Wann die Endoskopie mehr schadet als nützt
Endoskopische Eingriffe bei alten Menschen sind keine Frage der technischen Machbarkeit sondern eine Risiko-Nutzen-Abwägung der Folgeereignisse. Das Alter allein ist dabei kein Prädiktor für Komplikationen – entscheidend sind der funktionelle Status und die Komorbiditäten.
Eine palliative Endoskopie ist sinnvoll, wenn der patientenrelevante Nutzen die Prozedur- und Folgelast innerhalb der verbleibenden Lebenszeit überwiegt. Sicherheit während und nach dem endoskopischen Eingriff sollte stets gewährleistet sein. Prof. Dr. Arno Dormann vom Zentrum für interdisziplinäre Viszeralmedizin der Kliniken der Stadt Köln nannte vier Kernfragen, die man sich stellen sollte:
Verbessert der Eingriff tatsächlich Symptome, Lebensqualität oder Überleben?
Steht der Nutzen im Verhältnis zu Belastung, Risiken und verbleibender Lebenszeit?
Entspricht die Maßnahme dem Willen des Betroffenen (Advance Care Planning)
Wo ist die Grenze der Zwecklosigkeit erreicht?
Wann hilft ein Stent bei der Magenausgangsstenose?
Liegt beispielsweise eine maligne Magenausgangsstenose vor, richtet sich die Intervention nach der Prognose und der Belastung für den Betroffenen und nach der Expertise der Behandelnden. Durch eine enterale Stentanlage mit selbstexpandierenden Metallstents kann eine Nahrungsaufnahme wieder ermöglicht werden und sie erfordert nur einen kurzen stationären Aufenthalt. Nachteil ist eine häufige Reobstruktion und die dadurch bedingte Notwendigkeit einer erneuten Intervention. Daher ist diese Behandlungsoption vor allem für Menschen geeignet, die eine kurze Lebenserwartung und eine hohe OP-Last haben, erläuterte Prof. Dormann.
Welche Methoden eignen sich zur Wiederherstellung der Nahrungspassage?
Die chirurgische Gastrojejunostomie eröffnet die Magen-Darm-Passage dauerhafter, ist aber mit der Belastung einer OP und einer längeren Liegezeit verbunden. Hierfür kommen vor allem Personen mit guter Reserve und längerer Prognose infrage. Die endoskopische ultraschallgesteuerte Gastroenterostomie (EUS-GE) ermöglicht minimalinvasiv eine dauerhafte Durchgängigkeit, ist aber nicht überall verfügbar und bedarf einer gewissen Expertise. Patientinnen und Patienten müssen eine geeignete Anatomie aufweisen und sie müssen die Möglichkeit zur Behandlung an einem Zentrum haben. Bei einer Gastroskopie sollte eine mögliche Medikamenteneinnahme, die sich auf die Magenentleerung auswirken kann, bedacht werden.
Wie hoch ist das Risiko einer ERCP bei Hochbetagten?
Bei maligner biliärer Obstruktion hat die palliative endoskopische Therapie das Ziel, eine Cholangitis zu behandeln oder zu verhindern, Pruritus und Ikterus zu lindern, die Organfunktion zu stabilisieren und eine systemische Therapie zu ermöglichen. Die beste Drainage ist nicht die maximal mögliche, sondern diejenige, die Symptome und Therapieziele mit möglichst wenig Folgeeingriffen erreicht, betonte Prof. Dormann. Bei sehr kurzer Lebensprognose muss man den Nutzen einer endoskopischen retrograden Cholangiopankreatikographie (ERCP) mit dem Risiko von Sedierung, Cholangitis, Pankreatitis, Rehospitalisierung und mit den möglichen Alternativen abwägen. Bei über 80-Jährigen ist die Mortalität nach ERCP etwa doppelt so hoch wie bei jüngeren Menschen, bei über 90-Jährigen etwa viermal so hoch – überwiegend aufgrund der Schwere der Grunderkrankung oder der Komorbiditäten. „Das Risiko, eine Komplikation nicht mehr zu kompensieren, ist geriatrisch entscheidend“, betonte Prof. Dormann.
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