Talquetamab-Kombinationen rücken beim RRMM vor

GPRC5DxCD3-Antikörper ab der zweiten Linie

EHA 2026
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Talquetamab + Daratumumab zeigte beim RRMM signifikante Vorteile – mit und ohne Pomalidomid.

Künftig kommt der bispezifische Antikörper Talquetamab nicht mehr nur gegen stark vorbehandelte Myelome infrage. Ergebnisse aus MonumenTAL-3 sprechen für einen früheren Einsatz als Teil von Kombinationstherapien.

Bislang ist der gegen die Antigene GPRC5D und CD3 gerichtete bispezifische Antikörper Talquetamab (Tal) zur Therapie von Patient:innen mit rezidiviertem/refraktärem Multiplem Myelom (RRMM) nach mindestens drei Therapielinien zugelassen. In der Studie MonumenTAL-3 prüfen Forschende Tal-Kombinationen nun bereits ab der zweiten Linie.

In einem Arm wird Talquetamab mit Daratumumab und Pomalidomid kombiniert (Tal-DP, n = 287), in einem zweiten nur mit Daratumumab (Tal-D, n = 287). Die Kontrollgruppe bekommt Daratumumab, Pomalidomid und Dexamethason (DPd, n = 290). Bei Studieneinschluss waren die Teilnehmenden im Median 64 Jahre alt. Sie wiesen zu etwa 10 % eine schlechte Prognose (ISS-Stadium III) und zu etwa 30 % eine Hochrisiko-Zytogenetik auf. Ein gutes Drittel hatte zuvor erst eine Therapielinie durchlaufen. Mehr als 11 % hatten bereits Daratumumab erhalten, und 93,4 % waren refraktär gegenüber der letzten Therapielinie.

 

Risiko für Progress oder Tod sank um drei Viertel

Anlässlich des EHA2026 stellte Prof. Dr. Peter M. Voorhees vom Atrium Health/Levine Cancer Institute in Charlotte die Ergebnisse einer geplanten Interimsanalyse vor.1,2 Beide Tal-Kombinationen verbesserten signifikant den primären Endpunkt der Studie, das progressionsfreie Überleben nach unabhängiger Beurteilung. Der Vergleich von Tal-DP mit DPd ergab eine Reduktion des Risikos für Progress oder Tod um 72 % (HR 0,28; 95%-KI 0,20–0,40; p < 0,0001). Die 24-Monats-PFS-Rate lag mit Tal-DP bei 81,3 %, mit DPd bei 51,2 %.

Im Rahmen des Vergleichs von Tal-D mit DPd ergab sich eine Risikoreduktion von 67 % (HR 0,33; 95%-KI 0,24–0,46; p < 0,0001). Die 24-Monats-PFS-Rate mit Tal-D betrug 77,6 %. Weitere Analysen wiesen auf einen deutlichen PFS-Vorteil in allen vorab definierten Subgruppen hin. Er zeigte sich auch bei erst einer vorherigen Therapielinie, bei vorheriger Daratumumab-Exposition, bei ISS-III und bei hohem zytogenetischen Risiko.

Bispezifischer Antikörper verdoppelte CR-Rate

Das Team dokumentierte in beiden Tal-Armen eine höhere Ansprechrate im Vergleich zu DPd (Tal-DP: 88,2 % [≥ CR 71,1 %]; Tal-D: 88,5 % [≥ CR 68,9 %]; DPd: 77,6 % [≥ CR 34,5 %]). Wesentlich mehr Patient:innen erreichten mit Talquetamab eine CR mit nicht nachweisbarer Residualerkrankung. Bei einer Sensitivität von 10-5 betrug die Rate mit Tal-DP 52,3 %, mit Tal-D 46,3 % und mit DPd 15,9 %. Bei einer Testsensitivität von 10-6 galten in den drei Gruppen 47,7 %, 42,2 % bzw. 10,0 % als MRD-negativ und in CR.

Es zeigte sich außerdem ein Vorteil im Gesamtüberleben, der die festgelegte Schwelle für Überlegenheit noch nicht überschritten hat. Die 24-Monats-OS-Rate lag mit Tal-DP bei 89,2 %, mit Tal-D bei 87,9 % und mit DPd bei 79,1 %. Prof. Voorhees sieht in beiden Kombinationen interessante neue Optionen für die Therapie des RRMM ab der zweiten Therapielinie.

Mehr Neutropenien und Infektionen mit Pomalidomid

Unerwünschte Ereignisse (UE) eines Grads 3 oder 4 gab es in allen drei Studienarmen sehr häufig. Die Rate schwerer Ereignisse erreichte mit Tal-DP 63,0 %, mit Tal-D 52,6 % und mit DPd 53,7 %. Ein Therapieabbruch wegen UE erfolgte im Tal-DP-Arm bei 10,5 %, im Tal-D-Arm bei 8,0 % und im DPd-Arm bei 6,7 % der Erkrankten. Todesfälle im Zusammenhang mit UE trafen in den drei Armen 1,8 %, 4,0 % und 4,6 % der Patient:innen.

Die Kombinationen mit Pomalidomid führten häufiger zu Neutropenien als Tal-D. Einen Grad 3/4 erreichten Neutropenien mit Tal-DP bei 76,4 %, unter Tal-D bei 29,2 % und mit DPd bei 86,2 % der Behandelten. Zytokinfreisetzungssyndrome (CRS) in den Tal-Kombinationsarmen erreichten meist maximal Grad 2. Die Rate einer immuneffektorzellassoziierten Neurotoxizität (ICANS) lag im Tal-DP-Arm bei 2,9 % und im Tal-D-Arm bei 1,8 %. In allen Fällen erholten sich die Betroffenen wieder vollständig. In den ersten sechs Monaten der Therapie kam es in den Tal-Gruppen vor allem bei Übergewichtigen und Adipösen zu einer Abnahme des Körpergewichts; dieses stabilisierte sich anschließend. Höhergradige Infektionen waren mit Pomalidomid häufiger als im Tal-D-Arm.

1. Voorhees PM. EHA 2026; Abstract S100

2. Mina R et al. N Engl J Med 2026; doi: 10.1056/NEJMoa2604657

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