Auf Mikronährstoffe im Alter achten

Mangel vorprogrammiert

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Häufig essen Ältere auch aufgrund sozialer Isolation, Depressionen oder kognitiver Defizite weniger.

Altern betrifft alle Organsysteme und ist durch viele molekulare und zelluläre Veränderungen charakterisiert. Ein Mangel an Mikronährstoffen kann diese Prozesse beschleunigen. Grund genug, auch bei alten Menschen auf eine ausreichende Versorgung zu achten.

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Ältere Menschen erreichen die DGE*-Referenzwerte für die Zufuhr von Mikronährstoffen seltener als jüngere, schreibt ein Team um Ha Anh Tran vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Nuthetal. Das hat verschiedene Gründe: Schluckstörungen und Zahnverluste behindern die Aufnahme von Nahrung und Nährstoffen. Die abnehmende Motilität von Ösophagus, Magen und Darm verlangsamt die gastrointestinale Passage, weshalb ältere Menschen häufig ein frühes Sättigungsgefühl empfinden. Häufig essen Ältere auch aufgrund sozialer Isolation, Depressionen oder kognitiver Defizite weniger. Zudem können Medikamente die Bioverfügbarkeit von Mikronährstoffen beeinträchtigen. 

Vitamin-D-Synthese ist bei Älteren reduziert

Im Alter kommt es vor allem zu Defiziten bei Vitamin D, Vitamin B12, Magnesium, Eisen, Folat und Calcium. Vitamin D spielt eine essenzielle Rolle für die Knochenmineralisierung. Es reguliert auch die Immunfunktion und unterstützt die Zellregeneration. Muskelatrophie, Osteoporose und Sarkopenie können Folgen eines Vitamin-D-Mangels sein. Da sich ältere Menschen weniger der Sonne aussetzen, ist die körpereigene Synthese des Vitamins reduziert. Zudem kann eine Malabsorption die ohnehin geringe Aufnahme des Vitamins aus der Nahrung behindern. Es wundert deshalb nicht, dass ein Vitamin-D-Mangel bei älteren Menschen eher die Regel als die Ausnahme ist. Das RKI geht bei einem 25(OH)D-Spiegel unter 30 nmol/L von einem Mangel aus. Ältere können den täglichen Bedarf von 20 µg/Tag Vitamin D oft nur durch Supplementierung decken. Für die Knochengesundheit kommt es außerdem auf eine ausreichende Calciumzufuhr an (1.000 mg/d). 

Cobalamin (Vitamin B12), ein wichtiger Faktor in vielen Stoffwechselprozessen, ist vor allem in Lebensmitteln tierischen Ursprungs enthalten. Die Aufnahme von Vitamin B12 wird im Alter weniger effizient. Ursachen sind u. a. die häufig vorliegende chronische Gastritis, aber auch Wechselwirkungen mit Medikamenten. 

Bei Frauen liegt häufiger ein Vitamin-B12-Mangel vor

Ein Defizit an Cobalamin kann ungünstige hämatologische oder neuropsychiatrische Effekte haben, z. B. kognitive Einschränkungen. Manche Studien haben eine Assoziation zwischen der Alzheimererkrankung und einem Vitamin-B12-Mangel gefunden, andere nicht. Rund 10 % der älteren Männer und 26 % der älteren Frauen in Deutschland bleiben mit der Zufuhr unter dem täglichen Bedarf (4,0 µg). Dieser wird z. B. durch den Verzehr von einem Glas Milch, einem Joghurt, einem Ei und 60 g Camembert gedeckt.

Der Gastrointestinaltrakt altert mit

Eine bei älteren Menschen abnehmende Muskelfunktion betrifft auch die Muskulatur des gesamten gastrointestinalen (GI) Trakts. Verringerte Nahrungsaufnahme und ein Nährstoffmangel können die Folge sein. Außerdem verzichten viele ältere Menschen auf fettreiche Nahrung, um Sodbrennen zu vermeiden. Zusätzlich kann sich die Zusammensetzung der Galle im Alter verändern und die Kontraktionsfähigkeit der Gallenblase verschlechtern. Diese Prozesse wirken sich negativ auf die Absorption fettlöslicher Vitamine aus. Darüber hinaus nimmt die Anzahl der für die Verdauung zuständigen Nervenzellen ab, die mikrobielle Darmvielfalt reduziert sich und es treten vermehrt Schleimhautdefekte auf. Eine nachlassende Immunfunktion begünstigt zudem bakterielle und virale Infektionen des GI-Trakts. Eine gezielte Überwachung der Mikronährstoffversorgung ist daher bei älteren Patientinnen und Patienten von besonderer klinischer Relevanz.

Magnesium ist ein Cofaktor in vielen enzymatischen Reaktionen. Im Alter kann es zu einer verringerten Aufnahme und einer vermehrten Ausscheidung des Mineralstoffs kommen, weitere Risiken für ein Defizit sind Wechselwirkungen und Komorbiditäten. Bei einem Defizit drohen Muskelkrämpfe, zudem werden Osteoporose und Athero­sklerose begünstigt. Ein Drittel der Menschen über 65 Jahren nimmt täglich weniger Magnesium auf als empfohlen. 25 g Cashewnüsse decken ein Fünftel des täglichen Bedarfs. Viel Magnesium ist außerdem in Naturreis, Blattspinat und Vollkornbrot enthalten.    

Folsäuremangel kann zu kognitiven Defiziten führen

Eisen wird benötigt für Bindung und Transport von Sauerstoff, Zellatmung und Elektronentransport. Ein Eisenmangel kann sich in Müdigkeit, Kopfschmerzen und Blässe äußern und bis hin zur Anämie reichen. Folsäure ist bedeutsam für die DNA-Synthese und somit für die Produktion von Erythrozyten. Müdigkeit, megaloblastäre Anämie, Depressionen und kognitive Defizite kennt man als Anzeichen eines Folsäuremangels, der sich bei etwa 10 % der älteren Menschen findet. 

Untersuchungen zum Einfluss von Mikronährstoffsupplementen auf altersassoziierte Erkrankungen brachten kontroverse Ergebnisse. In der COSMOS-Studie hat eine dreijährige Supplementation mit einem Multivitaminpräparat die kognitiven Fähigkeiten signifikant verbessert. Die Physicians’ Health Study II fand keinen solchen Zusammenhang. 

Keine strenge Kontrolle von Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel können auch Probleme verursachen, z. B. die Wirkung von anderen Medikamenten durch Wechselwirkungen verändern. Da sie nicht so streng kontrolliert werden wie Arzneimittel, sind sie manchmal mit schädlichen Stoffen verunreinigt. Insbesondere calcium- und magnesiumhaltige Präparate verursachen manchmal gastrointestinale Beschwerden. Zu hohe Dosen von Calcium können zu einer Hyperkalzämie führen. Toxische Effekte sind auch zu befürchten bei einer Überdosierung von Vitamin D. 

Der Bedarf an den meisten Mikro­nährstoffen lässt sich über eine gesunde Ernährung mit Obst, Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten, Milch und Vollkornprodukten auch im Alter decken. Dies kann dazu beitragen, altersassoziierten Krankheiten vorzubeugen. Um Hypovitaminose und Mineralstoffmängel zu erkennen, empfiehlt die Autorengruppe bei älteren Menschen regelmäßige Blutkontrollen.

*    Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Tran HA et al. Bundesgesundheitsblatt 2025; 68: 1254-1263; doi: 10.1007/s00103-025-04141-2

 

Dr. Angelika Bischoff

Freie Autorin
Dr. Angelika Bischoff ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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