Gefäßentzündung und Krebs

Vaskulitiden verdoppeln Lungenkrebsrisiko

66. Kongress der DGP
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ANCA-Vaskulitiden verdoppeln das Lungenkrebsrisiko. Andersherum können auch Tumortherapien Vaskulitiden auslösen – mit Folgen für die Prognose.

Bestimmte Vaskulitiden wie die ANCA-assoziierte Form erhöhen das Risiko für Lungenkrebs deutlich. Chronische Inflammation, genetische Faktoren und Immunsuppression scheinen die Tumorentstehung zu begünstigen – mit teils bidirektionaler Dynamik.

Bei Patientinnen und Patienten mit Lungenkrebs kann paraneoplastisch oder therapiebedingt eine Vaskulitis auftreten. In seltenen Fällen fördert andersherum eine Gefäßerkrankung oder deren Behandlung ein malignes Geschehen.

Vaskulitiden erhöhen in unterschiedlichem Maß das Risiko für Karzinome, berichtete Prof. Dr. ­Hubert ­Wirtz vom Bereich Pneumologie am Universitätsklinikum Leipzig. Vor allem Patientinnen und Patienten mit einer Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) und anderen ­ANCA-assoziierten Vaskulitiden, ­Behçet-Erkrankung und Polyarteriitis nodosa (PAN) haben ein erhöhtes Krebsrisiko, erläuterte er. Über einen Zeitraum von zehn Jahren entwickelt jede bzw. jeder fünfte von einer solchen Vaskulitis Betroffene ein Malignom, am häufigsten einen weißen Hautkrebs.

Berichtet wird bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden aber auch von einem gegenüber Gefäßgesunden fast verdoppelten Risiko für ein Lungenkarzinom. Möglicherweise spielen die chronische Inflammation bei Vaskulitis, eine genetische Prädisposition und die reduzierte Immunantwort durch eine immunsuppressive Therapie eine Rolle für dieses erhöhte Krebsrisiko. Bekannt ist, dass die bei Vaskulitiden eingesetzten Immunsuppressiva unterschiedliche Effekte auf das Malignomrisiko haben, erläuterte Prof. Wirtz: Eine länger andauernde Therapie mit Cyclophosphamid scheint mit einem erhöhten Krebsrisiko einherzugehen, während eine Therapie mit Rituximab die Gefahr eher reduziert. 

Die Assoziation von Vaskulitiden und Krebs ist bidirektional: Bei bis zu 8 % aller malignen Erkrankungen kommt es zu paraneoplastischen Vaskulitiden. Besonders häufig sind diese krebsassoziierten Vaskulitiden im Zusammenhang mit hämatologischen Neoplasien. Bei soliden Tumoren kommen sie am häufigsten komorbid zu Karzinomen von Lunge, Gastrointestinaltrakt oder Urogenitaltrakt vor. Meist wird eine Kleingefäßvaskulitis beobachtet, die nicht immer den klassischen Mustern folgt, betonte Prof. Wirtz. Spricht eine Vaskulitis nicht auf Steroide an, sollte auch an eine paraneoplastische Form gedacht werden. Die Therapie besteht primär aus der Behandlung der malignen Erkrankung. Darunter bessert sich meist auch die paraneoplastische Vaskulitis.

Eine Vaskulitis bei Krebserkrankung kann auch Folge der Tumortherapie sein. So tritt sie als relativ seltene immunvermittelte Nebenwirkung unter der Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren auf. In onkologischen Zentren liegt die Rate der damit Behandelten, die eine Vaskulitis entwickeln, bei etwa 0,2 %. Oftmals wird der Antikörper gegen Lungenkrebs eingesetzt. Unter Therapie auftretende Vaskulitiden können untypisch verlaufen. Sie betreffen häufig die Haut, aber auch Niere und Lunge. Bei Lungenbeteiligung kann die Vaskulitis unabhängig vom Lungenkarzinom zu Dyspnoe, Husten und Hämoptysen führen. Die Therapie der medikamentenbedingten Vaskulitis besteht vorrangig im Pausieren der Checkpoint-Inhibitoren und der Gabe von Steroiden. Prof. Wirtz zufolge kann in vielen Fällen nach einer kurzen bis mittellangen Steroidtherapie die Behandlung mit dem ICI fortgesetzt werden. Die Prognose dieser Patientinnen und Patienten ist allerdings schlechter als ohne ICI-assoziierte Vaskulitis.

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