Dengue
Dengue (Dengue‑Fieber) – Symptome, Diagnostik, Therapie
Dengue ist eine durch Viren verursachte Tropenkrankheit, die weltweit zu den häufigsten durch Mücken übertragenen Infektionskrankheiten zählt. Erreger sind vier verschiedene Serotypen des Dengue-Virus (DENV-1, DENV-2, DENV-3, DENV-4), die zur Familie der Flaviviridae gehören. Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch den Stich infizierter Stechmücken der Gattung Aedes, vor allem durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Lokal können auch andere Stechmückenspezies relevant sein, etwa Aedes albopictus, die Asiatische Tigermücke.
Die Zahl der weltweit gemeldeten Dengue-Virus-Infektionen beträgt laut WHO mehr als 14 Mio. Fälle pro Jahr mit mehr als 12.000 dengue-assoziierten Todesfällen. Die tatsächliche globale Krankheitslast dürfte allerdings um ein Vielfaches höher liegen und wird auf 100 bis 400 Mio. Infektionen pro Jahr geschätzt.
Endemiegebiete liegen vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens und des Mittleren Ostens, auf den pazifischen Inseln, in Lateinamerika, der Karibik und Teilen Afrikas. Auch in den USA (Hawaii, Texas, Florida) und Südeuropa (Südfrankreich, Kroatien, Italien, Spanien) sind bereits authochthone Fälle aufgetreten.
In Deutschland wird Dengue ausschließlich als importierte Infektion diagnostiziert, derzeit insbesondere bei Reiserückkehrenden aus Südostasien, Lateinamerika und der Karibik. Die Fallzahlen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Jenseits der Mücke
Dengue wird in sehr seltenen Fällen auch auf anderen Wegen als durch Aedes-Mücken übertragen. Eine vertikale Transmission von der Mutter auf das ungeborene Kind ist möglich, gilt jedoch als Rarität. Das Risiko scheint vom Zeitpunkt der Infektion während der Schwangerschaft abzuhängen. Betroffene Neugeborene können Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht oder fetale Komplikationen aufweisen. Einzelfälle einer Übertragung über Blutprodukte, Organtransplantationen oder Transfusionen sind ebenfalls dokumentiert.
Symptome von Dengue: Wie erkennt man die Erkrankung?
Die Inkubationszeit beträgt vier bis sieben Tage (Spanne: drei bis zehn Tage) nach dem Mückenstich. Etwa 75 % der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild, vornehmlich Erstinfektionen und Infektionen nach einer bereits durchgemachten Zweitinfektion. Die Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp geht hingegen mit einem deutlich erhöhten Risiko für schweres Dengue einher (s. u.).
Typischer Krankheitsverlauf bei Dengue
Bei symptomatischem Verlauf beginnt die Erkrankung mit plötzlich einsetzendem hohem Fieber (bis 40 °C), retroorbitalen Schmerzen, ausgeprägten Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie einer generalisierten Lymphadenopathie. Die Muskel- und Gelenkschmerzen sind mitunter so heftig, dass sich der Begriff „Knochenbrecher-Fieber“ etabliert hat.
Hinzu kommen Übelkeit, Erbrechen und bei einem guten Drittel der Fälle ein makulopapulöses oder morbilliformes Exanthem (häufig ab Tag 3–5, oft mit „weißen Inseln“ in geröteter Haut und deutliche Dermographismus), gelegentlich eine Hepatomegalie.
Laborchemisch zeigen sich oft Leuko- und ausgeprägte Thrombozytopenie. Zudem kann es zu respiratorischen Beschwerden wie Husten, Halsschmerzen und Rhinorrhö kommen. Bereits in der febrilen Phase können nasale, gastrointestinale und transvaginale Schleimhautblutungen auftreten.
Dengue und die Leber: häufige Beteiligung, selten gefährlich
Eine Leberbeteiligung ist bei Dengue häufig: 60–90 % der Erkrankten zeigen einen milden Anstieg der Transaminasen auf das Zwei- bis Dreifache, mit einem Höhepunkt etwa an Tag 7. Typischerweise ist dabei AST stärker erhöht als ALT, wohl durch den Untergang von Muskelzellen und infolge der Hämolyse. In der Regel normalisieren sich die Werte innerhalb von drei Wochen ohne spezifische Therapie. Akutes Leberversagen ist selten, kann sich jedoch ebenfalls um den siebten Tag herum manifestieren, meist im Rahmen eines schweren Dengue. Bei stark erhöhten Transaminasen oder prolongiertem Verlauf ist eine hepatologische Abklärung empfehlenswert.
In seltenen Fällen (5 %) kommt es zum schweren Dengue mit Kapillarlecksyndrom: Aus dem Gefäßsystem tritt Flüssigkeit aus (Aszites, periphere Ödeme, Pleuraerguss), der Hämatokrit steigt an, der Serumalbumin-Spiegel sinkt. Unbehandelt kann es zum hypovolämischen Schock kommen. Es können klinisch relevante Hämorrhagien auftreten, Leber- oder Herzbeteiligung sowie neurologische Manifestationen wie Enzephalopathie oder Krampfanfälle, neuromuskuläre oder neuroophthalmologische Komplikationen.
Bei klinischem Verdacht oder nachgewiesener Dengue-Virus-Infektion sollte frühzeitig eine patientenindividuelle Risikoeinschätzung erfolgen. Relevante Faktoren sind u. a. Alter, Begleiterkrankungen, körperliche Konstitution sowie frühere Dengue-Virus-Infektionen:
Patientenalter < 10 oder > 60 Jahre
Diabetes mellitus
chronische Nierenkrankheit
pulmonale Erkrankung
koronare Herzkrankheit
Übergewicht/Adipositas
Schwangerschaft
DENV-Zweitinfektion
Ferner sind eine Reihe laborchemischer Befunde für die Risikostratifizierung von Bedeutung:
erhöhter Hämatokrit
Thrombozytopenie
Serumalbumin erniedrigt
erhöhte Transaminasenwerte
Laktatdehydrogenase erhöht
erhöhte Aktivität der Creatinkinase
aktivierte partielle Thromboplastinzeit erhöht
erhöhte Retentionsparameter (Kreatinin, Harnstoff)
Eine weitere mögliche Komplikation bei schwerem Dengue ist akutes Nierenversagen. Ursächlich können eine schockbedingte renale Hypoperfusion, ein direkter Organtropismus durch DENV, eine zytokinvermittelte Rhabdomyolyse oder eine glomeruläre Schädigung sein.
Die Sterblichkeitsrate bei Dengue wird mit 2,5 % angegeben, wobei vor allem Kinder < 10 Jahren unter erhöhtem Risiko stehen, aber auch vorerkrankte und alte Menschen. Bei frühzeitiger Diagnosestellung und bei adäquater Therapie liegt die Mortalität unterhalb von 1 %. Bei Reisenden sind dengue-assoziierte Todesfälle sehr selten.
Wenn der Immunschutz zum Problem wird
Das Risiko für einen schweren Verlauf ist vor allem bei der Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp erhöht. Ursache ist eine antikörpervermittelte verstärkte Infektion (antibody-dependent enhancement, ADE): Die bei der Erstinfektion gebildeten serotyp-spezifischen Antikörper binden den neuen Serotyp zwar, vermögen ihn aber nicht zu neutralisieren. Die entstehenden infektiösen Immunkomplexe werden über die Fc-Rezeptoren in die Makrophagen aufgenommen, wo sie die Immunantwort bis zur hyperinflammatorischen Zytokinantwort verstärken. Dritte und vierte Infektionen verlaufen in der Regel wieder milder. Schwere Krankheitsverläufe und Komplikationen können jedoch auch bei Erstinfektionen auftreten.
Dengue-Leitsymptome im Überblick
hohes Fieber, abrupt beginnend ( bei 94 % der Kranken)
retroorbital betonte Kopfschmerzen (89 %)
Myalgien (81 %)
Arthralgien (57 %)
Übelkeit (57 %)
Diarrhö (37 %)
makulopapulöses oder petechiales Exanthem (37 %)
Warnzeichen in der kritischen Phase – wann muss man sofort handeln?
Patientinnen und Patienten, die während der kritischen Phase der Tage 3 bis 7 einer Dengue-Virus-Infektion bestimmte Warnzeichen entwickeln, haben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Die Warnsymptome sind aber per se kein Ausdruck und keine Definition eines schweren Krankheitsverlaufs.
Warnzeichen | Klinische Bedeutung |
starke Bauchschmerzen oder Druckschmerzhaftigkeit | Hinweis auf Gefäßundichtigkeit oder Organmanifestation |
anhaltendes Erbrechen (dreimal am Tag oder öfter) | Dehydratationsgefahr |
Flüssigkeitsansammlung (Aszites, Pleuraerguss) | Zeichen eines Kapillarlecksyndroms |
Schleimhautblutungen | erhöhtes Blutungsrisiko |
Lethargie, Unruhe oder Bewusstseinsveränderung | ZNS-Beteiligung oder Schock |
Lebervergrößerung > 2 cm | hepatische Beteiligung |
rascher Thrombozytenabfall oder Hämatokritanstieg | kritische Phase |
Klinische Warnzeichen, die bei Dengue eine engmaschige Überwachung oder stationäre Aufnahme erfordern.
Darüber hinaus sind Hämorrhagien eine gefürchtete Komplikation von schwerem Dengue. Sie treten typischerweise gastrointestinal oder vaginal auf und sollten eine zeitnahe Bluttransfusion und Thrombozytengabe nach sich ziehen.
Vorsicht in der Erholungsphase: Gefahr der Überinfusion
Mit Abklingen der Infektion kommt es zur graduellen Reabsorption der ausgetretenen Flüssigkeit und zur Normalisierung der Thrombozytenzahl. Wird die intravenöse Flüssigkeitsgabe in dieser Phase nicht rechtzeitig reduziert oder beendet, droht Hypervolämie mit der Gefahr eines Lungenödems und respiratorischer Kompromittierung. Engmaschige klinische Kontrollen sind daher auch in der Erholungsphase erforderlich. Abgeschlagenheit und Müdigkeit können – insbesondere beim Erwachsenen – über mehrere Wochen anhalten.
Fieber und Thrombozytopenie nach einer Tropenreise sollten immer den Verdacht auf Dengue – aber auch auf Malaria – auslösen. Reiseziele mit besonders hohem Dengue-Risiko sind derzeit (Stand: Juli 2026) u. a. Brasilien, Thailand, Indonesien, Indien, die Philippinen und die Dominikanische Republik.
Diagnostik bei Dengue-Verdacht: So gehen Ärztinnen und Ärzte vor
Anamnese/Reiseanamnese
Entscheidend ist die Reiseanamnese: Wohin wurde gereist, wie lange war der Aufenthalt, wann kehrte die Patientin oder der Patient zurück? Erfolgte die Reise während oder unmittelbar nach der Regenzeit? Dengue ist bei Fieber innerhalb von 14 Tagen nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet stets eine wichtige Differenzialdiagnose.
Klinische Untersuchung
Neben der Kontrolle der Vitalzeichen (Fieber, Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung) sollte auf folgende Befunde geachtet werden: Exantheme, Ödeme, Hepatomegalie, Zeichen eines Schocks (Tachykardie, Hypotonie, verlängerte kapilläre Füllungszeit) sowie Blutungszeichen. Als einfaches Screening-Werkzeug kann der Tourniquet-Test eingesetzt werden.
Labordiagnostik
Für optimale Sensitivität und Spezifität sollten in den ersten drei Krankheitswochen der Test auf das Nicht-Struktur-1-Antigen (NS1-Ag) sowie auf IgM und IgG erfolgen, wenn möglich mit gepaarten Seren. In der ersten Krankheitswoche kann alternativ zum NS1-Ag-Nachweis aus Blut oder Serum die DENV-RNA mittels Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) aus Blut, Serum oder Urin nachgewiesen werden. IgG-Antikörper bleiben mitunter über mehrere Jahrzehnte hinweg nachweisbar, womöglich lebenslang. Die IgM-Titer können bei Sekundärinfektionen deutlich niedriger ausfallen oder ganz fehlen.
Zeitfenster | Empfohlene Diagnostik |
1. Krankheitswoche | NS1-Antigen-Test (ELISA) und/oder Dengue-PCR |
2.–3. Krankheitswoche | Dengue-IgM/IgG-Serologie (ELISA) |
Kombination | NS1-Ag plus IgM/IgG für maximale Sensitivität |
Kreuzreaktionen mit anderen Flavivirus-Antikörpern (z. B. nach Gelbfieber, Japanischer Enzephalitis, Zika; sowohl nach Infektion als auch nach Impfung) oder FSME-Viren können die serologischen Ergebnisse verfälschen. In solchen Fällen ist eine PCR-Bestätigung oder die Einsendung an ein Speziallabor (z. B. Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Tropeninstitute) empfehlenswert.
Blutbild: Leukopenie und Thrombozytopenie sind typisch bei Dengue. Ein Thrombozytenwert < 100.000/µl zeigt die kritische Phase zwischen Tag 3 und Tag 7 an, < 20.000/µl ist mit einem deutlich erhöhte Blutungsrisiko assoziiert. Ein Hämatokritanstieg ≥ 20 % gegenüber dem Ausgangswert weist auf ein Kapillarlecksyndrom hin. In der Urinanalyse kann eine mittelgradige Albuminurie auffallen, mitunter auch zylinderförmige Urinsedimente.
weitere Laborparameter: Leberwerte (AST, ALT oft erhöht), Kreatinin, Elektrolyte, Albumin (bei Plasmaleck erniedrigt), Gerinnungsstatus (bei schwerer Dengue).
Differenzialdiagnosen
Dengue muss insbesondere abgegrenzt werden gegen:
Malaria (Blutausstrich/Schnelltest obligat bei Tropenrückkehrern mit Fieber)
Chikungunya-Fieber (ausgeprägte Arthritis, geringere Thrombozytopenie)
Oropouche-Fieber
Zika-Fieber (milderer Verlauf, Konjunktivitis, teratogen)
Typhus abdominalis
Influenza, COVID-19
Meldepflicht
Nach § 6 IfSG besteht Meldepflicht bei Verdacht auf sowie bei nachgewiesenem schwerem Dengue. Zudem ist seitens des Labors ein positiver Erregernachweis nach § 7 IfSG zu melden. Bei Fragen zur Meldepflicht oder Diagnostik steht das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg als Ansprechpartner zur Verfügung.
Therapie von Dengue-Fieber: Was den Patientinnen und Patienten hilft
Eine spezifische antivirale Therapie bei Dengue existiert nicht. Die Behandlung ist supportiv und symptomorientiert.
Allgemeine Grundprinzipien der Behandlung
Flüssigkeitszufuhr ist die wichtigste therapeutische Maßnahme. Oral bei mildem Verlauf (Wasser, Elektrolytlösungen, verdünnte Säfte), intravenös bei Erbrechen, Zeichen eines Kapillarlecksyndroms oder bei Schock.
engmaschiges Monitoring in der kritischen Phase (Tag 4 bis Tag 6): Vitalzeichen, Flüssigkeitsbilanz, Hämatokrit und Thrombozytenzahl sind regelmäßig zu überprüfen.
Bettruhe und körperliche Schonung werden empfohlen.
Medikamentöse Optionen
Medikament/Maßnahme | Empfehlung |
Paracetamol | Mittel der Wahl zur Fieber- und Schmerzbehandlung |
Antibiotika | nur bei nachgewiesener bakterieller Superinfektion |
Thrombozytentransfusion | nur bei aktiver Blutung oder präoperativ; prophylaktisch nicht indiziert |
Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) sind bei Dengue-Verdacht oder bestätigter Dengue-Virus-Infektion kontraindiziert. Sie hemmen die Thrombozytenfunktion und können das Blutungsrisiko erheblich steigern. Für Kortikoide ist kein Nutzen belegt, sodass diese Substanzen nicht empfohlen werden.
Stationäre Aufnahme – wann muss die Patientin oder der Patient ins Krankenhaus?
Eine Einweisung in die Klinik ist indiziert bei:
klinische Warnzeichen (s. o.)
Thrombozytenwert < 100.000/µl mit raschem Abfall
Zeichen eines Kapillarlecksyndroms oder Schocks
Begleiterkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz etc.)
Schwangerschaft
unsichere ambulante Versorgung oder fehlendes soziales Netz
Prävention von Dengue: Mückenschutz und Impfung
Expositionsprophylaxe
Die Expositionsprophylaxe bleibt die wichtigste Schutzmaßnahme gegen Dengue:
DEET-, IR3535- oder Icaridin-haltige Repellentien (Icaridin ist länderspezifisch auch als Picaridin bekannt) auch tagsüber nutzen, da Aedes aegypti und Aedes albopictus tagaktiv sind.
helle, körperbedeckende Kleidung
imprägnierte Mückennetze konsequent nutzen (insbesondere bei Tagschlaf)
klimatisierte oder mit Mückengittern gesicherte Unterkünfte
Mückenschutz nach Rückkehr
Reisende mit einer DENV-Virämie können das Virus in bisher nicht betroffene Gebiete importieren. Da geeignete Vektoren – insbesondere Aedes albopictus – regional auch in Deutschland vorkommen, wird während der heimischen Mückensaison ein konsequenter ganztägiger Mückenschutz bei bestätigter Infektion empfohlen, aber auch bei Symptomfreiheit bis 14 Tage nach Rückkehr. Besonders in Regionen mit nachgewiesenem Vorkommen von Aedes albopictus ist diese Maßnahme wichtig, um autochthone Übertragungen zu verhindern.
Impfung gegen Dengue
Für die Dengue-Impfung stehen in der EU zwei zugelassene Impfstoffe zur Verfügung:
Dengvaxia® basiert auf einem modifizierten Gelbfieberimpfvirus und ist ausschließlich für seropositive Personen im Alter zwischen 9 und 45 Jahren in Endemiegebieten bestimmt. Bei seronegativen geimpften Kleinkindern kam es zu vermehrten schweren Verläufen bei späteren DENV-Infektionen, was die Akzeptanz des Impfstoffs dauerhaft beeinträchtigte. Für die Reisemedizin hat Dengvaxia® keine Relevanz. Die Vakzine ist in Deutschland nicht mehr erhältlich.
Qdenga® ist eine tetravalente attenuierte Lebendvakzine auf Basis eines modifizierten DENV-2-Backbones, zugelassen für Personen ab 4 Jahren, ungeachtet des Serostatus. Die Wirksamkeit der Vakzine ist abhängig vom Serostatus bzw. Serotyp, wobei die Wirksamkeit gegenüber DENV-3 und DENV-4 nicht sicher belegt ist. Näheres ist in der Fachinformation beschrieben.
Die STIKO empfiehlt die Impfung mit Qdenga® für Reisende in Endemiegebiete mit relevantem Expositionsrisiko in Abhängigkeit vom Serostatus der Betreffenden. Die Grundimmunisierung erfolgt subkutan mit zwei Dosen im Abstand von drei Monaten, was die frühzeitige reisemedizinische Beratung erforderlich macht. In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei relevanter Immunsuppression ist die Vakzine kontraindiziert.
Was sagt die STIKO zur Dengue-Impfung?
Die STIKO empfiehlt die Impfung mit Qdenga® für die folgenden Personengruppen:
Für Personen ≥ 4 Jahren, die anamnestisch eine labordiagnostisch gesicherte DENV-Infektion durchgemacht haben und in ein Dengue-Endemiegebiet reisen. Die Betreffenden müssen vor Ort einem erhöhten Expositionsrisiko ausgesetzt sein, etwa durch längeren Aufenthalt oder ein aktuelles Ausbruchsgeschehen.
Die Impfung ist zudem als beruflich indizierte Maßnahme vorgesehen, etwa für Personen, die außerhalb von Endemiegebieten gezielt mit Dengue-Viren arbeiten (z. B. in Forschungseinrichtungen oder Laboren).
Die STIKO empfiehlt die Dengue-Impfung derzeit nicht für dengue-naive Personen. Andere Expertengremien hingegen befürworten die Impfung für Reisende in Endemie- und Epidemiegebiete mit Expositionsrisiko unabhängig vom Serostatus.
Im Zeitraum zwischen den Impfungen besteht laut Fachinformation bereits ein 81%iger Schutz vor einer Dengue-Virus-Infektion. Dennoch sollte der STIKO-Empfehlung folgend die Impfserie vor Reiseantritt abgeschlossen sein. Ob und wann eine Auffrischimpfung gegen Dengue erfolgen muss, ist derzeit unklar.
(Stand: 30. Juli 2026 – aktuelle Empfehlungen sind den Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts zu entnehmen.)
Häufige Fragen zu Dengue (FAQ): Was für Patientinnen und Patienten wichtig ist
Wie lange nach einem Mückenstich kann Dengue auftreten?
Dengue-Fieber tritt in der Regel drei bis zehn Tage nach dem Stich einer infizierten Mücke auf. In seltenen Fällen kann die Inkubationszeit bis zu 14 Tage betragen. Wer nach einer Tropenreise innerhalb von zwei Wochen Fieber entwickelt, sollte ärztliche Hilfe suchen und von sich aus auf die Reise zu sprechen kommen.
Warum tut bei Dengue-Fieber der ganze Körper weh?
Das Dengue-Virus löst eine starke Immunreaktion aus, die intensive Muskel- und Gelenkschmerzen verursacht. Diese sind so ausgeprägt, dass Dengue auch als „Knochenbrecher-Fieber“ bezeichnet wird. Die Schmerzen gehen in der Regel mit dem Abklingen der Infektion zurück.
Welche Symptome von Dengue deuten auf einen Notfall hin?
Sofort ärztliche Hilfe aufsuchen sollte man bei starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen, Blutungen aus Nase oder Zahnfleisch, Blut im Urin oder Stuhl, plötzlicher Erschöpfung oder Verwirrtheit sowie blasser, kalter oder feuchter Haut. Diese Zeichen können auf schweres Dengue hinweisen.
Welche Schmerzmittel darf ich bei Dengue nehmen?
Bei Dengue-Verdacht oder bestätigter Erkrankung ist Paracetamol das einzig empfohlene Schmerz- und Fiebermittel. Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) sind ausdrücklich kontraindiziert, da sie die Blutungsneigung erhöhen können.
Wie viel sollte ich bei Dengue-Fieber trinken?
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig. Empfohlen werden mindestens zwei bis drei Liter Wasser, Elektrolytlösungen oder verdünnte Fruchtsäfte täglich. Auf Anzeichen einer Dehydratation (seltenes Wasserlassen, dunkler Urin, Schwindel) sollte geachtet werden. Bei anhaltendem Erbrechen ist eine ärztliche Beurteilung notwendig. Wer stationär behandelt wird und eine Infusion erhält, sollte wissen: Zu viel Flüssigkeit kann ebenfalls schaden. In der Erholungsphase, wenn der Körper die ausgetretene Flüssigkeit wieder aufnimmt, kann eine übermäßige Infusionstherapie zu einer Flüssigkeitsüberladung mit Atemnot führen. Die Entscheidung über die Trinkmenge obliegt daher dem ärztlichen Team.
Kann ich Dengue zu Hause auskurieren?
Ein unkomplizierter Verlauf ohne Warnzeichen (s. o.) kann unter engmaschiger ärztlicher Begleitung ambulant behandelt werden. Voraussetzung ist, dass täglich Blutbildkontrollen möglich sind und die betroffene Person sofort eine Notaufnahme aufsuchen kann, wenn Warnzeichen (s. o.) auftreten. Bei Unsicherheit oder Vorerkrankungen empfiehlt sich eine stationäre Beobachtung.
Warum kann eine zweite Dengue-Virusinfektion schwerer verlaufen?
Es gibt vier verschiedene Serotypen des Dengue-Virus. Eine überstandene Infektion schützt dauerhaft nur gegen denselben Serotyp. Bei einer Zweitinfektion mit dem Erreger eines anderen Serotyps können die bereits vorhandenen Antikörper die Virusvermehrung in bestimmten Immunzellen steigern, was mit einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe verbunden ist.
Wann ist die Dengue-Impfung sinnvoll? Lohnt sie sich auch kurz vor Antritt der Reise?
Für Reisende in Dengue-Endemiegebiete mit relevantem Expositionsrisiko empfiehlt die STIKO die Impfung nur dann, wenn diese Personen zuvor eine labordiagnostisch nachgewiesene Dengue-Virus-Infektion durchgemacht haben. Andere Expertinnen und Experten sehen das aber anders: Sie befürworten die Impfung für Reisende in Endemie- und Epidemiegebiete mit Expositionsrisiko unabhängig davon, ob eine labordiagnostisch gesichertes Dengue dokumentiert ist oder nicht.
Die Reisewilligen sollten den Beratungstermin bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt laut STIKO-Empfehlung schon frühzeitig vor Reiseantritt vereinbaren, da nur die vollständige Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen im Abstand von drei Monaten für einen optimalen Schutz sorgt. Allerdings zeigen die Daten zum Impfstoff, dass bereits die einmalige Impfung für einen vorläufigen Schutz vor Dengue ausreicht.
Wie lange bin ich nach Dengue eingeschränkt?
Erschöpfung und Leistungsminderung können nach überstandenem Dengue mehrere Wochen anhalten. Sport und körperliche Belastung sollten erst nach vollständiger Erholung und nach Normalisierung der Blutwerte wieder aufgenommen werden. Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt sich eine ärztliche Verlaufskontrolle.
Kann ich Dengue ein zweites Mal bekommen?
Ja. Eine überstandene Dengue-Virus-Infektion schützt nur gegen den jeweiligen Serotyp. Da es vier verschiedene Serotypen gibt, sind theoretisch bis zu vier Erkrankungen möglich. Besonders die Zweitinfektion birgt ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe.
Warum darf ich nach einer Fernreise kein Blut spenden?
Nach einer Reise in ein Dengue-Endemiegebiet sind Reisende für vier Wochen von der Blutspende zurückzustellen. Der Grund ist, dass sich Dengue-Viren in der frühen Infektionsphase im Blut befinden, ohne dass Symptome auftreten müssen. Eine unerkannte Übertragung über Blutprodukte ist damit theoretisch möglich. Die Wartefrist gilt unabhängig davon, ob Beschwerden bestanden haben oder nicht.
Leitlinien und Gesetze
WHO. Dengue: Guidelines for Diagnosis, Treatment, Prevention and Control. New Edition. Geneva: World Health Organization; 2009.
S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Arbovirosen“
Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) § 6 Meldepflichtige Krankheiten
Quellen
CDC – Areas with Risk of Dengue
CDC – Clinical Testing Guidance for Dengue
CRM – Centrum für Reisemedizin
DFR – Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin
DTG – Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e.V.
ECDC – Dengue worldwide overview
Adams LE et al. JAMA. 2024; 332: 2109-2110; doi: 10.1001/jama.2024.21094 – free full text
Paz-Bailey G et al. Dengue. Lancet 2024; 403: 667-682; doi: 10.1016/S0140-6736(23)02576-X – free full text
Witte P et al. Dtsch Arztebl Int 2024; 121: 773-778; doi: 10.3238/arztebl.m2024.0175