Achtsamkeit stärkt ADHS-Therapieerfolg
Die Verbindung von Achtsamkeitselementen und kognitiven Verhaltensstrategien zeigt bei Kindern mit ADHS Wirkung. Es verbessern sich Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle und Exekutivfunktionen.
Eine medikamentöse ADHS-Behandlung hilft nicht allen Kindern und ist häufig mit Nebenwirkungen verbunden. Psychologische Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie und Achtsamkeitsübungen zeigen vielversprechende Erfolge, vor allem in Kombination. Sie verbessern die Aufmerksamkeit sowie Selbstkontrolle und fördern praktische Alltagskompetenzen, schreibt ein Team um Dr. Xueke Wang von der Southwest University in Chongqing, China.
Umfassendes Verständnis zur optimalen Zusammensetzung von kombinierten Interventionen fehlt
Allerdings fehlt noch ein umfassendes Verständnis über die spezifische Wirksamkeit und optimale Zusammensetzung von kombinierten achtsamkeitsbasierten und kognitiven Interventionen bei Kindern mit ADHS. Die Forschenden entwickelten daher zwei Ansätze, die Verhaltenstechniken aus den beiden Bereichen für Betroffene im Alter von sechs bis zwölf Jahren kombinieren. Die Strategien unterschieden sich in ihrer Schwerpunktsetzung: Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie legte den Fokus auf Achtsamkeitstraining, ergänzt durch kognitive Verhaltensstrategien. Die kognitive Intervention mit Achtsamkeitselementen hingegen stellte kognitive Verhaltenstechniken in den Vordergrund und setzte Achtsamkeitselemente als unterstützende Komponente ein. Die Wirksamkeit beider Ansätze hat das Autorenteam in einer randomisierten kontrollierten Arbeit untersucht.
Darin teilte es 70 Kinder mit ADHS in drei Studienarme ein: Eine Gruppe (n = 22) erhielt eine achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie, eine zweite eine kognitive Intervention mit Achtsamkeitselementen (n = 23), beides jeweils über zwölf Wochen. Im Kontrollarm bekamen 25 Kinder die pädiatrische Standardbehandlung ohne psychologische Intervention.
Impulskontrolle, kognitive Flexibilität und Entscheidungsfindung verbesserten sich
Die achtsamkeitsbasierte kognitive Gruppe zeigte nach der Therapie eine deutliche Reduktion der elternseitig berichteten Gesamtsymptome (beurteilt anhand der SNAP-IV-Skala* mit 26 Items) um durchschnittlich 15,56 Punkte im Vergleich zu den Kontrollen. Die kognitivbasierte Achtsamkeitsgruppe erzielte gegenüber den Kontrollen eine signifikante Verbesserung um 12,84 Punkte. Die Therapieerfolge blieben auch nach einem Monat und vier Monaten erhalten. In den Interventionsarmen zeigten 63,6 % (achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie) bzw. 52,2 % (kognitive Verhaltensstrategien mit Achtsamkeitselementen) der Kinder zuverlässige Verbesserungen nach der Behandlung, verglichen mit 8,0 % der Kontrollen. Dabei profitierten diejenigen mit schwereren Ausgangssymptomen stärker von den Maßnahmen. Unter der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie gingen die elternseitig berichteten Hyperaktivitäts- und Impulsivitätssymptome sowie Defizite der Exekutivfunktionen stärker zurück. Auch die testbasiert gemessene Exekutivfunktion der Kinder besserte sich. Neurokognitive Tests zeigten in dieser Gruppe außerdem Fortschritte bei Impulskontrolle, kognitiver Flexibilität und Entscheidungsfindung.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass beide zwölfwöchigen Programme bei Kindern mit ADHS wirksam sind. Die achtsamkeitsbetonte Intervention bietet jedoch besonders bei Hyperaktivität und objektiv gemessenen Exekutivfunktionen Vorteile.
* Swanson, Nolan and Pelham Rating Scale
Wang X et al. J Affect Disord 2026; 394: 120513; doi: 10.1016/j.jad.2025.120513