Lungenkrebsscreening trifft Roboter-Bronchoskopie
Wenn Lungenkrebs früh auffällt, steigen die Heilungschancen. An den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden zeigt sich, wie Low-Dose-CT und roboterassistierte Biopsie dazu beitragen können.
Das Lungenkrebsscreening soll Tumoren in einem Stadium sichtbar machen, in dem sie noch klein sind und gute Behandlungschancen bestehen. Für die Diagnostik entsteht damit jedoch eine neue Aufgabe: Auffällige Rundherde müssen möglichst sicher abgeklärt werden, auch wenn sie nur wenige Millimeter groß sind und weit außen in der Lunge liegen. Genau für diese Fälle wurde das roboterassistierte Bronchoskopiesystem „Ion“ des Unternehmens Intuitive entwickelt.
Prof. Dr. Tim O. Hirche, Direktor der Klinik für Pneumologie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, beschrieb das Verfahren als Möglichkeit, eine Lücke zwischen Bildgebung und Gewebesicherung zu schließen. Ion soll Ärztinnen und Ärzten helfen, dünne Katheter präzise durch die verzweigten Atemwege zu steuern und auch periphere Läsionen minimalinvasiv zu erreichen. Eine chirurgische Abklärung wäre in solchen Fällen oft unverhältnismäßig, die CT-gesteuerte Punktion kann mit einem relevanten Pneumothoraxrisiko verbunden sein.
Die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden gehören laut Prof. Hirche zu den ersten Zentren in Deutschland, die das Verfahren etablieren konnten. Ion sei erst 2025 in Europa zugelassen worden. Die Erfahrungen aus dem Modellprojekt hätten dazu beigetragen, das System konzernweit für zertifizierte Lungenkrebszentren verfügbar zu machen. Prof. Hirche zeigte sich überzeugt, dass die robotische Bronchoskopie in fünf bis zehn Jahren an vielen Standorten hierzulande selbstverständlich sein wird.
Prävention ist mehr als Aufklärung
Bei dem Präsentationstermin in Wiesbaden waren unter anderem Hessens Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) und Prof. Dr. Hendrik Streeck (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, anwesend. Sie ordneten das Thema Nikotinprävention politisch ein.
Stolz betonte, Gesundheit sei ein persönliches Gut. Dazu gehöre, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen – oder wieder damit aufzuhören. Sie verwies aber auch auf die Verantwortung von Politik und Gesellschaft. Programme zur Rauchentwöhnung, Aufklärung und ein anderer gesellschaftlicher Umgang mit Nikotin seien notwendig.
Besonders kritisch sieht Stolz neue Produkte, die Teenager ansprechen. „Wenn ein Rauchprodukt nach Zuckerwatte schmeckt, richtet es sich offensichtlich nicht an 50-Jährige wie mich, sondern an junge Menschen.“
Für Prof. Streeck besteht Prävention nicht nur aus Broschüren, Plakaten und Aufklärung, sondern auch aus Früherkennung, Frühintervention und dem Verhindern schwerer Krankheitsverläufe. Am Lungenkrebsscreening werde deutlich, dass Prävention nicht teuer sein müsse. Teuer werde es vor allem dann, wenn Erkrankungen spät erkannt und aufwendig behandelt werden müssten.
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung forderte zugleich mehr Verhältnisprävention. Weniger Menschen sollten überhaupt mit dem Rauchen beginnen. Gerade bei 12- bis 17-Jährigen sehe man wieder steigende Rauchtrends, insbesondere beim Vapen. Aromen wie Cola, Kiwi oder Salted Caramel entfernten die Produkte vom klassischen Tabakgeschmack und machten sie für junge Menschen attraktiv. Streeck sprach sich für strengere Regeln aus, etwa für Aromaverbote nach dem Vorbild der Niederlande oder Finnlands, sowie für eine höhere Tabaksteuer.
Der Atemweg endet nicht am Kehlkopf
Prof. Dr. Jan Gosepath, Klinikdirektor der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde bei den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, weitete den Blick auf den gesamten Atemweg. Früher seien oberer und unterer Atemweg medizinisch stärker getrennt worden. Heute gelte das Konzept der „United Airways“. Der Atemweg beginne im Mund bzw. an der Nasenspitze und reiche bis ins letzte Lungenbläschen.
Aus HNO-Sicht warnte Prof. Gosepath besonders vor modernen Konsumformen. Vapes enthielten häufig hochdosiertes Nikotin, das eine starke Abhängigkeit erzeugen könne. Auch ohne klassische Tabakverbrennung seien Dämpfe, Kondensate und Feinstäube, die beim Vapen entstehen, relevant. Sie könnten Schleimhäute austrocknen und damit anfälliger für Folgeschäden machen.
In Vape-Dämpfen fänden sich zudem Chemikalien, die die Erbinformation oberflächlicher Zellen verändern und krebserregend wirken könnten. Noch fehlten zwar Langzeitdaten, doch die Vorstellung, Vapes seien ein unproblematischer Entwöhnungsweg, hält Prof. Gosepath für ein Missverständnis. Viele Menschen blieben nikotinabhängig. Zudem gebe es Evidenz, dass ein großer Teil dual konsumiere, also weiter rauche und zusätzlich vape. Das sei deutlich schädlicher als Rauchen allein.
Auch Nikotinbeutel bereiten dem Mediziner Sorge. In Deutschland nehme der Konsum stark zu, da die Beutel besonders durch die Unauffälligkeit des Konsums attraktiv für junge Menschen seien. Lokal könne es zu Schädigungen der Mundschleimhaut kommen, etwa zu Leukoplakien als möglichen Vorstufen späterer Mundhöhlenkarzinome.