Wenn die Lebererkrankung erst der Anfang ist

MASLD steigert Darmkrebsrisiko deutlich

Aus der Fachliteratur
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Die kombinierte CT-PET-Aufnahme (links PET, Mitte CT, rechts CT/PET) wurde auf Leberhöhe erstellt und zeigt eine typische Konstellation: ein Kolorektalkarzinom plus Hinweise auf eine steatotische Lebererkrankung.

Bei Patientinnen und Patienten mit MASLD ist erhöhte Wachsamkeit für die Entwicklung von kolorektalen Karzinomen angeraten. Zwischen beiden Erkrankungen bestehen so viele Zusammenhänge, dass kürzlich ein Konsensuspapier zur gemeinsamen Epidemiologie, Pathogenese und dem Management dieses globalen Gesundheitsproblems erarbeitet wurde.

Die weltweite Prävalenz der metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) unter Erwachsenen hat deutlich zugenommen. Während sie zwischen 1990 und 2006 bei etwa 25 % lag, hat sie zwischen 2016 und 2019 bereits 38 % erreicht – Tendenz steigend. Nicht nur kardiovaskuläre Erkrankungen kommen bei Menschen mit MASLD gehäuft vor, auch bestimmte extrahepatische Krebsentitäten. Bedeutung besitzt vor allem das kolorektale Karzinom (CRC). Seine Inzidenz hat sich in dem oben genannten Zeitraum insgesamt mehr als verdoppelt.

Bei Patientinnen und Patienten mit MASLD ist das Risiko für ein CRC um etwa 65 % höher als bei Menschen ohne MASLD. Die Bedeutung der Lebererkrankung als CRC-Risikofaktor bleibt auch nach Korrektur für Diabetes und Adipositas bestehen. Im Vergleich zu Kontrollen mit Adipositas hatten Personen mit MASLD ein fast verdoppeltes CRC-Risiko.

Erhöhte Gefahr für Lebermetastasierungen

Je stärker die metabolische Dysfunktion ausgeprägt ist und je mehr Komponenten sie aufweist, desto höher liegt das CRC-Risiko. Dazu kommt, dass eine inzidente Darmkrebserkrankung umso schwerwiegender verläuft, je schwerer die Lebererkrankung ist. Das Risiko für die Lebermetastasierung eines CRC ist einer Analyse zufolge fast vierfach höher als bei CRC-Betroffenen ohne MASLD. Auch die Mortalität aufgrund eines Kolorektalkarzinoms ist mit der Lebererkrankung deutlich erhöht. Nach einer Untersuchung des Autorenteams um Chu-­Tian Wu von der Guangzhou Medical University, Guangzhou, liegt sie im Vergleich zu CRC-Betroffenen ohne MASLD um 85 % höher. Je ausgeprägter die inflammatorischen und fibrotischen Leberveränderungen sind, desto höher steigt die Mortalität für Kolorektalkarzinome.

Modifizierbare Risikofaktoren in den Blick nehmen

MASLD und CRC teilen sich Risikofaktoren wie Adipositas und Typ-2-Diabetes. Man nimmt an, dass bis zu drei Viertel der sporadischen Darmkrebsfälle durch solche modifizierbare Risikofaktoren bedingt sind. Sie begünstigen eine systemische Insulinresistenz und systemische Inflammation. Eine chronische Hyperinsulin­ämie schafft im Gewebe ein Mikromilieu, welches die Epithelproliferation, die Mutationsaktivität und die sogenannte klonale Selektion von Zellen mit onkogenen Mutationen fördert. Auch eine niederschwellige systemische Entzündung trägt dazu bei, die Tumorzellproliferation zu fördern.

Eine Schlüsselrolle spielen die Darm-Leber-Achse mit der enterohepatischen Zirkulation von Gallensäuren und eine Darmdysbiose. Auch Leptin und Adiponectin können sowohl an der Entwicklung der MASLD als auch des CRC beteiligt sein.

Maßnahmen, um das erhöhte CRC-Risiko zu senken, beginnen bei Ernährung und Gewichtsabnahme. Durch eine Kost, die viel Obst und Gemüse, aber wenig rotes oder prozessiertes Fleisch enthält, lässt sich das CRC-Risiko signifikant senken. Eine Reduktion des Körpergewichts um 5–10 % innerhalb eines Jahres durch bessere Ernährung und körperliche Aktivität kann die Lebererkrankung und das metabolische Profil bessern sowie das CRC-Risiko vermindern. Doch mehr als 10 % Gewichtsabnahme in einem Jahr kann auch ein Zeichen für eine inzidente Krebserkrankung sein.

Sinnvoll ist bei MASLD auch, die Altersgrenze für den Beginn eines Darmkrebsscreenings auf 40 Jahre zu senken. Denn ein Großteil der CRC-Erkrankungen tritt schon vor dem üblichen Screeningbeginn von 50 Jahren auf. Kohortenstudien machen deutlich, dass ein früheres Screening die Darmkrebsmortalität senken kann.

Bariatrische Chirurgie bei schwerer Adipositas erwägen

Schließlich müssen eine Adipositas und ein Diabetes optimal behandelt werden. Bei einer schweren Adipositas kann bei Menschen mit MASLD manchmal nur eine bariatrische Chirurgie helfen, die Lebererkrankung zu bessern und das Risiko für ein Kolorektalkarzinom zu senken.

Unter den antidiabetischen Medikamenten sind vor allem GLP1-Rezeptoragonisten wichtig. Sie optimieren nicht nur den Glukosestoffwechsel, sondern unterstützen auch die Gewichtsabnahme, verbessern die Insulinresistenz und mindern die systemische Inflammation. Dies kann einen günstigen Effekt auf das CRC-Risiko haben.

Die sechs Konsensuspunkte zum Management von MASLD und Kolorektalkarzinomen

In dem Konsensusbericht wurden sechs Maßnahmen herausgearbeitet, die bei Erwachsenen mit MASLD die Lebererkrankung verbessern und gleichzeitig das Risiko für Kolorektalkarzinome senken sollen:

  1. Reduktion von rotem und verarbeitetem Fleisch bei gleichzeitig ­erhöhtem Verzehr von frischem Obst und Gemüse

  2. Gewichtsreduktion um 5-10 % innerhalb eines Jahres durch Lebensstiländerungen (Ernährungsoptimierung, mehr körperliche Aktivität)

  3. eine Darmkrebsvorsorge insbesondere bei begleitender Adipositas oder Typ-2-Diabetes bereits ab dem 40. Lebensjahr in Betracht ziehen

  4. optimale Behandlung von Adipositas und Typ-2-Diabetes

  5. bariatrische Chirurgie bei Patientinnen und Patienten mit schwerer Adipositas

  6. Einsatz von GLP1-Rezeptoragonisten bei behandlungsgeeigneten ­Erkrankten

Wu C-T et al. Gut 2026; doi: 10.1136/gutjnl-2025-337374

Dr. Angelika Bischoff

Freie Autorin
Dr. Angelika Bischoff ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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