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Die Panikstörung ist durch wiederkehrende, unerwartete Panikattacken mit intensiver Angst und ausgeprägten körperlichen Symptomen wie Schwindel gekennzeichnet.
Definition
Panikstörungen sind plötzlich auftretende Angstanfälle mit den körperlichen Ausdrucksformen der Angst – häufig verbunden mit der Angst, die Kontrolle zu verlieren, „wahnsinnig” oder ohnmächtig zu werden oder zu sterben. Diese Panikattacken treten plötzlich auf, nehmen während ca. 10 Minuten an Stärke zu und klingen dann wieder langsam ab. Sie können ohne äußeren Auslöser aus heiterem Himmel auftreten - in der Mehrzahl der Fälle ist die Panikstörung jedoch mit einer Agoraphobie verbunden. Bei der Agoraphobie mit Panikstörung tritt zu den beschriebenen Panikattacken die Angst vor Orten hinzu, an denen im Falle des Auftretens einer Panikattacke eine Flucht schwer möglich wäre oder peinliches Aufsehen erregen würde. Dies können z.B. Menschenmengen, öffentliche Verkehrsmittel oder enge Räume sein. Häufig werden solche Situationen dann vermieden. Die 12-Monats-Prävalenz von Panikstörungen/Agoraphobie beträgt etwa 6 % - damit sind Panikstörungen nach den spezifischen Phobien die häufigste Angststörung.
Symptomatik
Plötzlich auftretender Angstanfall mit körperlichen Ausdrucksformen der Angst wie:
Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
Schwitzen
Zittern, Beben
Mundtrockenheit
Atemnot, Erstickungsgefühl oder Enge im Hals
Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust
Übelkeit oder Bauchbeschwerden
Schwindel, Unsicherheit-, Ohnmachts- oder Benommenheitsgefühle
Gefühl, dass Dinge unwirklich sind (wie im Traum) oder dass man selbst “nicht richtig da” ist
Hitzewallungen oder Kälteschauer
Taubheits- oder Kribbelgefühle)
Häufig berichten Patienten, dass die Panikattacken mit Angst vor Kontrollverlust und Ohnmacht einhergehen, oder dem Gefühl wahnsinnig zu werden oder gleich zu sterben.
Untersuchung
Der körperliche Untersuchungsbefund ist unauffällig.
Labor
Die Diagnose wird klinisch anhand der typischen Symptomatik gestellt. Als hilfreich haben sich folgende Fragen erwiesen:
Haben Sie plötzliche Anfälle, bei denen Sie in Angst und Schrecken versetzt werden, und bei denen Sie unter Symptomen wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Luftnot, Todesangst u.a. leiden?
Haben Sie in den folgenden Situationen Angst oder Beklemmungsgefühle: Menschenmengen, enge Räume, öffentliche Verkehrsmittel?
Vermeiden Sie solche Situationen aus Angst?
Zum Ausschluss einer organischen Ursache der Beschwerden sollten wenigstens folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
ausführliche Anamnese
körperliche Untersuchung
Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte (Ca++, K+)
Schilddrüsenstatus (TSH)
EKG mit Rhythmusstreifen
ggf. Lungenfunktion, kranielle Bildgebung (MRT, CT) oder EEG
Differenzialdiagnostik
Ausgeschlossen werden müssen internistische und neurologische Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen könnten. Dazu gehören z.B.:
Weitere Krankheitsbilder (periphere Vestibularisstörung, benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, u.a.)
Außerdem müssen andere psychische Erkrankungen ausgeschlossen werden, wie
andere Angststörungen (Phobien, generalisierte Angststörung)
Depressionen
somatoforme Störungen
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie
Als Indikationen für eine Behandlung gelten ein mittlerer bis schwerer Leidensdruck, psychosoziale Einschränkungen und mögliche Komplikationen der Angsterkrankungen (z.B. Suchterkrankung). Grundsätzlich kann Patienten mit Panikstörungen eine Psycho- oder Pharmakotherapie angeboten werden, wobei persönliche Präferenzen (sowie die Verfügbarkeit) hier eine wesentliche Rolle spielen. Hat sich eine Therapie nicht als ausreichend wirksam erwiesen, kann die jeweils andere (oder auch eine Kombination) angeboten werden. Pharmakotherapie:SSRI:
Citalopram (20 – 40 mg/d)
Escitalopram (10 – 20 mg/d)
Paroxetin (20 – 50 mg/d)
Sertralin (50 – 150 mg/d)
SNRI:
Venlafaxin (75 – 225 mg/d)
Alternative, wenn diese Medikamente unwirksam waren oder nicht vertragen werden:
Benzodiazepine sollten nur in gut begründeten Einzelfällen (z.B. schwere kardiale Erkrankung, Kontraindikationen für Standardmedikamente, Suizidalität) für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt werden. Nach Eintreten der Remission sollte eine Pharmakotherapie noch 6–12 Monate fortgeführt werden. Die Dauer kann verlängert werden, wenn ein Absetzversuch zu einem Wiederauftreten der Angstsymptomatik führt, der Krankheitsverlauf besonders schwer war oder wenn sich aus der Anamnese des Patienten Hinweise auf eine lange Behandlungsnotwendigkeit ergeben. Bei Unwirksamkeit der Pharmatherapie sollte den Patienten eine Psychotherapie angeboten werden. Psychotherapie:
Methode der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die sich an empirisch fundierten Behandlungsprotokollen (Manualen) orientiert und als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt werden kann.
Bei zusätzlicher Agoraphobie mit Vermeidungsverhalten sollte die KVT Expositionselemente (Konfrontation mit Angst auslösenden Situationen) in Begleitung eines Therapeuten enthalten.
Zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn (oder als therapiebegleitende Maßnahme) nichttherapeutengestützte, auf der KVT basierende Interventionen mithilfe von Büchern, Audiomaterial, Computern oder Internet im Sinne einer Anleitung zur Selbsthilfe angeboten werden
Hat sich die KVT als unwirksam erwiesen, steht nicht zur Verfügung oder besteht diesbezüglich eine Präferenz eines informierten Patienten, kann auch eine psychodynamische Psychotherapie angeboten werden.
Allgemeinmaßnahmen: Als ergänzende Maßnahmen zu anderen Standardtherapien kann Sport (Ausdauertraining z.B. dreimal pro Woche 5 km Laufen) empfohlen werden.
Notfallmanagement
Notfalltherapie: Bei einer akuten Panikattacke ist selten eine spezifische Behandlung notwendig. Oft tritt die Beruhigung bereits durch die Anwesenheit eines Arztes oder Psychologen ein. In begründeten Ausnahmefällen kann durch die Gabe eines Benzodiazepins (z.B. Lorazepam 1,0–2,5 mg) der Angstzustand rasch beendet werden.
Leitlinien
S3-Leitlinie Angststörungen der DGPPN
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