Prävention per Datenanalyse

Krankenkassen nutzen Patientendaten für Krebsvorsorge

Bericht
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
Mit Hilfe von Versichertendaten werden Präventionsangebote an Betroffene vermittelt.

Mit gezielten Datenanalysen weisen Krankenkassen Versicherte auf Impfungen, Vorsorge und Pflegebedarf hin. Erste Zahlen zeigen: Viele nehmen die Angebote wahr, Widersprüche bleiben selten.

Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen nutzen zunehmend Versichertendaten, um individuelle Gesundheitsrisiken früh zu erkennen und Betroffene aktiv auf passende Angebote hinzuweisen. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes wurden bislang rund 1,5 Millionen Versicherte gezielt kontaktiert, etwa wegen fehlender Impfungen oder ausstehender Vorsorgeuntersuchungen.

Rund 110.000 Menschen nahmen daraufhin konkrete Versorgungsangebote in Anspruch. Der Datennutzung widersprachen nur rund 17.600 Personen. Das entspricht weniger als 0,04 % der Versicherten bei Kassen mit entsprechenden Projekten.

Grundlage ist das Gesundheitsdatennutzungsgesetz von 2024. Es erlaubt Kranken- und Pflegekassen, vorhandene Daten für die frühzeitige Erkennung von Gesundheitsrisiken auszuwerten. Die Teilnahme an den Angeboten bleibt freiwillig. Versicherte können der Datennutzung jederzeit widersprechen.

Impfungen und Krebsfrüherkennung im Fokus

Der Schwerpunkt der bisher 27 umgesetzten Datenauswertungsmaßnahmen von 15 Kranken- und Pflegekassen liegt auf Prävention und Früherkennung. Besonders häufig ging es um Impfungen. Rund 1,3 Millionen Versicherte wurden auf empfohlene Impfungen aufmerksam gemacht, unter anderem gegen HPV, Pneumokokken und Herpes Zoster sowie auf Impfindikationen bei chronischen Erkrankungen. Für bereits auswertbare Impfmaßnahmen mit 1,1 Millionen Kontakten zeigte sich, dass etwa 10 % der Angesprochenen die empfohlene Impfung wahrnahmen.

Auch in der Krebsfrüherkennung zeigen sich Effekte. Rund 90.000 Versicherte mit Risikofaktoren erhielten Hinweise auf Vorsorgeangebote. In einem Projekt, das Versicherte nach bereits erfolgten Koloskopien an Nachkontrollen erinnerte, nahmen 27 % der Kontaktierten eine Darmkrebsberatung wahr. 7 % ließen eine Vorsorgekoloskopie durchführen.

Früherer Hinweis auf Pflegebedarf

Datengestützte Ansprache soll zudem helfen, Pflegebedarf früher zu erkennen. Eine Krankenkasse kontaktierte rund 8.250 Versicherte aufgrund eines entsprechenden Risikos. Nach Beratung wurde bei 28 % von ihnen tatsächlich eine Pflegebedürftigkeit festgestellt.

„Die Zahlen zeigen, dass datengestützte Prävention wirkt“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Eine verantwortungsvolle Nutzung vorhandener Daten könne dazu beitragen, schwerwiegende Krankheitsverläufe früher zu vermeiden.

Rechtsgrundlage soll weiterentwickelt werden

Stoff-Ahnis verwies zugleich auf geplante Anpassungen im Entwurf eines Gesetzes für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen. Künftig könnten Versicherte ihrer Krankenkasse auf Wunsch auch Daten aus der elektronischen Patientenakte für Risikoanalysen bereitstellen.

Nötig seien weniger bürokratische Hürden, mehr Flexibilität beim Versichertenkontakt und ein erweiterter Blick auf relevante Erkrankungen und Risiken, etwa chronische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Ziel sei, Risiken schneller zu erkennen und Ärztinnen und Ärzten frühere medizinische Bewertungen und Versorgung zu ermöglichen.

Pressemitteilung – GKV-Spitzenverband

Das könnte Sie auch interessieren