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Das histologische Präparat eines vergrößerten Lymphknotens zeigt typische Granulome als Zeichen einer Sarkoidose. Die genaue Ursache der Erkrankung ist bislang unklar, möglicherweise handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung.
Bei der Sarkoidose handelt es sich um eine Multisystemerkrankung unklarer Genese. Charakterisiert ist die Erkrankung durch die Bildung epitheloidhaltiger nicht-verkäsender Granulome mit Langerhans-Riesenzellen. Am häufigsten findet man die Granulome in der Lunge einschließlich der mediastinalen Lymphknoten (> 90%) – aber auch jedes andere Organ wie Leber, Haut, Augen, Herz, ZNS, und Niere kann betroffen sein. Die Ursache ist bisher ungeklärt – man weiß aber, dass eine Vielzahl von verschiedenen Auslösern die Sarkoidose triggern kann. In etwa 4% der Fälle tritt die Sarkoidose familiär gehäuft auf und die genetische Veranlagung (z.B. HLA-DQB1) scheint ein zentraler Faktor zu sein. In Europa liegt die Prävalenz 1–64/100.000, wobei ein deutliches Nord-Süd-Gefälle besteht. Die Sarkoidose kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Der Hauptmanifestationsgipfel liegt im jungen Erwachsenenalter, ein kleinerer Häufigkeitsgipfel um das 60. Lebensjahr. Frauen erkranken etwas häufiger als Männer. Die pulmonale Sarkoidose wird (nach dem Thoraxröntgen-Befund) wie folgt eingeteilt: Typ 0: Normalbefund bei isolierter extrapulmonaler Sarkoidose (selten) oder typischer Befund in der bronchopulmonalen Lavage (BAL) bei unauffälligem Röntgenbild Typ I.: Bihiläre Lymphadenopathie (reversibles Stadium) Typ II: Bihiläre Lymphadenopathie mit Lungenbefall Typ III: Lungenbefall ohne Lymphadenopathie Typ IV: Lungenfibrose mit irreversibler Lungenfunktionsminderung Die Prognose der Sarkoidose ist relativ gut: Bei akuter Sarkoidose (Löfgren-Syndrom) liegt die Spontanheilungsrate innerhalb von zwei Jahren bei über 90%. Ansonsten kommt es bei Typ I bei 80% der Patienten innerhalb von 1-3 Jahren zu einer Spontanheilung, bei Typ II sind es 50% und bei Typ III ca. 20%. Bei etwa 20% der Patienten kommt es zu einer permanenten Verschlechterung der Lungenfunktion. Die Letalität der Erkrankung liegt bei etwa 5% - vor allem der Befall des Herzens und des ZNS können zum Tode führen. ICD10-Code: D86
Symptomatik
Akute Sarkoidose (Löfgren-Syndrom, etwa 10% der Fälle)
Betrifft bevorzugt junge Frauen
Typische Trias von (Sprunggelenks-)Arthritis, Erythema nodosum, bihiläre Lymphadenopathie
Außerdem Fieber, Husten, BSG-Erhöhung
Chronische Sarkoidose:
Anfangs oft symptomlos
Evtl. Zeichen der systemischen Entzündung wie subfebrile Temperaturen, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme, Leistungsminderung, Müdigkeit
Später evtl. Reizhusten, Belastungsdyspnoe
Häufig Diskrepanz zwischen relativ gutem Befinden und ausgeprägten Symptomen im Thoraxröntgen
Komplikationen der pulmonalen Sarkoidose:
Bronchiektasen
Respiratorische Insuffizienz
Cor pulmonale
Beispiele für Organmanifestationen: Haut: rotbräunliche Papeln verschiedener Größe, Lupus pernio (flächenhafte livide Infiltration von Nase und Wangen), Narbensarkoidose, Erythema nodosum Auge: Iridozyklitis, Uveitis, Kalkablagerungen in Bindegewebe und Hornhaut, Tränendrüsenbefall, Keratokonjunktivitis sicca Nervensystem: Fazialislähmung, Diabetes insipidus, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz, granulomatöse Meningitis Herz: kardiale Sarkoidose (autoptisch in ca. 25% der Fälle) mit Rhythmusstörungen, AV-Blockierungen, Linksherzinsuffizienz Perikarderguss etc. Niere: granulomatöse interstitielle Nephritis
Untersuchung
Der Befund der körperlichen Untersuchung ist meist relativ unspezifisch. Durch entsprechende fachärztliche Untersuchungen (Augenarzt, Kardiologie, Neurologe etc.) sollten Organmanifestationen ausgeschlossen werden.
Labor
Labordiagnostik:
BSG-Erhöhung bei akuten Verlaufsformen
Erhöhung von Gammaglobulinen und IgG (etwa 50% der Fälle)
Hyperkalzämie (ca. 15%) und Hyperkalziurie (bis 50%)
Kreatinin und Harnstoff im Serum (Ausschluss Nierenbeteiligung)
Leberwerte (Ausschluss Leberbeteiligung)
Aktivitätsparameter:
ACE (Angiotensin converting enzym)
S-IL-2R löslicher Interleukin-2-Rezeptor (60% der Fälle)
(beide unspezifisch, eignen sich nicht zur Diagnosestellung) Bildgebende Verfahren:
Thoraxröntgen (Nachweis der Lungenbeteiligung
hochauflösendes Thorax-CT (Nachweis der Lungen- und Lymphknotenbeteiligung
Ultraschall (Abdominalorgane und oberflächliche Lymphknoten)
evtl. Gesamtkörper-MRT oder 18F-FDG-PET (Nachweis Organbeteiligung)
MRT von Herz und ZNS
ggf. Echokardiographie
Weitere Untersuchungen: Zur Diagnosesicherung sollte immer eine Biopsie mit histologischem Befund angestrebt werden - z.B. eine Ultraschall-gesteuerte Biopsie von Lymphknoten oder eine transbronchiale Biopsie. Zusätzlich sollte im Rahmen einer Bronchoskopie eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) durchgeführt werden. Hier findet man in der Differenzial- und Immunzytologie typischerweise eine CD4-Lymphozytose und es können mikrobiologische Untersuchungen zum Ausschluss einer Infektion erfolgen.
Differenzialdiagnostik
Da die die Sarkoidose eine Ausschlussdiagnose ist, müssen folgende Krankheitsbilder mit Granulombildung abgeklärt werden:
Fremdkörpergranulome
Tuberkulose
Infektionen mit atypischen Mykobakterien
Pilzinfektionen (Histoplasmose, Kokzidiose)
andere Infektionen (Bartonellen, Toxoplasmose, Brucellen)
bei rein pulmonalem Befall: exogen-allergische Alveolitis, Silikose
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie
Die Standardtherapie der Sarkoidose stellen auch heute noch Kortikosteroide (in der Regel 0,5 mg/kg KG) dar, obwohl die Datenlage auch hier unzureichend ist. Da die Spontanheilungsrate hoch und die systemische Kortikosteroidbehandlung mit erheblichen Nebenwirkungen belastet ist, sollte nur in folgenden Situationen eine Therapie eingeleitet werden:
höhergradige Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelbeteiligung oder ZNS-Befall
symptomatische Organbeteiligungen mit potenzieller Schädigung der Organe
Lungensarkoidose: nur bei signifikanter Einschränkung der Lungenfunktion mit Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit
Hyperkalzämien, die sich nicht durch Meidung von Sonnenlicht und diätetische Maßnahmen normalisieren
Leberbeteiligung: Transaminasenerhöhung über das dreifache der Norm
Augenbeteiligung, die nicht durch lokale Immunsuppressiva-Therapie modulierbar ist
Von den aktuellen Leitlinien wird empfohlen, bei Indikation zur systemischen Kortikosteroidtherapie diese für mindestens 6 Monate einzusetzen und im Verlauf über 6 Monate die Dosis schrittweise auszuschleichen. Sollte es während der schrittweisen Reduktion oberhalb einer Erhaltungsdosis von 7,5 mg zu einer Reaktivierung kommen, kann der Einsatz einer immunsuppressiven Kombinationstherapie mittels Methotrexat oder Azathioprin (evtl. auch Infiliximab) in Erwägung gezogen werden, um Kortikosteroide einzusparen.Bei Uveitis oder Hautbeteiligung können auch lokale Kortikosteroide zum Einsatz kommen.
Invasive und Interventionelle Therapie
Ultima ratio bei ausgeprägter Lungenschädigung ist die Lungentransplantation.
Herold G et al.: Innere Medizin 2017. Eigenverlag, Köln 2017.
Prasse A.: Diagnose, Differenzialdiagnose und Therapie der Sarkoidose; Dtsch Arztebl Int 2016; 113(33-34): 565-74; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0565
Judson MA: The treatment of pulmonary sarcoidosis. Respir Med 2012; 106: 1351–61
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