Krebsgesellschaft drängt auf stärkere Tabakkontrolle
Zum Weltnichtrauchertag warnt die Deutsche Krebsgesellschaft vor den fatalen Folgen des Tabakkonsums. Sie fordert höhere Steuern auf Tabak- und Dampfprodukte sowie mehr rauchfreie Bereiche zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
In Deutschland sterben laut der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) jedes Jahr rund 130.000 Menschen an Erkrankungen infolge von Tabakkonsum, knapp die Hälfte davon an Krebs. Rauchen verursacht mindestens 16 Krebsarten, darunter Lungen-, Kehlkopf- und Darmkrebs.
Seit April steht für stark gefährdete Personen ein Lungenkrebsscreening zur Verfügung, das die Früherkennung verbessern soll. Die DKG begrüßt diese Maßnahme, da so Lungenkrebs schneller entdeckt werden kann und die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung steigen, sieht aber die Politik weiter in der Pflicht. „Rauchfreiheit ist ein zentraler Baustein der Krebsprävention“, betont Dr. Konstanze Blatt, designierte Generalsekretärin der DKG. Notwendig seien konsequente politische Schritte, um Tabakgebrauch unattraktiver zu machen.
Die geplante Tabaksteuererhöhung sei ein Anfang, müsse aber durch weitere Präventionsmaßnahmen ergänzt werden. Die DKG fordert unter anderem höhere Steuern auf Tabak- und Dampfprodukte, mehr rauchfreie Zonen im Umfeld von Kindern und Jugendlichen, ein umfassendes Werbeverbot sowie den Verzicht auf Aromastoffe in E-Zigaretten und Vapes.
Rauchen ist bei Jugendlichen wieder auf dem Vormarsch
Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, verweist auf aktuelle Daten des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit: Die jüngste Drogenaffinitätsstudie zeigt, dass die Raucherquoten unter Jugendlichen seit 2021 wieder steigen. 2025 rauchte fast jede zehnte Person im Alter von 12 bis 17 Jahren (9,6 %), 2021 waren es noch 6,1 %. Besonders auffällig sei der Zuwachs bei Mädchen – hier nahm der Anteil von 6,4 % im Jahr 2023 auf 9,3 % im Jahr 2025 zu.
Auch der Konsum von Vapes und Mehrweg-E-Zigaretten nimmt bei jungen Menschen stark zu. Bei männlichen Jugendlichen verdoppelte sich die Nutzung seit 2021 auf 6,7 %, bei weiblichen Jugendlichen stieg sie auf 7,8 %. Ursache dieser Entwicklung seien laut Dr. Reimann Umgehungsstrategien der Tabakindustrie, die klassische Produkte durch vermeintlich harmlose E-Zigaretten oder Nikotinbeutel ersetzen und so neue Einstiegsmuster begünstigen. Diese Produkte enthalten meist Nikotin und fördern eine frühe Abhängigkeit. „Die Tabakindustrie etabliert neue Routinen des Rauchens und nutzt gezielt trendige Produkte, um junge Menschen anzusprechen“, so Dr. Reimann.
Sie fordert entschiedenes politisches Handeln und höhere Lenkungssteuern, um die bisherigen Erfolge im Tabakkontrollbereich nicht zu gefährden. Der von der AOK und dem Deutschen Krebsforschungszentrum veröffentlichte Public Health Index zeige, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei Tabakprävention auf den hinteren Rängen liege – u. a. wegen niedriger Steuern, lückenhafter Rauchverbote und erlaubter Werbung.