Maßnahmen gegen drohende Fettleberepidemie ergreifen
Lebererkrankungen werden laut Expertenmeinung deutlich unterschätzt und zudem viel zu spät erkannt. Daran muss sich etwas ändern, und es gibt bereits Vorschläge, welche konkreten Maßnahmen sich eignen würden, um eine Fettleberepidemie zu verhindern.
Die Leber leidet stumm. „In Deutschland haben wahrscheinlich mehr als 20 Millionen Menschen Fetteinlagerungen signifikanten Ausmaßes in der Leber, sie merken es aber nicht“, sagte Prof. Dr. Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover. Dabei sei gerade die Leber ein Organ, bei dem sich Prävention und Früherkennung lohnen, da sich Verfettung, Vernarbungen und – entgegen gängiger Meinung – selbst eine frühe Zirrhose zurückbilden können, wenn man sie frühzeitig erkennt. „Uns steht eine Epidemie vor der Tür, die wir bisher komplett unterschätzen, weil das Ganze eben lange symptomlos ist“, warnte der Experte.
Die metabolischen Lebererkrankungen stellen daher angesichts der zunehmenden Prävalenz von Adipositas und Diabetes eine wachsende Herausforderung dar – mit guten Therapieoptionen, wenn die Früherkennung greift. Daneben gehören die viralen Hepatitiden auf der einen sowie immunvermittelte und genetische Lebererkrankungen auf der anderen Seite zu den Entitäten, bei denen neue Behandlungsoptionen zunehmend einen Nutzen bringen.
Drei Punkte, die das Präventionsangebot verbessern
Für eine bessere Prävention fordern Prof. Wedemeyer und die DGVS die Umsetzung dreier Punkte:
Der Gesundheits-Check-up sollte künftig eine strukturierte Leberdiagnostik mit einfachen, bereits verfügbaren Laborparametern beinhalten.
Der FIB-4-Score sollte als kostengünstiges und wissenschaftlich validiertes Instrument in die allgemeine Gesundheitsuntersuchung zur Risikostratifizierung aufgenommen werden.
Die Lebersteifigkeitsmessung mittels Elastografie muss angemessen vergütet werden, um sie bundesweit verfügbar zu machen und für eine personalisierte Vorsorge nutzen zu können.
Die Leber interagiert eng mit Darm, Herz und Gehirn
„Wenn man Lebererkrankungen früh entdeckt, dann hat das für die Gesamtgesundheit eine Riesenbedeutung“, erklärte Prof. Wedemeyer und verwies darauf, dass die Leber als zentrales Stoffwechselorgan über Achsen wie Leber-Darm, Leber-Herz und Leber-Gehirn systemische Effekte im ganzen Körper entfaltet. „Leber gut, alles gut“, so seine Quintessenz.
Eine Maßnahme, die sich ebenfalls positiv für das Präventionskonto der Lebergesundheit auszahlen würde, ist die Reduzierung des Zuckerkonsums. Dieser ist hierzulande mit bis zu 90 g täglich pro Kopf erschreckend hoch. Die von der WHO empfohlene maximale tägliche Menge liegt bei 25–50 g.
Smoothies als „Fruktose-Falle“ identifiziert
Dazu zählt auch der Fruchtzucker in Obst. Und hierbei tappen viele bei einem vermeintlich gesunden Ernährungstrend in die „Fruktose-Falle“: Smoothies aus Äpfeln, Birnen, Bananen und Zitrusfrüchten sind zwar reich an Vitamin C, aber ihr hoher Gehalt an freiem Fruchtzucker gilt als besonders bedenklich. „Er wird insulinunabhängig in den Blutstrom aufgenommen und kann damit direkt in die Leber gelangen und eine Fettleber mitbedingen“, erklärte Prof. Dr. Birgit Terjung vom St. Josef Hospital der GFO Kliniken Bonn. Sie riet, Obst zu kauen statt zu trinken, da die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe einen schnellen Zuckeranstieg verhindern. Die DGVS begrüßt Maßnahmen zur Reduzierung des Zuckerkonsums wie die geplante Zuckersteuer.
* Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten