Früherkennung einer COPD

So erkennt man eine Prä-COPD

Aus der Fachliteratur
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Statt auf ein einziges Warnsignal zu achten, sollte man zahlreiche COPD-relevante Biomarker berücksichtigen.

Menschen mit hohem COPD-Risiko sollten möglichst identifiziert werden, bevor sich das Vollbild einer obstruktiven Lungenerkrankung entwickelt hat. Dabei helfen könnte in der klinischen Praxis das Konzept der „Prä-COPD“, das eine Vielzahl von Parametern integriert.

Eine beginnende COPD wird in vielen Fällen entweder nicht erkannt oder falsch eingeordnet. Schätzungen zufolge kommt es bei rund 70 % der Personen trotz Auffälligkeiten in der Spirometrie nicht zur richtigen Diagnose. Als wegweisend für eine COPD gilt u. a. eine spirometrisch belegte Atemwegsobstruktion. Sie ist definiert durch ein Verhältnis von FEV1 zu FVC von < 0,7, was einem Tiffeneau-Indexvon unter 70 % entspricht. Doch nicht alle, denen eine COPD droht, erfüllen dieses Kriterium. Das Konzept der Prä-COPD umfasst deshalb zusätzliche Phänotypen, darunter auch solche mit Auffälligkeiten in physiologischen oder bildgebenden Befunden, aber (noch) ohne Atemwegsobstruktion in der Spirometrie.

Multimodale Risikoscores berücksichtigen verschiedene prädiktive Faktoren

Forschende um Dr. Christopher Bosma, University of Michigan in Ann Arbor, haben im Rahmen einer narrativen Übersichtsarbeit die wichtigsten prädiktiven Biomarker zusammengetragen und deren Bedeutung für die klinische Versorgung herausgearbeitet. Gefunden haben sie mehrere, die mit der späteren Entwicklung einer COPD bei Risikopersonen in Zusammenhang stehen. Doch kein einzelnes Kriterium hat sich als bester Prädiktor herausgestellt. Die Autorinnen und Autoren verweisen daher auf zwei multimodale Risikoscores, die verschiedene prädiktive Faktoren berücksichtigen. Ein Beispiel sind die sogenannten SLIM-Kriterien, die auf folgenden Prädiktoren basieren:

  • chronische Bronchitis

  • Tabakkonsum ≥ 30 Packungsjahre

  • BMI ≤ 25 kg/m2

  • FEV1/FVC < 75 %

Wenn alle vier Kriterien zutreffen, sagte das Modell eine Wahrscheinlichkeit von 85 % für die Entwicklung einer chronischen Atemwegslimitation in den kommenden sechs Jahren voraus. Treffen alle vier nicht zu, sinkt das Risiko auf 2 %. Die Sensitivität lag dabei bei 0,72, die Spezifität bei 0,85.

 

Der zweite Score wurde anhand der kumulativen Daten zweier dänischer Studien erstellt. Er umfasst fünf Faktoren:

  • chronische Bronchitis

  • Preserved Ratio Impaired Spirometry (PRISm)

  • beginnende Atemwegslimitation (FEV1/FVC > 0,7, aber unter dem Lower Limit of Normal)

  • aktives Rauchen

  • Asthma in der Vorgeschichte

Generell besteht der Verdacht auf eine Prä-COPD bei Menschen, die genetische, umwelt- oder entwicklungsbedingte Risikofaktoren haben. Wichtig sind außerdem Symptome wie Dyspnoe, Husten, Auswurf und Exazerbationen, die in den zurückliegenden drei Jahren über einen Zeitraum von drei Monaten täglich auftraten. Auch auffällige objektive Anzeichen, die auf eine Lungenerkrankung hindeuten, sollten berücksichtigt werden.

Verdächtige strukturelle und funtionelle Veränderungen

Typische strukturelle Befunde umfassen z. B. ein Emphysem in der Thorax-CT sowie durch eine Bildgebung bestätigte Abnormalitäten der großen bzw. kleinen Atemwege. Verdächtige funktionelle Befunde sind u. a. eine DLCO < 80 % des Solls, ein FEV1-Rückgang von > 40 ml/Jahr sowie Anzeichen für eine Hyperinflation bzw. Obstruktion der kleinen Atemwege. Das Autorenteam betont, dass die Unterscheidung zwischen einer Prä-COPD und einer frühen COPD bei Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren besonders wichtig ist.

In Verbindung mit der Anamnese könnte die Vorhersage anhand eines multimodalen Risiko­scores unter anderem beim Screening und bei der Wahl der Therapie hilfreich sein. Das Konzept der Prä-COPD kann darüber hinaus für die präventive Beratung von Patientinnen und Patienten herangezogen werden, beispielsweise um sie zum Rauchstopp oder zu anderen Lebensstiländerungen zu motivieren.

Bosma CB et al. Presse Med 2025; 55: 104316; doi: 10.1016/j.lpm.2025.104316

Dr. Melanie Söchtig

Dr. Melanie Söchtig ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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