Druck durch Tabaklobby „wie Stalking“
Die Pneumologinnen und Pneumologen stellen sich hinter Hendrik Streeck. Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung hatte öffentlich von massivem Druck aus der Tabakindustrie berichtet. Worum es geht.
Höhere Preise für Tabak- und Nikotinprodukte sollen den Konsum senken und insbesondere Kinder und Jugendliche vor dem Einstieg in die Nikotinabhängigkeit schützen. Dafür spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) aus. Aus Sicht der Fachgesellschaft ist die wissenschaftliche Evidenz eindeutig.
Prof. Dr. Natascha Sommer, Sprecherin der DGP-Sektion Tabakprävention und Gesundheitsfürsorge, verweist auf Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation. Demnach sinkt der Tabakkonsum in Ländern mit hohem Einkommen im Mittel um rund 4 %, wenn die Preise um 10 % steigen. Deutschland habe damit einen wirksamen Hebel, der bislang nicht entschlossen genug genutzt werde.
Steuern sollen alle Produkte erfassen
Nach Vorstellung der DGP sollten die Abgaben regelmäßig steigen und stärker als die Inflation angehoben werden. Dabei dürfe sich die Politik nicht auf klassische Zigaretten beschränken. Auch E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel müssten einbezogen werden, damit niedrige Preise keinen Wechsel zu günstigeren Produkten begünstigen.
PD Dr. Matthias Raspe, stellvertretender Sprecher der Sektion, warnt vor neuen Einstiegsmöglichkeiten. Aromen wie Cola oder Bubblegum, auffällige Designs und vergleichsweise niedrige Preise machten Nikotinprodukte gerade für Kinder und Jugendliche attraktiv. Eine wirksame Steuerpolitik dürfe solche Schlupflöcher nicht offenlassen.
Rückhalt für Streeck
Die DGP stellt sich zudem hinter Prof. Dr. Hendrik Streeck, den Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Dieser hatte öffentlich von erheblichem Druck durch Vertreterinnen und Vertreter der Tabakindustrie berichtet und sich zugleich für höhere Tabaksteuern ausgesprochen.
Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Streeck, der Druck durch die Tabaklobby sei „wie Stalking“. Er habe den Eindruck, Vertreterinnen und Vertreter der Branche seien regelrecht auf ihn angesetzt worden und wollten ihn zermürben.
Streeck berichtete, er sei auf Berliner Sommerfesten mehrfach von Verantwortlichen aus Lobbyverbänden der Tabakindustrie hart angegangen worden. Den Vorwurf, er verweigere Gespräche, weist er zurück. Ein offizielles Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Tabakwirtschaft habe er geführt und transparent angezeigt.
Prof. Sommer und PD Raspe betonen, gesundheitspolitische Entscheidungen müssten wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen. Lobbyinteressen dürften nicht dazu führen, dass am Ende nur eine Steueranpassung ohne ausreichende Lenkungswirkung bleibe. Die Wochen bis zum Ende der Sommerpause solle die Politik nutzen, um eine wirksame Neuregelung vorzubereiten.
Pressemitteilung – Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin