Von blauer Pille bis Stammzellen

Was hilft der Potenz auf die Sprünge?

19. Urologie-Update-Seminar
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Bei erektiler Dysfunktion gibt es eine ganze Reihe an Behandlungsmöglichkeiten – viele jedoch mit eher mäßigem Erfolg.

Stammzellen, Stoßwellen, Platelet-rich Plasma, Botulinumtoxin: Um die Therapie der erektilen Dysfunktion zu verbessern, werden etliche Alternativen zu den „Klassikern“ erforscht. Überzeugen können die Ergebnisse bisher aber nicht.

Für Männer mit erektiler Dysfunktion hat man bereits einige Behandlungsoptionen. Als Basis gelten die Patientenedukation und die Modulation kardiovaskulärer Risikofaktoren bzw. die Therapie von Grunderkrankungen. Allein schon dadurch kann sich die Sexualfunktion verbessern, heißt es in der Leitlinie der European Association of Urology.1 Medikamentös bietet sich in den meisten Fällen primär ein oraler PDE-5-Inhibitor an. Für welche Substanz man sich entscheidet, hängt von der „Verkehrsfrequenz“ und den Wünschen des Betroffenen ab. Bei gegebener Indikation sollte man parallel eine kognitive Verhaltenstherapie für den Patienten und seine Partnerin/seinen Partner initiieren. 

Gute Evidenz gibt es auch für die intrakavernöse Injektion vasoaktiver Substanzen in der First-line-Therapie. Eher schwach fällt dagegen die Leitlinienempfehlung für die intraurethrale Applikation von Alprostadil aus. Zum einen ist sie im Vergleich zu den intrakavernösen Injektionen schwächer wirksam, zum anderen bleiben nur 30 % der Anwender langfristig dabei. 

Neue Behandlungsverfahren wie Stoßwellentherapie und Stammzell-Injektion werden geprüft

Die Vakuumpumpe wird als Option vor allem für ältere Patienten mit eher seltenen Sexualkontakten angesehen, sofern Medikamente nicht in Betracht kommen und auch keine invasive Behandlung, z. B. die Implantation einer Penisprothese, gewünscht ist. Initial ist sie zu 90 % effektiv, nach zwei Jahren nur noch in 50–64 %.

Zu den neuen Behandlungsverfahren gehört die extrakorporale Stoßwellentherapie niedriger Intensität. Sie wird bei Patienten mit vaskulär bedingter ED angewendet und soll das Potenzproblem angeblich lösen. Die gepoolten Daten aus randomisierten kontrollierten Studien ergaben jedoch, dass sich der International Index of Erectile Function (IIEF) nur um etwa 4 Punkte verbessern lässt – ein geringer und für den Patienten wahrscheinlich klinisch irrelevanter Effekt, heißt es in der Leitlinie. Zudem halte er in den meisten Fällen nicht langfristig an. Bessere Ergebnisse seien womöglich durch die Kombination mit oralen PDE-5-Hemmern zu erwarten. 

Als experimentell gilt die Injektion mesenchymaler Stammzellen, um in den Schwellkörpern die Bildung neuer Blutgefäße und glatter Muskulatur zu induzieren. Eine chinesische Arbeitsgruppe prüfte diesen Therapieansatz in Kombination sowie im Vergleich zur Applikation niedrig-energetischer Stoßwellen. Wie Dr. ­Christian ­Leiber-Caspers vom Krankenhaus Maria-Hilf in Krefeld beim 19. Urologie-Update-Seminar berichtete, nahmen 33 Diabetespatienten an der randomisierten und kontrollierten Studie teil. Die ED der Männer war zuvor ohne Erfolg behandelt worden.

Viele Therapien liefern unbefriedigende Ergebnisse

Sowohl nach einem als auch nach drei und sechs Monaten schnitt die Kombinationsbehandlung hinsichtlich des IIEF signifikant besser ab als die Monotherapien. Zugenommen hatte unter der Kombination vor allem die Dauer der Erektion auf 22,2 Minuten und die Zeit der vollen Erektion auf 11,9 Minuten. 70 % der Patienten in dieser Gruppe erreichten nach sechs Monaten einen Erection Hardness Score > 2. Vor dem Hintergrund des extrem großen Aufwands und der Kosten der Stammzelltherapie waren die Unterschiede allerdings „nicht so richtig relevant“, meinte Dr. Leiber-Caspers.

Auch die bilaterale intrakavernöse Injektion von Botulinumtoxin-A sieht der Kollege kritisch. Im Rahmen einer randomisierten Doppelblindstudie bekamen 165 Männer, die auf die alleinige Gabe von Sildenafil nicht angesprochen hatten, einmalig 100 IE der Substanz oder Placebo gespritzt. Zusätzlich nahmen sie bei Bedarf 100 mg Sildenafil ein. Nach drei Monaten waren unter dem Verum keine signifikanten Verbesserungen im IIEF zu beobachten. Zudem hatte sich weder etwas in puncto Penetration noch hinsichtlich der Erektionsdauer getan. Immerhin gab es nach Aussage des Kollegen keine erheblichen Nebenwirkungen. 

Ein weiterer Kandidat für die ED-Therapie ist die intrakavernöse Applikation von thrombozytenangereichertem Plasma (Platelet-Rich Plasma, PRP). Via Wachstumsfaktoren soll damit die Angiogenese gesteigert werden. Die Evidenzbasis des Verfahrens bezeichnete der Kollege allerdings als dürftig. 

Kombinationsbehandlung in puncto Wirksamkeit deutlich überlegen

An dieser Einschätzung ändert auch eine randomisierte und placebokontrollierte Doppelblindstudie nichts, die bei 80 Männern mit ausgeprägter organisch bedingter ED durchgeführt wurde. Keiner hatte auf PDE-5-Hemmer angesprochen oder gut auf die intrakavernöse Injektion von Prostaglandin E-1 reagiert. Acht Wochen lang erhielten die Patienten einmal pro Woche eine Injektion mit PRP, PGE1, der Kombination aus beiden oder Kochsalzlösung. 

Gegenüber allen anderen Optionen zeigte sich die Kombinationsbehandlung im Hinblick auf den IIEF-5 (arabische Version) deutlich überlegen. Im Vergleich zu Placebo und PRP allein hatten sowohl die Prostaglandingabe als auch die Kombinationstherapie die Nase vorn. 

Offenbar gab es zwischen PRP und Placebo keinen großen Unterschied, kommentierte Dr. Leiber-Caspers. Nur in Kombination mit PGE-1 schien es wirksam zu sein. Das mindert aber nicht seinen Marktwert: In Deutschland wird die PRP-Therapie bereits von Nicht-Urologen bzw. Nicht-Andrologen angeboten – für „dezente 800 Euro pro Behandlung“, sagte der Kollege.

1. European Association of Urology Guidelines on Male Sexual and Reproductive Health. „2025 Update on Male Hypogonadism, Erectile     Dysfunction, Premature Ejaculation, and Peyronie‘s Disease“; Eur Urol 2025; 88: 76-102; doi: 10.1016/j.eururo.2025.04.010

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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