App-Test: The ECG Collection

Apps und Internet , e-Health Autor: Konstantin Meyer

thinkstock/MT

Das EKG gehört unbestritten zu den wichtigsten Diagnostika in der Medizin. Oftmals reicht ein Blick - doch der muss geschult sein.

 

Auch über 100 Jahren nach ihrer Erfindung ist die Elektrokardiographie aus dem klinischen Alltag nicht wegzudenken. Mit nur wenigen Handgriffen lassen sich die elektrischen Kurvenverläufe zur Herztätigkeit schnell und einfach ableiten. Vom Herzinfarkt über Rhythmusstörungen bis hin zu Herzmuskelerkrankungen lassen sich so mit einem geschultem Blick erkennen.

EKG-Interpretation: Übung macht den Meister

Die App „The ECG Collection“ soll genau diesen Blick schulen. Das Programm stammt aus der Feder der Schweizer Kardiologen Prof. Dr. med. Jean-Christophe Stauffer, Prof. Dr. med. Jean-Jacques Goy und Kollegen. Es ist zur Zeit kostenfrei über den Apple AppStore zu erhalten und für iPhone und iPad verfügbar. Die aktuell insgesamt 221 EKGs in der Datenbank benötigen etwa 132 MB auf dem Endgerät, eine permanente Datenverbindung ist nicht notwendig.

Die App ist denkbar einfach aufgebaut. Die hinterlegten EKGs sind zunächst nach Kategorien sortiert. So kann der Anwender nach Schwerpunkten auswählen, welche EKG-Veränderungen angezeigt werden sollen. Dies sind z.B. „Ischämie und Herzinfarkt“, „Schmale QRS Komplextachykardie“ oder „Repolarisation Anomalien“ als auch Artefakte, die es zu erkennen gilt. Alternativ lässt sich die gesamte Bibliothek wählen.

Nach Wahl der gewünschten EKG-Gruppe werden die hinterlegten Herzströme zuerst im Überblick als Miniatur angezeigt. Ein weiterer Tipp darauf zeigt dem Anwender die ausgewählte Aufzeichnung bildschirmfüllend. Mit den gewohnten Touch-Gesten lässt sich das Bild ein- und auszoomen, um so das gesamte 12-Kanal-EKG detailliert betrachten zu können.

EKG-Befundung auf dem Smartphone

Am unteren Bildschirmrand erhält man über „Angaben“ eine detaillierte Beschreibung der gewählten Kurvenverläufe, gefolgt von einer Diagnose und weiteren ausführlichen Kommentaren dazu. Unter „Zonen“ kann sich der Anwender die beschriebenen EKG-Veränderungen nochmals hervorgehoben anzeigen lassen, was eine gute Verknüpfung zwischen Bild und Text garantiert.

Ebenfalls dabei ist eine Suchfunktion, mit der gezielte Pathologien im EKG gefunden werden können. Ferner lassen sich die gewählten EKGs per E-Mail exportieren oder direkt aus der App drucken. Ein EKG-Quiz hätte sicherlich noch eine gute Ergänzung dargestellt, aber vielleicht ist das für eine spätere Version geplant.

Fazit: Die App kann im Test überzeugen. Man erhält eine umfassende Auswahl an EKGs mit erstklassiger Beschreibung, gepaart mit flüssiger Darstellung und Funktionalität. So lässt sich spielerisch der Blick für die nächste eigene EKG-Interpretation schulen.

iOS - Apple AppStore

 

EKG nach Kategorien aufgelistet

 

Bildansicht - ein- und auszommen problemlos möglich

 

Detailierte EKG-Interpratation

 

Unter "Zonen" werden die EKG-Veränderungen nochmals detailliert aufgezeigt

 

Eine Suchfunktion ist mit an Bord

 Getestet wurde die Version 1.2.1 unter iOS 9.2.1 auf dem iPhone 6