Mind-Body-Therapien als Schmerzkiller

Mit Yoga, Tai-Chi und Qigong gegen den Rückenschmerz

Aus der Fachliteratur
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Yoga kann Kreuzschmerzen ähnlich effektiv wie Physiotherapie reduzieren.

Unspezifischer Rückenschmerz gehört zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Hausarztpraxis. Analgetika lösen das Problem nicht, besser geeignet sind dagegen einer aktuellen Studie zufolge sanfte Bewegungsformen wie Yoga, Tai-Chi und Qigong.

Bei den schätzungsweise 619 Mio. Menschen, die weltweit an Schmerzen des unteren Rückens leiden, lässt sich in neun von zehn Fällen keine spezifische Ursache finden. Als Behandlungsoption kommen in dieser Situation auch Mind-Body-Movement-Therapien infrage, schreibt Dr. ­Alison ­Kuhn von der ­Saint ­Louis ­University. Yoga, Tai-Chi und Qigong beispielsweise seien für die Betroffenen in der Regel gut zugänglich und leicht umzusetzen.

Zunächst allerdings sind spezifische Ursachen auszuschließen und Red Flags zu beachten, so die Autorin. Ein akuter oder ein zurückliegender Infekt sind ein Warnzeichen, ebenso eine kürzlich erfolgte Operation oder eine Immunsuppression. Auch stärker werdende Schmerzen, neurologische Symptome oder gar ein Cauda-equina-Syndrom sollten aufmerken lassen. Hinweise auf eine Fraktur – etwa bei Osteo­porose, lang dauerndem Glukokortikoid­gebrauch, sportlicher Überbelastung oder hohem Alter – sind ebenso zu beachten wie Symptome, die auf ein Malignom hindeuten. Daneben kann auch ein Bauchaortenaneurysma ursächlich für die Schmerzen sein. Liegen keine Befunde vor, die eine rasche Intervention erfordern, sind nichtmedikamentöse Maßnahmen die erste Wahl. Eine Option sind die genannten Mind-Body-­Movement-Therapien.

Sanftes Yoga eignet sich auch für körperlich eingeschränkte Menschen

Beim Yoga werden Atemübungen mit körperlichen Positionen kombiniert, was den Kreuzschmerz Studiendaten zufolge ebenso effektiv zu reduzieren vermag wie Physiotherapie oder Bewegung. Zudem werden Symptome einer Depression, einer Angststörung und die Folgen von chronischem Stress gelindert. Vor allem sanftes Yoga eignet sich auch für körperlich eingeschränkte Personen. Empfohlen werden tägliche Übungen von 30 bis 60 Minuten Dauer über acht bis zwölf Wochen hinweg.

Tai-Chi sollte anfangs einmal pro Woche für 30 bis 45 Minuten ausgeübt werden. Die Übungen, bei denen u. a. der Körperschwerpunkt kontinuierlich im Raum bewegt wird, verbessern Balance, Haltung, Beweglichkeit sowie Kraft und führen zu kleinen bis moderaten Effekten auf schmerzbedingte Einschränkungen, den Schlaf und die Lebensqualität. Auch Qigong ist zunächst einmal wöchentlich für etwa 30 Minuten zu praktizieren. Die langsam fließenden, zielgerichteten Bewegungen des Qigong lindern den Daten einer einzelnen Studie zufolge zwar nicht den Schmerz, wohl aber die körperlichen Einschränkungen. Eine andere Arbeit zu Tai-Chi und Qigong wiederum zeigte auch positive Effekte auf die Schmerzen selbst.

Mit Wassergymnastik und Spazierengehen kombinieren

Wichtig sei grundsätzlich, meint die Autorin, vor Therapiestart die Eignung und Motivation der Patientinnen und Patienten zu klären und die Behandlungsziele zu besprechen. Yoga, Tai-Chi und Qigong lassen sich mithilfe von Anleitungen eigenständig oder in Kursen erlernen. Die Schmerzbetroffenen sollen aber immer langsam starten und zusätzlich ggf. auch andere Aktivitäten wie Wassergymnastik, Radfahren oder Spazierengehen aufnehmen.

Kuhn ALR. J Nurse Pract 2026; 22: 105788; doi: 10.1016/j.nurpra.2026.105788

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte – Medizinerinnen und Mediziner, Studierende oder Laien – sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist: Neurologie und Psychiatrie, Pneumologie, Gynäkologie und Onkologie sowie internistische und allgemeinmedizinische Texte oder auch Public-Health-Themen.

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