Räuspern, Husten, Heiserkeit: Es kann stiller Reflux sein
Räuspern, Husten, Heiserkeit: Es kann stiller Reflux sein
Die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) geht oft mit typischen Symptomen und ösophagealen Syndromen einher, die eine entsprechende Einordung und Diagnosestellung erleichtern.1 Doch es existieren auch extraösophageale Manifestationen, die oft lange unerkannt bleiben, weil typische Refluxsymptome ausbleiben.
Stillen Reflux erkennen
Der sogenannte „stille Reflux“ wird medizinisch als laryngopharyngealer Reflux (LPR) bezeichnet. Dabei gelangen Mageninhalt und gegebenenfalls auch nicht-saures oder gemischtes Refluat bis in den Rachen- und Kehlkopfbereich. Treten hierdurch Beschwerden und/oder objektivierbare Veränderungen der oberen Atem- und Verdauungswege auf, spricht man von einer laryngopharyngealen Refluxkrankheit (LPRD). LPRD und die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) weisen überlappende, jedoch nicht identische klinische Erscheinungsbilder auf und können sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander auftreten.2
Stiller Reflux kann sich durch diese Symptome äußern1-3:
Räusperzwang
unproduktiver, chronischer Husten
chronische Heiserkeit
Halsschmerzen
Fremdkörpergefühl im Hals
Schluckstörungen
postnasales Sekretgefühl
vermehrte Schleimbildung
Zahnerosionen
Bei den genannten Symptomen handelt sich zunächst nur um Assoziationen für Reflux, eine kausale Beziehung ist nicht zwingend belegt. Oft treten diese auch nicht allein, sondern im Zusammenhang mit weiteren Manifestationen von Reflux auf.1
Aufgrund der für Reflux atypischen Symptomatik wird die Diagnose LPRD oft erst in einer fachärztlichen Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gestellt. Als derzeit umfassendste objektive Untersuchungsmethode gilt die 24-Stunden-Messung des HEMII-pH (Hypopharyngeal-Esophageal Multichannel Intraluminal Impedance pH). Als erweiterte Form der klassischen Säure- und Refluxmessung erfasst sie den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre und bis in den hinteren Rachenraum, um sowohl sauren als auch nicht-sauren Reflux über 24 Stunden kontinuierlich zu messen.
Stillen Reflux behandeln
Bis heute gibt es keinen internationalen Konsens zu Behandlung von LPRD.2 Da die meisten 24-Stunden-HEMII-pH-Messungen bei LPRD ein schwach saures bis alkalisches Profil zeigen, empfehlen Experten eine personalisierte empirische Therapie zu verordnen, die das individuelle Profil abdeckt. Um den Erfolg einer Therapie, die mindestens 2 Monate dauern sollte, zu bewerten, eignen sich aufgrund der unspezifischen Symptomatik vor allem Fragebögen zur Einschätzung der Patientensituation (Patient-reported Outcomes). In klinischen Studien waren die Erfolgsraten bei personalisierten Therapien höher als bei Behandlungen mit PPI oder standardisierten Ansätzen. Bisher konnte für PPI keine Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden, was auf den oft schwach sauren bis alkalischen Charakter des stillen Refluxes zurückzuführen ist. Laut europäischer Leitlinie können diese Arten des Refluxes (LPRD ohne GERD) adäquat mit Alginaten und Antazida behandelt werden.2 Auch wenn keine dezidierten Studien hierzu vorliegen, kann eine Behandlung von stillem Reflux mit Hydrotalcit aus mechanistischer Hinsicht sinnvoll sein:
Das Schichtgitterantazidum neutralisiert nicht nur überschüssige Magensäure, sondern bindet auch Pepsin und Gallensäuren und verhindert, dass diese in den Rachenraum und die oberen Atemwege aufsteigen und zur Pathogenese beitragen können.2,4,5
Fazit für die Praxis:
Stiller Reflux (LPRD) ist eine Erkrankung, die zwar mit GERD überlappen kann, sich aber meist durch unspezifische Symptome wie z. B. chronischen Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen äußert. Aufgrund des überwiegend leicht sauren bis alkalischen Profils des Refluxes sind PPI nur bedingt geeignet. Die Leitlinie empfiehlt daher entsprechende personalisierte Therapien und auch den Einsatz von Antazida. Grundsätzlich werden auch beim stillen Reflux die bei GERD wirksamen allgemeinen Anti-Reflux-Maßnahmen wie Anpassungen des Ernährungs- und Lebensstils empfohlen.
Referenzen
1. Madisch A, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – März 2023 – AWMF-Registernummer: 021–013. Zeitschrift für Gastroenterologie 61.07 (2023): 862–933.
2. Lechien JR, et al. European clinical practice guideline: managing and treating laryngopharyngeal reflux disease. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2026;283(1)629–641.
3. https://flexikon.doccheck.com/de/Laryngopharyngeale_Refluxkrankheit (abgerufen am 20.10.2026)
4. Tarnawski A, et al. Curr Pharm Des. 2013;19:126–132.
5. Tarnawski A, et al. Gastroenterology. 2012;142(5) Suppl 1:S-202.
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Die Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) geht oft mit typischen Symptomen und ösophagealen Syndromen einher, die eine entsprechende Einordung und Diagnosestellung erleichtern.1 Doch es existieren auch extraösophageale Manifestationen, die oft lange unerkannt bleiben, weil typische Refluxsymptome ausbleiben.
Stillen Reflux erkennen
Der sogenannte „stille Reflux“ wird medizinisch als laryngopharyngealer Reflux (LPR) bezeichnet. Dabei gelangen Mageninhalt und gegebenenfalls auch nicht-saures oder gemischtes Refluat bis in den Rachen- und Kehlkopfbereich. Treten hierdurch Beschwerden und/oder objektivierbare Veränderungen der oberen Atem- und Verdauungswege auf, spricht man von einer laryngopharyngealen Refluxkrankheit (LPRD). LPRD und die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) weisen überlappende, jedoch nicht identische klinische Erscheinungsbilder auf und können sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander auftreten.2
Stiller Reflux kann sich durch diese Symptome äußern1-3:
Räusperzwang
unproduktiver, chronischer Husten
chronische Heiserkeit
Halsschmerzen
Fremdkörpergefühl im Hals
Schluckstörungen
postnasales Sekretgefühl
vermehrte Schleimbildung
Zahnerosionen
Bei den genannten Symptomen handelt sich zunächst nur um Assoziationen für Reflux, eine kausale Beziehung ist nicht zwingend belegt. Oft treten diese auch nicht allein, sondern im Zusammenhang mit weiteren Manifestationen von Reflux auf.1
Aufgrund der für Reflux atypischen Symptomatik wird die Diagnose LPRD oft erst in einer fachärztlichen Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde gestellt. Als derzeit umfassendste objektive Untersuchungsmethode gilt die 24-Stunden-Messung des HEMII-pH (Hypopharyngeal-Esophageal Multichannel Intraluminal Impedance pH). Als erweiterte Form der klassischen Säure- und Refluxmessung erfasst sie den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre und bis in den hinteren Rachenraum, um sowohl sauren als auch nicht-sauren Reflux über 24 Stunden kontinuierlich zu messen.
Stillen Reflux behandeln
Bis heute gibt es keinen internationalen Konsens zu Behandlung von LPRD.2 Da die meisten 24-Stunden-HEMII-pH-Messungen bei LPRD ein schwach saures bis alkalisches Profil zeigen, empfehlen Experten eine personalisierte empirische Therapie zu verordnen, die das individuelle Profil abdeckt. Um den Erfolg einer Therapie, die mindestens 2 Monate dauern sollte, zu bewerten, eignen sich aufgrund der unspezifischen Symptomatik vor allem Fragebögen zur Einschätzung der Patientensituation (Patient-reported Outcomes). In klinischen Studien waren die Erfolgsraten bei personalisierten Therapien höher als bei Behandlungen mit PPI oder standardisierten Ansätzen. Bisher konnte für PPI keine Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden, was auf den oft schwach sauren bis alkalischen Charakter des stillen Refluxes zurückzuführen ist. Laut europäischer Leitlinie können diese Arten des Refluxes (LPRD ohne GERD) adäquat mit Alginaten und Antazida behandelt werden.2 Auch wenn keine dezidierten Studien hierzu vorliegen, kann eine Behandlung von stillem Reflux mit Hydrotalcit aus mechanistischer Hinsicht sinnvoll sein:
Das Schichtgitterantazidum neutralisiert nicht nur überschüssige Magensäure, sondern bindet auch Pepsin und Gallensäuren und verhindert, dass diese in den Rachenraum und die oberen Atemwege aufsteigen und zur Pathogenese beitragen können.2,4,5
Fazit für die Praxis:
Stiller Reflux (LPRD) ist eine Erkrankung, die zwar mit GERD überlappen kann, sich aber meist durch unspezifische Symptome wie z. B. chronischen Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen äußert. Aufgrund des überwiegend leicht sauren bis alkalischen Profils des Refluxes sind PPI nur bedingt geeignet. Die Leitlinie empfiehlt daher entsprechende personalisierte Therapien und auch den Einsatz von Antazida. Grundsätzlich werden auch beim stillen Reflux die bei GERD wirksamen allgemeinen Anti-Reflux-Maßnahmen wie Anpassungen des Ernährungs- und Lebensstils empfohlen.
Referenzen
1. Madisch A, et al. S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – März 2023 – AWMF-Registernummer: 021–013. Zeitschrift für Gastroenterologie 61.07 (2023): 862–933.
2. Lechien JR, et al. European clinical practice guideline: managing and treating laryngopharyngeal reflux disease. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2026;283(1)629–641.
3. https://flexikon.doccheck.com/de/Laryngopharyngeale_Refluxkrankheit (abgerufen am 20.10.2026)
4. Tarnawski A, et al. Curr Pharm Des. 2013;19:126–132.
5. Tarnawski A, et al. Gastroenterology. 2012;142(5) Suppl 1:S-202.
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