Tozorakimab reduziert COPD-Exazerbationen bei Rauchenden und Ex-Rauchenden
In der Therapie der COPD sind Biologika bisher Patientinnen und Patienten mit unkontrollierter Erkrankung vom eosinophilen Phänotyp vorbehalten. Mit der dualen IL-33-Hemmung scheint nun eine Option gefunden, die unabhängig von Raucherstatus und Eosinophilie für weniger Exazerbationen sorgt.
Zur Pathophysiologie der COPD gehören Atemwegsentzündung, übermäßige Mukussekretion und epitheliales Remodeling. Gemeinsam sind sie mitverantwortlich für Exazerbationen im Krankheitsverlauf. Mit Tozorakimab, das die beiden aktiven Formen von Interleukin-33 (IL-33) hemmt, scheint es nun möglich, alle drei Faktoren anzugehen. Nach aktuellen Ergebnissen aus den Phase-3-Studien OBERON und TITANIA könnte mit dem IL-33-Antikörper zukünftig ein Biologikum zur Verfügung stehen, das auch bei fehlender Eosinophilie COPD-Exazerbationen senkt, berichtete Prof. Dr. Frank Sciurba von der Universität Pittsburgh.
Eosinophilie war kein Einschlusskriterium für die Studien zu IL-33 bei COPD
Für die identisch aufgebauten Studien wurden Rauchende und Ex-Rauchende mit COPD ab einem Alter von 40 Jahren rekrutiert. Alle waren stabil auf eine inhalative duale oder Tripeltherapie eingestellt und hatten im Jahr vor Studieneinschluss mindestens zwei moderate oder eine schwere COPD-Exazerbation erlitten. Eine bestimmte Eosinophilenzahl im Blut war nicht gefordert.
Randomisiert erhielten die Teilnehmenden in OBERON bzw. TITANIA über 52 Wochen zusätzlich zur inhalativen Therapie entweder s. c. Tozorakimab 300 mg alle vier Wochen (n = 446 bzw. n = 438) oder Placebo (n = 431 bzw. n = 435). Ein dritter Arm, in dem der Antikörper alle acht Wochen gegeben wurde, wurde frühzeitig eingestellt. Primärer Endpunkt war die annualisierte Rate mittelgradiger bis schwerer Exazerbationen in der Subgruppe der Ex-Rauchenden.
COPD-Exazerbationsraten sanken unter Tozorakimab um bis zu 34 %
Unter Tozorakimab zeigte sich eine signifikante Reduktion der Exazerbationsraten im Vergleich zu Placebo (OBERON: – 29 %, TITANIA: – 34 %). In der Gesamtschau aller Teilnehmenden ergab sich ein ähnlicher Vorteil (– 30 % bzw. – 29 %). Prof. Sciurba zufolge sind diese Ergebnisse nicht nur statistisch signifikant, sondern auch klinisch relevant. Die Reduktion der Exazerbationsraten unter dem Biologikum im Vergleich zu Placebo erwies sich als unabhängig von Geschlecht, Alter, BMI, Exazerbationszahl im Vorjahr, Schwere der Atemwegsobstruktion oder CAT-Score.
Auch Patientinnen und Patienten ohne Eosinophilie profitierten von Tozorakimab, betonte Prof. Sciurba. In der Subgruppe mit < 150 Eos/µl Blut lag die annualisierte Exazerbationsrate über beide Studien hinweg um 23 % unter der in den Placeboarmen. Bei ≥ 150 Eos/µl betrug die Reduktion 34 %, bei ≥ 300 Eos/µl sogar 43 %.
Welche Sicherheitsdaten brachten die Studien OBERON und TITANIA zur IL-33-Hemmung?
Unerwünschte Ereignisse traten unter dem Verum ähnlich häufig auf wie unter Placebo, Reaktionen an der Injektionsstelle waren allerdings häufiger. Es gab unter dem IL-33-Antikörper numerisch etwas mehr schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) als in den Placebogruppen. In OBERON waren zwei Teilnehmende betroffen (Placebo: 0), in TITANIA elf (Placebo: 5). Prof. Sciurba zufolge sei die MACE-Häufigkeit in den Placebogruppen für eine Hochrisikogruppe von früheren und aktiv Rauchenden unerwartet gering ausgefallen.
Insgesamt umfasst das Phase-3-Entwicklungsprogramm für Tozorakimab (LUNA) vier Studien: Zu OBERON und TITANIA kommen MIRANDA mit der placebokontrollierten Prüfung von Tozorakimab 300 mg alle zwei Wochen und PROSPERO, die gemeinsame Extensionsstudie von OBERON und TITANIA. In PROSPERO setzen die Patientinnen und Patienten, die bereits zuvor den IL-33-Antikörper erhalten hatten, die Therapie fort. Die übrigen werden erneut randomisiert in eine Tozorakimab- und eine Placebogruppe.
* European Respiratory Society
Friederike Klein
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