Psychische Komorbidität bei chronisch obstruktiver Lungen­erkrankung

COPD: Depression und Angst verschlechtern den Verlauf

Aus der Fachliteratur
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Bei bis zu 40 % der Patientinnen und Patienten mit COPD liegt auch eine Depression vor (Symbolbild).

Psychische Komorbiditäten verschärfen bei COPD offenbar den Krankheitsverlauf: Eine Metaanalyse zeigt schwerere Symptome, häufigere Exazerbationen und mehr stationäre Aufenthalte bei Betroffenen. Auf entsprechende Symptome ist daher sorgfältig zu achten.

Dass Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) häufiger als die Allgemeinbevölkerung auch an einer psychischen Erkrankung leiden, ist bekannt. So besteht bei bis zu 40 % der COPD-Patientinnen und -Patienten eine Depression, bei etwa einem Drittel eine Angststörung. Zur Frage, ob solche Begleiterkrankungen sich auf das Outcome der COPD auswirken, liefern bisherige Studien meist keine umfassende Antwort. Daher adressierten Forschende um Sulaiman Alsaab von der University of Birmingham dieses Thema in einer Metaanalyse.

Outcomes von Lungenfunktion bis Hospitalisierung erfasst

Anhand einer systematischen Literatursuche fanden sich 58 geeignete Studien, in denen COPD-Patientinnen und -Patienten mit und ohne komorbide psychische Erkrankung eingeschlossen waren. In jeder Arbeit gab es mindestens einen COPD-bezogener Endpunkt. Zu den untersuchten Outcomes zählten Lungenfunktion, Schweregrade der Symptome sowie Lebensqualität und klinische Ereignisse wie Exazerbationen, Hospitalisierung und Mortalität.

Die Daten der insgesamt 707.037 Patientinnen und Patienten in einem mittleren Alter zwischen 58 und 77 Jahren ergaben eine deutliche Assoziation zwischen dem Vorliegen einer psychischen Erkrankung und einem schlechteren Outcome der COPD. Im Vergleich zu Personen ohne psychische Diagnose wiesen die Betroffenen ein niedrigeres forciertes exspiratorisches Volumen (Einsekundenkapazität) sowie eine geringere Diffusionskapazität der Lunge auf. Im 6-Minuten-Gehtest konnten sie im Mittel 30,42 m weniger zurücklegen als die Vergleichsgruppe, in Scores ergab sich eine stärker ausgeprägte Dyspnoe. Die Betroffenen erlitten zudem häufiger Exazerbationen (adjusted Risk Ratio 1,58) und mussten öfter stationär behandelt werden (adjusted Odds Ratio 1,61). Die Lebensqualität war geringer und es ergab sich eine Tendenz für eine erhöhte Mortalität, wenn neben der COPD auch eine psychische Krankheit vorlag.

Depression und Angststörung als zentrale Zusatzlasten

Die stärksten und konsistentesten Assoziationen mit einem negativen COPD-Outcome zeigten sich für eine komorbide Depression oder Angststörung. Die Ergebnisse waren nicht für alle untersuchten Outcomes und psychischen Erkrankungen einheitlich. Das Autorenteam spricht sich daher für weitere Forschung auf dem Gebiet aus.

Die Ergebnisse unterstreichen jedoch die Empfehlungen der Fachgesellschaften, COPD-Patientinnen und -Patienten auf eine Depression oder Angststörung hin zu untersuchen. Grundsätzlich sollten psychische Symptome bei COPD berücksichtigt bzw. behandelt werden, so Alsaab et al., denn wahrscheinlich beeinflussen sich Lungenerkrankung und psychische Stabilität bei den Betroffenen gegenseitig.

Bei schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie könnten unter anderem eine mangelnde Adhärenz, soziale Isolation und ein erschwerter Zugang zur Gesundheitsversorgung zu einem ungünstigeren Verlauf beitragen. Für solche schweren psychischen Krankheitsbilder ergab sich in der vorgestellten Arbeit auch eine Tendenz für einen Zusammenhang mit einem schlechteren COPD-Outcome; insgesamt ist die Datenlage aber begrenzt.

Alsaab S et al. BMJ Open Respir Res 2026; 13: e003977; doi: 10.1136/bmjresp-2025-003977

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte – Medizinerinnen und Mediziner, Studierende oder Laien – sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist: Neurologie und Psychiatrie, Pneumologie, Gynäkologie und Onkologie sowie internistische und allgemeinmedizinische Texte oder auch Public-Health-Themen.

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