Der Dark Factor des Menschen

Was es mit bösem Verhalten auf sich hat

Interview
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 4 Min
Das Böse kommt nicht von ungefähr: Drei Psychologen machen den Dark Factor eines Menschen dafür verantwortlich.

Gibt es das Böse im Menschen? Dieser Frage sind drei Psychologen nachgegangen und haben nach 15 Jahren Forschung ihre Erkenntnisse in einem Buch zusammengefasst. Als Kern bösen Verhaltens konnten sie ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal ausmachen, den Dark Factor. Einer der drei, Prof. Dr. Ingo Zettler von der Universität Kopenhagen, spricht dazu im Interview.

Wie definiert man „böses Verhalten"?

Prof. Dr. Ingo Zettler: Wir betrachten böses Verhalten pragmatisch als jegliche Form von Verhalten, das anderen Personen gegen ihren Willen schadet, und das allgemein geteilten Ethik- und Moralvorstellungen widerspricht. Böses Verhalten umfasst also ganz unterschiedliches Verhalten: von einer kleineren Lüge bis hin zum Völkermord.

Was ist der Dark Factor, was kennzeichnet ihn?

Prof. Zettler: Der Dark Factor ist die grundlegende Persönlichkeitseigenschaft, die jeglicher Form bösen Verhaltens zugrunde liegt. Er bildet die allgemeine Neigung einer Person ab, böses Verhalten über verschiedene Situationen hinweg zu zeigen. Der Dark Factor beschreibt dabei, wie sehr Personen ihre eigenen Ziele auf Kosten anderer verfolgen, und wie dieses Verhalten aufrechterhalten wird: Personen mit einem hohen Dark Factor haben zahlreiche Überzeugungen über sich und die Welt, die sie als Rechtfertigung für eigenes böses Verhalten heranziehen.

Lässt er sich messen?

Prof. Zettler: Persönlichkeitseigenschaften lassen sich nicht so direkt wie die Körpergröße messen, allerdings kann man zum Beispiel Fragebogen entwickeln, bei denen Personen mit einem hohen Dark Factor gewissen Aussagen eher zustimmen, während solche mit niedrigem Dark Factor sie eher ablehnen – oder umgekehrt. Und wenn man die Antworten zu zahlreichen, sorgfältig erprobten Aussagen mittelt, erhält man einen ziemlich guten Messwert. Das lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass diese Messwerte mit tatsächlich gezeigten Verhaltensweisen in Zusammenhang stehen. Allerdings funktionieren Fragebogen nur dann gut, wenn Personen keinen starken Anreiz haben, sich in einem besonderen Licht darzustellen; anderenfalls sollte man auf andere Ansätze ausweichen, beispielsweise reaktionszeitbasierte Aufgaben.

Wie zuverlässig sind entsprechende Tests?

Prof. Zettler: Insgesamt sehr zuverlässig. Zum einen sind verschiedene Messungen sehr stabil. Befragt man dieselben Personen über mehrere Jahre hinweg immer wieder, erhalten Menschen, die anfangs einen hohen Dark Factor haben, diesen auch in weiteren Befragungen. Zum anderen lassen sich die Messwerte mit ganz unterschiedlichen Arten bösen Verhaltens in Beziehung setzen – von Gewaltverbrechen über Untreue und Betrügen bis hin zu aggressiven politischen Ansichten. Und immer wieder weisen Personen mit einem hohen Dark Factor auch eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, böses Verhalten zu zeigen oder stark zu befürworten.

Benjamin E. Hilbig, Morten Moshagen, Ingo Zettler: Dark Factor – die Essenz des Bösen in uns, Ariston-Verlag, ISBN 978-3-424-20318-9, Euro 22,00

Gibt es Angaben zur Prävalenz von Menschen mit sehr hohem Dark Factor?

Prof. Zettler: Der Dark Factor bildet ein Kontinuum ab, aber es lässt sich sagen, dass ca. 10 % ein sozial problematisches Niveau aufweisen. Umgangssprachlich als „böse“ würde man etwa 3 % bezeichnen, denn diese gehen sprichwörtlich über Leichen, um ihre Ziele zu erreichen.

Was wird vermutet, woraus sich der Dark Factor entwickelt?

Sie wollen den ganzen Inhalt lesen?
Loggen Sie sich ein
Daten werden geladen...

Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz und dürfen nur ausgewiesenen Ärzten und medizinischem Fachpersonal zugänglich gemacht werden. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie zu dieser Zielgruppe gehören, würden wir uns freuen, wenn Sie sich für einen kostenlosen Account registrieren würden! Im Anschluss erhalten Sie sofortigen Zugang zu diesem und vielen weiteren, interessanten Inhalten zu medizinisch-wissenschaftlichen Fachthemen! Aktuelle News, spannende Kongressberichte, CME-Fortbildungen und vieles mehr erwarten Sie! Wir freuen uns auf Sie! Die Inhalte dieser Seite unterliegen dem Heilmittelwerbegesetz und dürfen nur ausgewiesenen Ärzten und medizinischem Fachpersonal zugänglich gemacht werden. Wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie zu dieser Zielgruppe gehören, würden wir uns freuen, wenn Sie sich für einen kostenlosen Account registrieren würden! Im Anschluss erhalten Sie sofortigen Zugang zu diesem und vielen weiteren, interessanten Inhalten zu medizinisch-wissenschaftlichen Fachthemen! Aktuelle News, spannende Kongressberichte, CME-Fortbildungen und vieles mehr erwarten Sie! Wir freuen uns auf Sie!

Bei Google bevorzugen

Sie möchten bei der Suche nach aktuellen Entwicklungen häufiger unsere Beiträge sehen? Dann fügen Sie uns jetzt zu Ihren bevorzugten Quellen hinzu.

Als bevorzugte Quelle auswählen
Wie funktioniert das? Häufige Fragen: Hier erfahren Sie mehr

Das könnte Sie auch interessieren