danville in einer aktuellen Übersichtsarbeit.
Vaskuläre Interventionen
Ein Hauptanwendungsgebiet des EUS sind vaskuläre Interventionen. Dabei ermöglicht die Verwendung von linearen Array-Sonden einen präzisen Zugang zu Gefäßen und angrenzenden Strukturen. Der EUS hat unter anderem das Potenzial, sowohl die Behandlung als auch die Prophylaxe von Magenvarizen als lebensbedrohliche Komplikation einer portalen Hypertonie, oft infolge einer Leberzirrhose, zu verbessern. So zeigte sich in einer retrospektiven Studie, dass bei der Injektion von Gewebekleber mittels EUS weniger Kleber benötigt wird, was das Risiko für Embolien reduziert. Darüber hinaus finden sich Hinweise darauf, dass die Kombination von Gewebekleber mit Coils (kleine Metallspiralen) das Risiko für eine erneute Blutung sowie unerwünschte Ereignisse senkt.
Weitere potenzielle Indikationen für EUS-gesteuerte vaskuläre Injektionen umfassen beispielsweise ektope Varizen, nichtvariköse Blutungen (z. B. Ulzera, Dieulafoy-Läsionen, arteriovenöse Malformationen) und arterielle Pseudoaneurysmen infolge einer Pankreatitis. Außerdem könnte der EUS bei der Messung des Portalvenendrucks sowie bei der Entnahme von Probematerial aus der Portalvene hilfreich sein.
Onkologische Interventionen
EUS-gesteuerte Ablationstechniken stellen einen vielversprechenden Ansatz in der Behandlung solider Tumoren dar. Besonders interessant ist hierbei die EUS-gesteuerte Radiofrequenzablation (EUS-RFA) mit einer thermischen Energie zwischen 60 und 100 °C zur Behandlung von neuroendokrinen Pankreastumoren, pankreatischen zystischen Neoplasien und Pankreas-Adenokarzinomen.
Bei der EUS-gesteuerten chemischen Ablation wird in den meisten Fällen Ethanol (50–99 %) verwendet, um Krebszellen durch die Lyse von Membranen, die Denaturierung von Proteinen, die Beeinträchtigung von Mitochondrien und durch Vasookklusion zu töten. Diese Methode wurde vor allem bei neuroendokrinen Pankreastumoren und pankreatischen zystischen Neoplasien untersucht.
EUS-gesteuerte Feinnadelinjektionen haben sich insbesondere bei der Behandlung von Pankreas-Adenokarzinomen als nützlich erwiesen. Die Methode erlaubt die gezielte Injektion von Chemotherapeutika (z. B. Gemcitabin/Paclitaxel), Immuntherapien (z. B. Cytoimplant, dendritische Zellen) und molekularbiologischen Therapien (z. B. Gene, onkolytische Viren) in den Tumor. Darüber hinaus ermöglicht die EUS-gesteuerte Feinnadelinjektion die gezielte Platzierung von radioaktiven Seeds (z. B. Phosphor-32, Radium-224) im Rahmen einer Brachytherapie.
Vor der breiten Anwendung in der klinischen Praxis sind jedoch weitere Untersuchungen und Weiterentwicklungen nötig. Mit verfeinerten Techniken, evidenzbasierten Leitlinien und einer strukturierten Patientenauswahl habe die EUS-gesteuerte Ablation das Potenzial, sich von einer experimentellen Intervention zu einem integralen Bestandteil der Krebsbehandlung zu entwickeln, so das Fazit der Autorinnen und Autoren.
Drainage und Diversion
EUS-gesteuerte Verfahren haben außerdem die Therapielandschaft bei komplexen biliären und gastrointestinalen Erkrankungen verändert. Sie eignen sich zur Drainage bzw. Diversion, vor allem dann, wenn konventionelle Ansätze wie die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie oder Chirurgie mit einem zu hohen Risiko verbunden oder aus anderen Gründen nicht durchführbar sind. Die EUS-gesteuerte Drainage bzw. Diversion stellt eine minimalinvasive Alternative für chronisch und kritisch kranke Patientinnen und Patienten dar, die sich durch hohe Erfolgsraten auszeichnet.
Diehl D et al. Gastroenterology 2026; doi: 10.1053/j.gastro.2026.01.021