Mehr als nur Bauchschmerzen: Funktionelle abdominelle Störungen bei Kindern frühzeitig erkennen
Solche Verläufe sind in der Pädiatrie keine Seltenheit: Ein Schulkind berichtet über wiederkehrende periumbilikale Bauchschmerzen, gehäuft montagmorgens. Nächtliche Schmerzen bestehen nicht und auch eine Gewichtsabnahme ist nicht dokumentiert. Die Basisdiagnostik bleibt unauffällig. Im psychosozialen Kontext zeigen sich Leistungsdruck und Konflikte innerhalb der Klasse. In solchen Fällen sollte differenzialdiagnostisch frühzeitig an funktionelle Bauchschmerzen gedacht werden.
Prävalenz und Auswirkungen funktioneller Bauchschmerzen
Abdominelle Beschwerden treten im Kindes- und Jugendalter häufig auf und können verschiedene Gründe haben. Neben infektiösen oder organischen Ursachen spielen chronische und rezidivierende Verläufe, z. B. durch psychische Belastungsfaktoren wie Schulangst, Leistungsdruck oder familiäre Spannungen, eine zentrale Rolle.1
In diesem Kontext rücken funktionelle abdominelle Störungen zunehmend in den Fokus: Weltweit sind davon etwa 12 % der 4- bis 18-Jährigen, also mehr als jedes neunte Kind, betroffen. Die Prävalenz ist bei Mädchen sowie bei Kindern mit psychosozialen Belastungsfaktoren erhöht.2
Die Auswirkungen zeigen sich auch im Familienalltag: Funktionelle Bauchschmerzen verursachen bei Kindern eine erhebliche Verminderung der Lebensqualität, wiederholte Fehlzeiten in Kindergarten oder Schule und häufige Konsultationen bei Ärzten und Ärztinnen. Nicht selten resultieren daraus zusätzliche Kinderkrankentage für die Eltern. Rezidivierende Bauchschmerzen im Kindesalter sollten daher ernst genommen und abgeklärt werden.1
Diagnostische Herausforderungen im Kindesalter
Eine zentrale diagnostische Herausforderung liegt in der altersabhängigen Kommunikationsfähigkeit. Laut S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom können Kinder bis etwa zum Alter von 8–12 Jahren Lokalisation, Intensität und Charakter ihrer Schmerzen oft nicht genau beschreiben. Ein strukturiertes Bauchschmerzprotokoll kann dabei helfen, zeitliche Muster, Schmerzintensität und -dauer, Begleitsymptome und potenzielle Trigger zu dokumentieren.1
Damit die Diagnose einer funktionellen abdominellen Störung gestellt werden kann, ist eine sorgfältige Anamnese und Differenzialdiagnostik notwendig. Zu berücksichtigen sind unter anderem Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Laktose-, Fruktosemalabsorption), Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Wenn die Befunde unauffällig sind und keine Red Flags vorliegen (z. B. ungewollter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, nächtliche Schmerzen, unklares Fieber), kann die Diagnose einer funktionellen abdominellen Störung gestellt werden. Eine frühzeitige Diagnose schafft Vertrauen bei Kind und Eltern und sollte daher langwieriger Ausschlussdiagnostik vorgezogen werden.1
Darm-Hirn-Achse – wenn Stress den Kinderbauch beeinflusst
Im Gespräch mit Eltern und Kind sollte betont werden, dass die Schmerzen real sind – auch ohne organischen Befund. Eine Basis dafür ist die Darm-Hirn-Achse, welche eine bidirektionale Kommunikation zwischen Gehirn und Gastrointestinaltrakt über neuronale, hormonelle, immunologische und mikrobiomale Signalwege vermittelt. Psychosozialer Stress moduliert messbar Motilität, Sensitivität und Barrierefunktion in Magen- und Darm. Schulstress kann so zum Trigger für Magen-Darm-Beschwerden werden, mit Gefahr eines selbstverstärkenden Kreislaufs. Eine unterstützende Beratung der Eltern zum konstruktiven Umgang mit den berichteten Schmerzen, insbesondere durch Ablenkungsstrategien, kann sich positiv auf die Entwicklung der Schmerzsymptomatik auswirken.1,3
Leitliniengerechte Therapie bei Kindern
Die leitliniengerechte Therapie funktioneller abdomineller Störungen im Kindesalter verfolgt einen multimodalen Ansatz. Neben Aufklärung und ärztlicher Führung sind psychologische Interventionen zentral, insbesondere kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren zur Stressbewältigung und Symptomkontrolle. Eine Ernährungsumstellung ist bei ausgewogen und altersgerecht ernährten Kindern ohne Hinweis auf Unverträglichkeiten nicht indiziert. Als medikamentöse Therapieoption können Phytopharmaka eingesetzt werden.1
Phytopharmaka mit Multi-Target-Wirkung wie Iberogast® Classic (STW 5) sind für Kinder ab 3 Jahren zugelassen und setzen an verschiedenen Zielstrukturen des Gastrointestinaltrakts an, wodurch viele typische Symptome gleichzeitig gelindert werden können. In einer prospektiven nicht-interventionellen Studie reduzierte STW 5 die Symptomlast bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern deutlich.4-7
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die therapeutische Wirkung von STW 5 und Akupressur-Armbändern bei Kindern zwischen 7 und 17 Jahren mit funktioneller Dyspepsie. Vor und nach der jeweiligen vierwöchigen Intervention mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen validierten Fragebogen mit 52 Fragen ausfüllen, um die Lebensqualität sowie das Ausmaß ihrer Beschwerden zu bewerten.
Die Symptome verbesserten sich in den meisten Behandlungsgruppen nach vierwöchiger Behandlung. Kinder, die STW 5 erhielten, zeigten eine Symptomreduktion um 68 %, während in der STW 5-Placebogruppe die Symptome zunahmen. In der Armbandgruppe konnten die Symptome um 40 % reduziert werden und auch in der Armband-Placebo-Gruppe konnte eine Verbesserung der Symptome um 35 % gezeigt werden.8
Iberogast® Classic eignet sich somit als Behandlungsoption von funktionellen abdominellen Störungen, insbesondere bei Kindern, die Beschwerden noch nicht differenziert lokalisieren können.
Literatur:
1. Layer P et al. (2021) Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). AWMF-Registriernummer: 021/016. Zeitschrift für Gastroenterologie. 59,12: 1323-1415.
2. Vermeijden NK et al. 2025;155(2):e2024067677.
3. Liu Z. Actas Esp Psiquiatr. 2025;53(4):914-926.
4. Fachinformation Iberogast ® Classic, Stand: September 2023.
5. Nieber K, et al. Planta Med. 2012;78(11):1086.
6. Abdel-Aziz H, et al. Planta Med. 2017;83(14-15):1130-40.
7. Radke M, et al. Complement Ther Med. 2022;71:102873.
8. Légeret C et al. Klin Padiatr. 2025; 21 Aug. 2025.10.1055/a-2652-1298.
Navigation
Behandeln Sie Patient*innen mit Reflux oder Reizmagen?
Wirken Sie mit bei der Rekrutierung für unsere nächsten DiGA-Studien!