Das übersehene Organ im Fettstoffwechsel

Warum das neue Krankheitsbild „Fettpankreas“ mehr Aufmerksamkeit braucht

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 3 Min
Besonders bei adipösen Menschen sollte man das Pankreas im Blick behalten, da es – ähnlich wie die Leber – Fett einlagern kann.

Während die Fettleber schon lange als relevante Krankheit erkannt wurde, rückt nun das womöglich unterschätzte „Fettpankreas“ in den Fokus. Diesen Namen soll das neue Krankheitsbild künftig einheitlich tragen – so der Beschluss eines internationalen Konsensus-Komitees, das sich erstmals dem Thema Fettakkumulation in der Bauchspeicheldrüse gewidmet hat.

Bei der Entstehung des Fettpankreas sind zahlreiche Faktoren beteiligt, darunter Alterung, Adipositas, Entzündungen und Fibrose. Auch genetische Erkrankungen wie zystische Fibrose können eine Rolle spielen. Da standardisierte Definitionen und diagnostische Kriterien fehlen, gibt es kaum belastbare Daten zur Epidemiologie des Fettpankreas. Ein systematisches Review ermittelte eine gepoolte Prävalenz von 27 % bei Erwachsenen – mit hoher Variabilität zwischen den einzelnen Studien. Das entnimmt man dem Konsensusreport, der von einem Experteam um ­Miroslav ­Vujasinovic vom Karolinska University Hospital, Stockholm, verfasst wurde.

Auch Kinder mit bestimmten Erkrankungen sind gefährdet

Das Fettpankreas weist eine starke Assoziation mit der Fettlebererkrankung auf sowie mit Komponenten des metabolischen Syndroms. Die endokrine Pankreasfunktion kann unter der Fettakkumulation leiden. Auch bei Kindern mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und Fettleber sowie mit bestimmten kongenitalen Erkrankungen (z. B. zystische Fibrose) ist die Prävalenz des Fettpankreas erhöht. Keine überzeugende Evidenz gibt es derzeit für eine kausale Rolle von Alkoholkonsum oder Rauchen in der Entwicklung eines Fettpankreas.

Histopathologisch finden sich beim Fettpankreas intra- und extralobulär Adipozyten. Eine hochgradige Akkumulation von Adipozyten geht in der Regel mit einem Verlust von azinärem Parenchym einher. Eine intrazelluläre Lipidakkumulation wird in azinären und in den endokrinen Langerhans-Zellen beobachtet. Eine validierte Methode, um den Schweregrad der Adipozytenakkumulation festzustellen, gibt es nicht.

Pankreatisches Fett ist am besten per MRT darstellbar

Die Verlässlichkeit der transabdominalen Sonografie in der Diagnostik des Fettpankreas ist beschränkt, da eine erhöhte Echogenität auch andere Ursachen haben kann. In fortgeschrittenen Fällen kann die CT zur Erhärtung der Diagnose beitragen. Bei milderen Formen ist ihre Sensitivität begrenzt. Am zuverlässigsten lässt sich pankreatisches Fett in der MRT darstellen, vor allem mit der Proton-Density-Fat-Fraction-Methode. Sie ermöglicht ebenfalls, drei Schweregrade zu unterscheiden. Auch die Endosonografie kann als qualitative Methode das Pankreas­parenchym anhand seiner Hyper­echogenität von anderen Organen unterscheiden. Möglicherweise kann die EUS-Diagnostik durch moderne Techniken wie die Scherwellenelasto­grafie weiter verbessert werden.

Ein Fettpankreas scheint das Risiko für eine akute Pankreatitis zu erhöhen, darauf deuten Querschnittsdaten hin. Außerdem verläuft eine akute Pankreatitis offenbar schwerer, wenn ein Fettpankreas vorliegt. Eine Assoziation des Fettpankreas mit der exokrinen Pankreasinsuffizienz konnten die meisten Studien nicht bestätigen. Eine klare Korrelation zwischen dem pankreatischen Fettgehalt und der exokrinen Funktion fand sich jedoch bei der zystischen Fibrose.

Trotz insgesamt limitierter Evidenz geben Kohortenstudien einen klaren Hinweis darauf, dass ein Fettpankreas das Risiko für eine chronische Pankreatitis steigert. Genomweite Assoziationsstudien liefern auch Argumente dafür, dass es sich um eine kausale Beziehung handeln könnte.

 

Es gibt Hinweise auf mögliche Relationen mit Neoplasmen

Eine retrospektive Studie fand bei Menschen mit intraduktalen papillären muzinösen Neoplasmen (IPMN) eine Fettpankreas-Prävalenz von 60 % im Vergleich zu 39 % bei Kontrollen ohne IPMN. Außerdem deuten Daten darauf hin, dass IPMN bei Betroffenen mit Fettpankreas aggressiver sind und schneller voranschreiten. Die Evidenz ist aber zu schwach, um einen kausalen Zusammenhang ableiten zu können.

Klarere Evidenz gibt es jedoch dafür, dass ein Fettpankreas mit einem erhöhten Risiko für das Pankreaskarzinom einhergeht. Um das Drei- bis Sechsfache erhöht war das Risiko in drei systematischen Reviews. Unklar bleibt jedoch die Kausalität der Assoziation. Ein Fettpankreas steigert auch das Risiko für postoperative Komplikationen wie Fistelbildung. Denn die Fettakkumulation im Gewebe erschwert das chirurgische Handling und behindert die Wundheilung.

Eine spezifische Therapieempfehlung für das Fettpankreas existiert nicht. Eine Behandlung, wie sie für das metabolische Syndrom, Diabetes und Adipositas üblich ist, hilft jedoch auch, das Pankreas zu entfetten. Die Maßnahmen erstrecken sich von Diät über Antidiabetika bis hin zur bariatrischen Chirurgie.

Vujasinovic M et al. United European Gastroenterol J 2026; 14: e70185; doi: 10.1002/ueg2.70185

Dr. Angelika Bischoff

Freie Autorin
Dr. Angelika Bischoff ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

Schlagwörter:

Das könnte Sie auch interessieren