Individuelles Nachsorgekonzept fürs Mammakarzinom vorgestellt
Die ersten Ergebnisse der bundesweit durchgeführten multizentrischen BETTER-CARE-Studie deuten darauf hin, dass ein individualisiertes Nachsorgekonzept für Patient:innen mit primärem Mammakarzinom neuropsychiatrische Beschwerden reduzieren könnte.
Bislang erhalten Patient:innen mit primärem Mammakarzinom eine standardisierte Nachsorge. Wichtig sei jedoch, diese an das Rezidiv- und das Metastasierungsrisiko anzupassen, erläuterte Prof. Dr. Achim Wöckel, Universitätsklinikum Würzburg. Nationale und internationale Empfehlungen berücksichtigen im Rahmen der Nachsorgekonzepte außerdem individuelle Bedürfnisse zu wenig.
Standardschema oder individualisierte Nachsorge?
Vor diesem Hintergrund vergleichen Forschende in der zweiarmigen BETTER-CARE-Studie das standardisierte Nachsorgekonzept (Kontrollarm) mit einem bedarfsadaptierten, individualisierten Ansatz (Interventionsarm). In der multizentrischen, cluster-randomisierten Studie wurden die teilnehmenden deutschen Brustkrebszentren zufällig dem Kontroll- oder Interventionsarm zugeordnet.
Alle Teilnehmenden erhalten eine Eingangsbefragung und eine Abschlussbefragung nach einem Jahr. Primärer Studienendpunkt ist die gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) nach zwölf Monaten. Im Interventionsarm werden ergänzend zum Standardkonzept regelmäßig die Bedürfnisse der Patient:innen erhoben. Dies geschieht telefonisch und/oder über eine App. Bei Bedarf passen Fachleute die Nachsorge entsprechend den individuellen Bedürfnissen an und verweisen beispielsweise auf Spezialist:innen oder digitale Interventionen. Ein wichtiger Bestandteil sei ein interdisziplinäres Versorgungsnetzwerk, beschrieb der Referent weiter.
Seltener neuropsychiatrische Beschwerden
In den ersten Ergebnissen zeigt sich bei der HRQoL kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen (adjustierte Differenz 1,61). Die Patient:innen der Interventionsgruppe gaben jedoch positive Effekte bei sekundären Studienendpunkten an. Speziell Fatigue (aOR [adjusted Odds Ratio] 0,57), Depressionen (aOR 0,46), kognitive Einschränkungen (aOR 0,52) sowie Neurotoxizitäten (aOR 0,68) und Einschränkungen im sozialen Leben (aOR 0,65) traten seltener auf. Dass sich die Verbesserungen bei diesen „wichtigen“ therapieassoziierten Beschwerden nicht in einer Verbesserung der HRQoL niederschlugen, sei möglicherweise der Nachbeobachtungszeit von nur einem Jahr geschuldet, kommentierte Prof. Wöckel.
Wöckel A et al. 2026 ASCO Annual Meeting; LBA510