Kolumnen

Medical Tribune
von Dr. Franziska Hegedüs

Von Seminotfällen, Langeweile und Sinnlosigkeit

Ein Mittwochnachmittag wie so viele Mittwochnachmittage: ein KV-Sitzdienst. Obwohl das nächstgelegene Krankenhaus von unserer Praxis nur 20 Minuten entfernt liegt, fahre ich fast eine Stunde in die Kassenärztliche Bereitschaftspraxis – selbst schuld, dass ich mir eine Praxis an der äußersten Grenze unseres Kreises ausgesucht habe. Um pünktlich zu sein, muss ich die Praxis quasi eine Stunde früher schließen. Dann über die staugeplagte Autobahn. 
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth

„Medizinische Fachangestellte sind Goldstaub“

Das Wartezimmer ist brechend voll. Ich habe schon wieder viel zu lange mit der Gesundheitsuntersuchung von Frau K. und vor allem mit der Beratung zu den empfohlenen Impfungen zugebracht. Die übergewichtige Patientin, die an Bluthochdruck und Diabetes leidet, schaut mich unentschlossen an. Ich hatte eben noch versucht, ihr ausführlich die möglichen Nebenwirkungen, aber vor allem eben auch die Vorteile der Impfung gegen Herpes Zoster nahe zu bringen und den Schutz vor Komplikationen, wie der möglichen schmerzhaften Neuralgie nach der Erkrankung, zu erläutern. ,,Ich weiß nicht Frau Doktor, das Herpes dasda, ob ich das wirklich brauche?“ meint sie zweifelnd.
 
Medical Tribune
von Sebastian Alsleben

Noch nicht mal ein Thema fürs Sommerloch?

Wir Ärztinnen und Ärzte reden ja am liebsten über Erkrankungen, die einen großen Impact auf die Gesundheit der Bevölkerung haben. Ob Influenza, RSV oder Long Covid – Hauptsache, es hat einen gewichtigen Namen und ist in aller Munde. Aber warum spricht eigentlich niemand über die sogenannte Sommergrippe? Dieses kleine, oft belächelte Etwas, das sich still und heimlich in unsere Atemwege schleicht, während wir draußen Grillpartys schmeißen und die Freibäder voll sind?
 
Medical Tribune
von Dr. Franziska Hegedüs

Chronisch überzeugt – können wir gegenhalten?

Sommerliche Temperaturen, die Zeckensaison ist in vollem Gange, die Zahlen von Lyme-Borreliose und FSME steigen. Man könnte meinen, es wurde alles dazu gesagt, es gibt klare Evidenz für Prävention, Diagnostik und Therapie. Doch da sind sie wieder: das „Post-Borreliose-Syndrom“ und die „chronische Lyme-Borreliose“. Quasi jedes Symptom, von Kopfschmerzen über Müdigkeit bis zu Schmerzen jeder Art, lässt sich irgendwie damit in Verbindung bringen. Und hier beginnt das Geschäft mit nicht evidenzbasierter Diagnostik und Heilversprechen.  
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth

Primärärztlich steuern ist wie „an die Hand nehmen“

Schon im vorab bekannt gewordenen Expertenpapier der AG Gesundheit war es zu lesen: Man wolle für eine zielgerichtetere Versorgung und eine schnellere Terminvergabe ein „verbindliches Primärarztsystem bei freier Arztwahl durch Haus- und Kinderärzte in der HzV und im Kollektivvertrag“ einführen. Sollte dieser erklärte Paradigmenwechsel nun tatsächlich Einzug ins Koalitionspapier halten: Es wäre eine Sensation.
 
Medical Tribune
von Sebastian Alsleben

Lassen Sie uns gemeinsam Muskeln retten!

Spätestens seit Lieferdienste und einige Supermärkte anbieten, uns sämtliche Lebensmittel bis an die Haustür zu liefern, ist für mich klar: Wir schaffen unsere Muskulatur ab! Das klingt vielleicht erst mal überspitzt. Aber schauen wir uns die Prävalenz der Sarkopenie an, dann liegt diese schon in der Normalbevölkerung bei 5–10 %25. Im geriatrischen Bereich ist sie um ein Vielfaches höher. Die Abnahme von Muskelmasse und -kraft ist ein reales, zunehmendes Gesundheitsproblem, das alle Alters- und Bevölkerungsgruppen betrifft. Und ein großer Teil dieses Problems ist hausgemacht.
 
Medical Tribune
von Ulrike Koock

Arztbesuch als Leistungskonsum

Ein Pärchen in den Fünfzigern ist bei mir. Ihn sehe ich immer nur in Begleitung seiner Frau, aber das ist ja nicht unüblich in einer Hausarztpraxis. Sie ist häufig da, meistens mit Kleinigkeiten: der Blutdruck, eine Erkältung, mal eine Bronchitis. Sie gehört zu den Menschen, die nicht ohne wenigstens eine Blutentnahme oder ein Rezept aus der Praxis gehen möchten. Nun sitzen beide vor mir und reichen mir einen MRT-Befund des Ehemannes. Ausgestellt hatte ich die Überweisung nicht, sie kam von einem Facharzt.
 
Medical Tribune
von Sebastian Alsleben

Auch über den Tellerrand hinausschauen

In meiner letzten Kolumne habe ich über Scharlatanerie geschrieben. Ich habe darin kritisiert, dass manche Personen Geld mit den Erkrankungen und der Angst vieler Menschen verdienen. Dabei verkaufen sie häufig selbst ausgedachte Konzepte einer „Wunderheilung in zwei Wochen“ oder ihre vermeintlich einzigartige Diät. Ich habe auf diese Kolumne ein großes Feedback erhalten. Häufig wurde ich gefragt, was ich generell von alternativen Heilmethoden halte.
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth

Und plötzlich Praxischef

Wie führt man eine Arzt­praxis? Das ist eine Frage, die mir häufig vom ärztlichen Nachwuchs gestellt wird. Und es ist schon richtig, gelernt haben wir dazu ja alle nichts im Studium. Vertreter der Boomer-Generation, von denen derzeit viele noch in der Niederlassung sind, haben sich das Thema irgendwie angeeignet – wie die Boomer halt so waren. Daher herrschte in vielen Praxen oft ein hierarchischer Führungsstil. Es gab eine klare Kommunikation und Ansagen an die ,,Mädels“, wie medizinische Fachangestellte von den noch vorwiegend männlichen Praxischefs gerne tituliert wurden.
 
Medical Tribune
von Dr. Cornelia Werner

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt

Von jeher kenne ich Diskussionen mit Patienten über die Sinnhaftigkeit von präventiven Untersuchungen, von Medikamenten, Impfungen oder über deren potenzielle Nebenwirkungen. Immer schon gab es den „Tennistrainer von der Cousine der Postbotin“, der ganz sicher aufgrund des Medikamentes xy einen qualvollen Tod erlitt. Und ja, es gab auch schon immer tatsächlich aufgetretene Nebenwirkungen. Denn alles, was wirkt, kann auch Nebenwirkungen haben.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Ärztemangel: Substitution – das Gebot der Stunde

Früher war alles besser, sagt man immer. Zieht man als Gradmesser die Zahl der Ärzt:innen heran, scheint das zumindest rein zahlenmäßig nicht zu stimmen. 1996 hatten „nur“ rund 280.000 Ärzt:innen rund 81,5 Millionen Bundesbürger zu versorgen (294 Bürger pro Ärzt:in). 2022 standen bereits über 421.000 Mediziner:innen zur Verfügung. Bei einer Bevölkerungszahl von 84,3 Millionen muss heute eine Ärzt:in nur noch 200 Patient:innen versorgen.
 
Medical Tribune
von Dr. Nicolas Kahl

Wir wollen Tinder für die Weiterbildung

Vor Kurzem hat mich eine befreundete Kinderäztin angesprochen, die sich im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte für eine Verbesserung der Weiterbildung einsetzt. Sie wollte von mir wissen, wie wir Hausärzt:innen den Ärzt:innen in Weiterbildung die verschiedenen Weiterbildungsstellen und Weiterbildenden online präsentieren, damit sich die jungen Kolleg:innen orientieren können, wo sie ihre Weiterbildung fortsetzen möchten.
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth

Wo bleibt die grundlegende Neuorientierung?

Bereits 2008 forderte die WHO die Staaten auf, die Orientierung ihrer Gesundheitssysteme stärker auf die gesundheitliche Primärversorgung auszurichten. Ohne eine grundlegende Neuorientierung sei es wahrscheinlich, dass die Gesundheitssysteme durch die zunehmenden Herausforderungen alternder Bevölkerungen, durch die starke Zunahme chronischer Erkrankungen, durch neu auftretende Erkrankungen und durch die Auswirkungen des Klimawandels überfordert würden.
 
Medical Tribune
von Sebastian Alsleben

Ist die Kritik an „Medfluencern“ berechtigt?

In meiner letzten Kolumne habe ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, dazu aufgefordert, sich auf Social Media zu engagieren. Seitdem sind mir ein sehr kritischer Beitrag eines öffentlich-rechtlichen Senders und mehrere negative Zeitungsartikel zu diesem Thema aufgefallen. Der Vorwurf: Ärztinnen und Ärzte, aber auch Medizinstudierende würden ihre (zukünftige) Berufsbezeichnung auf fragwürdige Weise ausnutzen, um sich im Netz einen Namen zu machen. Zeit für eine genauere Betrachtung des Begriffs „Medfluencer“!
 
Medical Tribune
von Sebastian Alsleben

Wir sollten uns ein Beispiel an der Wirtschaft nehmen

Nicht erst seit der Coronapandemie führen die Arbeitsbedingungen für medizinisches Fachpersonal zu Diskussionen. Wie kann es da sein, dass wir in Zeiten, in denen sich Wirtschaftsunternehmen eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit auf die Fahne schreiben und ganze Abteilungen namens „Human Relations“ für eine Verbesserung dieser sorgen, im Gesundheitssystem nur noch über Kürzungen, Stellenzusammenlegung und die Erstellung von Notfallplänen sprechen?
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Statt Delegation und Substitution: Pflege-Kooperation auf Augenhöhe

Wenn es um eine Verbesserung der Betreuung von Pflegebedürftigen geht, ist der Fokus beim Zusammenspiel zwischen Hausärzt:innen und Pflegekräften bislang eher auf Aspekte der Substitution und Delegation gerichtet. Das wird auch bei den Projekten des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses deutlich: „Ahead“, „InDePendent“ oder „Comm4Care SAN“ wollen das Zusammenwirken von Hausärzt:innen und Pflegefachkräften dadurch stärken, indem mehr Leistungen, wie z. B. die Wundversorgung, delegiert oder gar substituiert werden sollen.
 
Medical Tribune
von Stefan Spieren

Corona-Infektionen: Hausärzte – gefordert und gefragt!

Hausarztpraxen sind in der aktuellen Situation besonders gefordert. Gefordert und gefragt sind also gerade die Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren um das Bestehen und vor allem um Nachwuchs kämpfen. Diejenigen, deren Image ein Problem hat. Es beruhigt, dass gerade Hausärzte für das Thema Coronavirus so entscheidend sind. Eine bessere Aufwertung kann der Beruf nicht erfahren – dies täglich und auf höchster politischer Ebene.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Klimakrise und Ukrainekrieg: Sollen (Haus-)Ärzt:innen politisch Flagge zeigen?

Es sind keine einfache Zeiten. Für Ärzt:innen schon gleich gar nicht. Selten zuvor war ein ganzer Berufsstand derart gefordert. Es herrscht Dauerkrisenmodus. Dieser ist zum einen strukturell bedingt. So gibt es viel zu wenige Ärzt:innen oder auch medizinische Assistenzkräfte. Zum anderen müssen sich Ärzt:innen heute aber auch immer häufiger akuten gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Seit gut zwei Jahren zählen dazu zum Beispiel die Folgen der Corona-Pandemie. Schon etwas länger laufen in den Praxen und Kliniken die immer deutlich sichtbareren Folgen der Klimakrise auf. Und jetzt der Krieg in der Ukraine, mit dem auch die Ärzt:innen hierzulande noch lange konfrontiert sein werden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Selbstmedikation im Trend: Hausärzt:innen im Dilemma

Wer seinen Fernseher anschaltet, wird von Werbung für rezeptfreie Medikamente oder Medizinprodukte förmlich überrollt. Kein Wunder, dass sich insbesondere OTC-Präparate wachsender Beliebtheit erfreuen. Das ist nun auch im Rahmen einer explorativen Wartezimmerbefragung des Zentrums für Allgemeinmedizin in Mainz, an der 300 Patient:innen in 20 hausärztlichen Praxen in Rheinland-Pfalz und im Saarland teilgenommen haben, nachhaltig bestätigt worden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Krankenkassen droht Rekorddefizit: Quittung für fehlenden Mut und Weitsicht

Man kann sich eigentlich nur wundern, dass sich jetzt alle wundern. Der Grund: Alle AOK-Kassen müssen im ersten Halbjahr 2021 ein Defizit von satten 1,6 Mrd. Euro hinnehmen. Allein im 2. Quartal sind die Ausgaben im Vergleich zum Vorquartal um fast 10 %25 in die Höhe geschossen. Ende 2021 könnte sich so ein Defizit von mehr als 4 Mrd. Euro bei den Ortskassen ergeben. Auch die Innungs- und Betriebskrankenkassen schreiben rote Zahlen. Dagegen schnellen die Leistungsausgaben zum Teil zweistellig in die Höhe.
 
Medical Tribune
von Sabine Mack

Flutkatastrophe: Solidarisch gegen die Flutfolgen

Als die ersten Berichte über die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW im Fernsehen zu sehen sind, fühlt man sich an die Schreckensbilder aus einem weit entfernten Krisengebiet erinnert: Dörfer sind komplett dem Erdboden gleichgemacht, Häuser und Straßen einfach weggerissen. Auch Wochen danach liegt überall noch Schutt und Schlamm. Lange Zeit ist nicht klar, wie viele Menschen in den Fluten ihr Leben lassen mussten. Vor den Trümmern ihrer Existenz stehen nicht nur die dort ansässigen Familien, sondern auch die medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, Apotheken und Kliniken.
 
Medical Tribune
von Anke Richter

Physician Assistant: Sollen wir substituiert werden?

Der Physician Assistant (PA) ist eine Bezeichnung für einen hochschulisch qualifizierten Gesundheitsberuf (Bachelorniveau), der vom Arzt delegierte Aufgaben übernimmt. Er soll jetzt Hausärzte unterstützen und entlasten und damit unsere Zufriedenheit steigern. Dabei sind entscheidende Punkte noch gar nicht geklärt: Wie soll ich als Hausarzt einen PA finanzieren? Wo zeigt sich im Studiengang die Differenzierung zwischen Delegation und Substitution? Und das Wichtigste: Welche Aufgaben können wir an ihn delegieren, die unsere qualifizierten Medizinischen Fachangestellten (MFA), unsere Versorgungsassistentinnen (VERAH®) nicht übernehmen können?
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Delegation: Win-win-Situation für Patienten und (Haus-)Ärzte?

Die Daten sind mehr als ernüchternd: Da in Deutschland ein gravierender Mangel an Rheumatologen besteht, kann allenfalls die Hälfte der 1,5 Millionen Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen angemessen behandelt werden. Mehr Rheumatologen lassen sich auf die Schnelle nicht herbeizaubern und dennoch gibt es einen Lösungsweg aus der Versorgungsmisere, von dem auch die zum Teil mit Rheumakranken überlasteten Allgemeinärzte profitieren könnten.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Coronakrise : Kollateralschäden, wohin man schaut

Hinterher ist man immer schlauer. So staunt man Anfang Mai nicht schlecht darüber, dass die für die Corona-Pandemie mühsam freigeschaufelten (Intensiv-)Bettenkapazitäten und Beatmungsplätze nur spärlich ausgelastet waren. Oder man reibt sich verwundert die Augen, wenn die extra eingerichteten Corona-Teststationen fast wie verlassen wirken und eigentlich insgesamt doppelt so viele Tests möglich wären, wie derzeit tatsächlich stattfinden. Und es mutet zumindest seltsam an, wenn wir uns bei der Zahl der tatsächlich Infizierten und der Zahl der Toten statistisch im „weitgehenden Blindflug“ befinden, wie es jüngst Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, freimütig eingeräumt hat.
 
Medical Tribune
von Barbara Römer

Pandemie: Hausarztpraxen als Impfbeschleuniger

Die Durchimpfung der Bevölkerung zum Aufbau einer Herdenimmunität gegen COVID-19 ist eine riesige Herausforderung. Mangels effektiver Behandlungsoptionen ist die Impfung DER Schlüssel zum Ausstieg aus dem Pandemiegeschehen. Deshalb wurde im Bundesministerium für Gesundheit mit viel Liebe zum Detail eine neue Struktur zur Massenimpfung erschaffen: die Impfzentren. Sicherlich sinnvoll zu Beginn der Impfkampagne mangels vorhandener Ressourcen und folglich schwieriger Steuerung von Patientenströmen. Die mehr als unerfreulichen Diskussionen, die wir im Herbst in den Praxen infolge nicht vorhandenen Grippeimpfstoffs erleben mussten, finden nun in den Impfzentren statt.
 
Medical Tribune
von Bernd Hontschik

Hausarztmedizin: Zum Sterben verurteilt?

Warum ist mein Arzt zehn Straßen entfernt und nicht nur einen Klick?„ Oder so: “Warum heißt er Hausarzt, wenn ich für ihn das Haus verlassen muss?„ Oder auch: “Warum muss ich aufstehen, um gesagt zu bekommen, dass ich mich hinlegen soll?„ Und dann noch die Frage aller Fragen: “Warum können wir Gesundheit nicht neu denken? Das neue Gesund." Diese Fragen hat vor einigen Wochen ein gewisser DocMorris in einer bundesweiten Plakat- und Anzeigenkampagne gestellt.
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

Uroflowmetrie im Kaffeehaus: Corona macht‘s möglich

Als Hausarzt sind einem viele Phänomene des Praxisalltags bestens bekannt, die dann durch umfangreiche epidemiologische Untersuchungen von der Wissenschaft, also von ganz oben, bestätigt werden. Hausärztliche Erfahrungen vermitteln über das gesundheitsgerechte Verhalten von Männern eigentlich ein ziemlich trübes Bild. Adam neigt nämlich dazu, dem Arztbesuch auszuweichen, und wenn es denn notwendig werden sollte, geht er gewöhnlich erst auf den letzten Drücker.
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

COVID-19: Deutschland drückt die Schulbank

Als die 21-jährige Simone vor Jahren die Praxis aufsuchte, weil sie beim Reiten eine Kopfplatzwunde erlitten hatte, konnte ich nur staunen. Die reisefreudige, sportliche junge Frau war zum letzten und einzigen Mal im Säuglingsalter geimpft worden. Doch jetzt musste etwas passieren: zeitnah wegen der aktuellen Verletzung, mittelfristig wegen des zukünftigen Arbeitgebers, der ihre Beschäftigung als Kindergärtnerin vom Nachweis eines entsprechenden Impfschutzes abhängig machte.
 
Medical Tribune
von Monika Buchalik

Ökonomisierung der Medizin: Mensch vor Profit!

Mensch vor Profit! – so heißt es sinngemäß in dem Ärzte-Appell „Rettet die Medizin“, der Anfang September letzten Jahres in der Zeitschrift „Stern“ veröffentlicht wurde. Leider ist das keine neue Forderung, denn schon lange davor mahnte der bekannte Medizinethiker Prof. Giovanni Maio den Werteerhalt in der Medizin an und erinnerte an die Verantwortung eines jeden Arztes bzw. einer jeden Ärztin, sich gegen eine privatwirtschaftliche Vereinnahmung und gegen eine kontraproduktive Deprofessionalisierung unserer ärztlichen Tätigkeit zur Wehr zu setzen.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Sprechende Medizin: Wo bleibt das „Medikament Arzt?“

Die evidenzbasierte Medizin ist eine Bereicherung für die Medizin. Gerade für Allgemeinärzte, die sich ja mit sehr vielen Erkrankungen in der Praxis auseinandersetzen müssen, können solche validen Erkenntnisse sehr nützlich sein. Der Wert solcher Studien wird aber auch zu Recht immer wieder hinterfragt. Gerade jetzt wieder von keinem Geringeren als Professor Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) in Düsseldorf. In einem Gastkommentar für Ärzte Zeitung online bemängelt er unter anderem, dass solche evidenzbasierten Studien den Einfluss des Arztes mindern oder gar ausschalten, um die Wirkung eines Medikaments oder einer Intervention ohne störende Einflussfaktoren beurteilen zu können.
 
Medical Tribune
von Rainer Beckers

Digitalisierung: Wird der Gang in die Arztpraxis entbehrlich?

Zum tragenden Organisationsprinzip der Medizin gehört seit jeher, dass Diagnostik und Therapie nur in einem vom Arzt und Patient gemeinsam geteilten Ort stattfinden können. Gute Gründe dafür sind die notwendige Vorhaltung der Apparate, die Rolle der körperlichen Untersuchung und das Arzt-Patienten-Verhältnis, welches gewissermaßen taktil initialisiert wird. Sieht man von einigen Sonderfällen ab (z. B. Internetapotheke), hat das Präsenzprinzip dadurch die Leistungserbringer hierzulande bisher recht zuverlässig vor der Globalisierung bewahrt.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Im Praxistest: Brauchen wir neue Leitlinien für Leitlinien?

Wer kennt dieses Problem nicht als Hausarzt? Leitlinien (LL) über Leitlinien, die man allesamt unter einen Hut bringen muss, was aber gerade im Praxisalltag bei multimorbiden Patienten nicht immer gelingen kann. Gut, dass die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) für Allgemeinärzte die S3-LL „Multimorbidität“ publiziert hat. Doch kommen die Hausärzte mit dieser LL in der Praxis auch klar? Dieser Frage ist nun das Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein nachgegangen. An der Praxisstudie haben sich am Ende 9 Hausärzte und 11 Patienten aktiv beteiligt
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

Heiter bis wolkig: Obstipatio administratione generata

Das Arbeitsjahr des bundesdeutschen Kassenarztes kennt keine Jahreszeiten. Arbeit und Freizeit, Gesundheit und Kranksein werden beim Hausarzt und seinen Patienten durch vier Quartale à drei Monate getaktet. In diesen Zeitfenstern spielt sich jede akute und chronische Krankheit ab, abseits vom natürlichen Verlauf, quasi in ein Korsett geschnürt. Das schafft Übersicht in der Gesundheitsbuchhaltung, aber auch ein ärgerliches, artifizielles Krankheitsbild: das Syndrom der administrativ verursachten Praxisverstopfung (Obstipatio administratione generata).
 
Medical Tribune
von Norbert Metke

Fragwürdige Reformen: Mehr Bürokratie und Chaos statt mehr Termine

Vielleicht sollte es der Politik zu denken geben, dass die Ankündigung einer neuen Gesundheitsreform, egal in welchen Namen man sie kleidet, bei den Ärzten keine Freude auslöst. Wenn es etwas gibt, woran es im Gesundheitswesen nicht mangelt, dann sind es Gesundheitsreformen. Dass sie die Rahmenbedingungen verbessert haben, kann nicht behauptet werden. So auch beim Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).
 
Medical Tribune
von Björn Parey

Kommunikation Optimieren: Sprechende Medizin(er)

Wird die Digitalisierung den Informationsaustausch zwischen den Ärzten verbessern?Allgemeinärzte beklagen oft, von den Spezialisten nicht (in ausreichendem Maße) informiert zu werden, selbst dann nicht, wenn neue Medikamente angesetzt werden. Während einige Fächer, insbesondere die Innere Medizin, nahezu zeitnah Berichte erstellen, so gelten andere Fächer unter uns Hausärzten als notorisch kommunikationskarg. „Stimmt nicht!“, entgegnen die Fachärzte. Ihre Gegenklage ist, sie bekämen schließlich zu wenig Informationen von den Hausärzten, es fehlten Befunde, ein ausreichendes Briefing oder eine klare Fragestellung.
 
Medical Tribune
von Eckhard Starke

Gesundheitspolitik ohne Plan: Längere Sprechstundenzeiten sind nicht die Lösung

Ich bin beunruhigt und gleichzeitig entsetzt, dass die Politik offensichtlich jeden ordnungspolitischen Anspruch in der Gesundheitsversorgung aufgegeben zu haben scheint. Denn anstatt auf die offensichtlichen Ressourcenprobleme bei Ärzten und Psychotherapeuten endlich mit einer sinnvollen Steuerung der Patientenströme zu reagieren, lautet die Antwort der Politik schlicht: Weiter so und mehr davon!
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Hausärztliche Versorgung: „Nur“ höheres Honorar greift viel zu kurz

Jetzt nachdem die GroKo ihre Arbeit aufgenommen hat, versucht jeder, seine Claims abzustecken. Das gilt natürlich auch für die Allgemeinmedizin und den Hausärzteverband (DHÄV). Der Verband hat gute Argumente auf seiner Seite, wenn er sich dagegen auflehnt, dass die Termin-Servicestellen auch auf die hausärztliche Versorgung ausgeweitet oder die Mindestsprechzeiten von 20 auf 25 Stunden aufgestockt werden sollen. Da bedarf es ganz anderer Maßnahmen, um den Hausärztemangel zu beheben.
 
Medical Tribune
von Johannes Fechner

Entlastung der Arztpraxen: Telemedizin offensiv angehen

Preisfrage: Welches war während der Fußball-WM 2006 in Deutschland die am häufigsten runtergeladene App? Falsch! Es gab damals noch gar keine. Das erste iPhone ist erst Ende 2006 / Anfang 2007 auf den Markt gekommen. Die Fußball-WM mit ihrem Sommermärchen ist noch nicht so lange her. In relativ kurzer Zeit hat sich hier eine Technik entwickelt, die heute alle Bereiche des Lebens durchzieht. Heute ist kaum noch eine hochwertige Kaffeemaschine zu kaufen, die nicht auch über eine App gesteuert werden kann. Und die Entwicklung ist schon wieder weiter. Was bis vor kurzem noch über Apps abgebildet wurde, wird immer mehr von Siri oder Alexa, den Diensten von Apple bzw. Amazon, die auf Sprache reagieren, bearbeitet. Es gibt also viele gute Gründe, sich seitens der Ärzteschaft mit Telemedizin zu befassen.
 
Medical Tribune
von Toni Graf-Baumann

Versorgungsforschung: Wie sollen Hausärzte das leisten?

Eine der Aufgaben der Allgemeinmedizin ist das Erkennen abwendbar gefährlicher Verläufe und die entsprechende Behandlung und Überweisung zur fachärztlichen Behandlung sowie die Betreuung von chronisch Kranken, z. B. Patienten mit Hypertonien und Diabetes. Für die Familienmedizin mit oft krisenhaften Verläufen ist der Allgemeinarzt als Hausarzt zumeist Ansprechpartner für die entstehenden psychosozialen Konflikte.
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

Heiter bis wolkig: Der zweckmäßige Meyer

Bernd Engelmann und Günter Wallraff benannten unmittelbar nach den mythischen 1968ern mit ihrer Gesellschaftsanalyse „Ihr da oben – wir da unten“ ein Unbehagen, das viele von uns Basisversorgern im übertragenen Sinn ähnlich empfinden. Gemeint sind die Respektlosigkeit vor unserer Arbeitsleistung, die perfide Nutzung unserer Mitarbeiterinnenzeit und der Verbrauch ärztlichen Arbeitsvermögens für artfremde Arbeiten durch Behörden, Versicherungen, Dienststellen oder medizinische Gesundheitsfabriken.
 
Medical Tribune
von Theodor Windhorst

Digitalisierung der Medizin: Die Empathie des Arztes bleibt unersetzlich

Mit dem Einzug der Digitalisierung in das Gesundheitswesen verändert sich das Arzt-Patienten-Verhältnis in erheblichem Maße. Der technische Fortschritt eröffnet viele neue Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie und beinhaltet damit die Chance einer verbesserten Patientenversorgung. Allerdings müssen die ethischen Grundsätze zum Umgang mit neuem Wissen und neuen Methoden eingehend diskutiert werden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Innovationsfonds: Wo bleibt das Innovative für den Hausarzt?

Kein Zweifel: Der finanzielle gut bestückte Innovationsfonds war überfällig. Das zeigt auch das Antragsvolumen, das sämtliche Erwartungen weit übertroffen hat. Allein im Jahr 2016 gingen Anträge in Höhe von 1,7 Mrd. Euro ein. Das zeigt: Es gab und gibt einen Riesen-Innovationsstau gerade bei Versorgungs-(Forschungs-)Projekten, von denen auch die Hausärzte an der Basis profitieren könnten. Sollte man zumindest meinen.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Immer mehr angestellte Ärzte : MVZ bringen System ins Wanken

Viele gesundheitspolitische Entscheidungen, die in den nächsten Jahren getroffen werden, werden stark davon abhängen, welche Prioritäten die nun neu gewählte Bundesregierung setzen wird. Ein Trend wird aber in jedem Fall unumkehrbar sein: Immer mehr Ärzte werden im Angestelltenverhältnis arbeiten und sich somit als Vertragsärzte verabschieden. Der Bundesverband der Medizinischen Versorgungszentren geht bis 2022 von einer Angestelltenquote von 30 bis 40 %25 aus. Das wird die Versorgungslandschaft gravierender umstülpen als manche Entscheidung des künftigen Gesundheitsministers oder der nun tonangebenden Regierungsparteien.
 
Medical Tribune
von Bettina Schöne-Seifert

Heilpraktiker-Ausbildung: Nicht mehr zeitgemäß!

Heilpraktiker arbeiten mit staatlicher Lizenz im Rahmen einer Gegenwelt zur wissenschaftsorientierten Medizin. Der Dachverband der Heilpraktikerverbände schreibt, die von seinen Mitgliedern angebotene Naturheilkunde sei „grundsätzlich unabhängig von Zeitströmungen, Systemzwängen oder dem jeweils herrschenden Wissenschaftsbild“. Erkenntnisfortschritt als „Zeitströmung“ abzutun ist ebenso absurd wie das Behaupten kausaler Wirkungsmechanismen, die mit wissenschaftlichen Grundprinzipien nicht unter einen Hut passen, und wie der Verzicht auf Wirksamkeitsstudien. Auf Wunderglauben und damit auf reine Plazebo-Medizin zu setzen, muss selbstverständlich Privatsache der Patienten sein und bleiben – aber bitte ohne gesellschaftliche Adelung durch Sonderzulassungen, Berufslizenzen und teilweise Krankenkassen-Finanzierung!
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Hausarztzentrierte Versorgung: Es gibt noch Täler der Ahnungslosen

Das ist schon ein ganz dickes Ding, was das Institut Kantar TNS da in einer repräsentativen Umfrage zutage gefördert hat. Danach halten 87 %25 aller Befragten die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) für ein sinnvolles Angebot. Aber nur 41,5 %25 werden über die Selektivverträge von ihrer eigenen Kasse ausreichend in Kenntnis gesetzt. Bei jedem zweiten Versicherten kommen damit die Kassen nicht ihrer gesetzlichen Pflicht nach, über die HzV aufzuklären. Dass dies durchaus möglich ist, beweist die AOK Baden-Württemberg. Dort kennen fast zwei von drei Versicherten (62,2 %25) die HzV-Angebote – über 20 Prozentpunkte mehr als im übrigen Teil der Republik.
 
Medical Tribune
von Erich Kögler

Der Tod lauert in der Chipstüte

Sind wir doch mal ehrlich: Jeder von uns kennt die geradezu hypnotische Anziehungskraft der geöffneten Chipstüte bei der abendlichen Fernsehstunde. „Iss mich“, flüstert sie uns verführerisch zu und lässt uns nicht ruhen, bis wir alles verputzt haben. Spätestens dann stellt sich das schlechte Gewissen ein – doch nicht nur wegen der Kalorien. Denn seit 2002 ist bekannt, dass schädliches Acrylamid in den begehrten Kartoffelscheiben steckt und natürlich auch in vielen weiteren Lebensmitteln.
 
Medical Tribune
von Ulrich Weigeldt

Palliativversorgung: Hausärztliche Kompetenz wird missachtet!

Die Versorgung schwerkranker Patienten in der letzten Lebensphase ist seit jeher eine genuin hausärztliche Aufgabe – und das aus gutem Grund! In dieser Phase ist es entscheidend, dass die Patienten von ihren Hausärzten, die sie in der Regel seit vielen Jahren kennen und die mit dem familiären und sozialen Umfeld vertraut sind, versorgt werden können. Das scheinen Vertreter der KBV und des GKV-Spitzenverbandes jedoch nicht so zu sehen. Anders ist es nicht zu erklären, warum Hausärzte zukünftig von den neuen Palliativleistungen systematisch ausgegrenzt werden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Wahl 2017: Volksparteien gaukeln heile Gesundheitswelt vor

Eigentlich ist doch alles in Butter. Dank der blendenden Konjunktur liegen auch im Wahljahr die Einnahmen der Krankenkassen wieder über den Ausgaben. Warum also irgendetwas verändern in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt? Warum in Wahlprogrammen Verbesserungen in Aussicht stellen, wo doch die Gesundheitsmaschinerie wie geschmiert läuft? So oder ähnlich müssen die Debatten der Wahlstrategen zumindest der beiden großen Volksparteien wohl gelaufen sein, wenn man deren Programme durchstöbert.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Deutscher Ärztetag: Erstaunliche Unkenntnis über die hausärztliche Versorgung

Da haben sich KBV und Bundesärztekammer (BÄK) bei ihren jüngsten Vollversammlungen anlässlich des Deutschen Ärztetages bei ihren Debatten um die hausärztliche Versorgung wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. So kann sich z. B. die Vertreterversammlung der KBV in Zeiten des Ärztemangels gerade einmal dazu aufraffen, Delegationen von ärztlichen Leistungen prüfen zu wollen. Von einer anderswo längst üblichen Substitution bestimmter ärztlicher Leistungen auch durch akademisierte Gesundheitsberufe will man erst gar nichts wissen. Die Vernetzung soll – immerhin unter Einbindung hausärztlicher Kompetenz – vorangetrieben werden, gegebenenfalls sogar mit einem GKV-Hausarzttarif. Na, geht doch!
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Digitale Praxis: Viele Potenziale liegen brach

Die meisten jungen Hausärzte werden sich in den Ergebnissen der jüngsten repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitcom und der Bayerischen TelemedAllianz (BTA) sehr gut wiederfinden. Viele ältere Hausärzte werden eher skeptisch sein. Denn die Hauptbotschaft der 1.000 befragten Bundesbürger könnte eindeutiger nicht sein: Die Potenziale der Digital Health liegen brach und müssten weit mehr als bislang ausgeschöpft werden.
 
Medical Tribune
von Max Kaplan

Ärztliche Selbstverwaltung: Bald ein blutleerer Torso?

Die korporatistische Steuerung unseres Gesundheitssystems wird immer wieder auf den Prüfstand gestellt, was per se nicht schlecht ist. Eine lebendige Selbstverwaltung muss Kritik aushalten und sich immer wieder selbstkritisch hinterfragen. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass der Gesetzgeber auf Korporatismus gesetzt und einen großen Teil seiner Regelungskompetenz im Gesundheitswesen auf die Selbstverwaltungsorganisationen übertragen hat. Aufgrund ihrer Sachkenntnis, ihrer Nähe zur Praxis und ihrer Bindung zu ihren Mitgliedern lösen die Selbstverwaltungsorganisationen viele diffizile Detailregelungen einfach besser und effizienter, als es der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene könnte. Damit ist eine starke Selbstverwaltung keine Konkurrenz zum Staat. Vielmehr entlastet und ergänzt sie ihn.
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

Heiter bis Wolkig: Und täglich grüßt der Aküfi

Jeder muss sparen. Wir Kassenärzte sowieso: Stetig schwebt das kupierende Schwert einer Wirtschaftlichkeitsprüfung nach dem GKV-VSG gemäß § 106 Abs. 5e SGB V über uns. Diesem Kargheitstrend folgend hat sich die ärztliche Sprache nachhaltig verändert: Abkürzungen und Akronyme haben Konjunktur. Sie überschwemmen unseren bislang so simplen Alltag tsunamiartig und bereichern ihn mit einer variantenreichen, oft nur im Gesamtkontext verstehbaren, aber durchaus belebenden Auslegungsbreite. Von der Basis kommen deshalb immer heftigere Forderungen, dass neben dem Aküfi (Abkürzungsfimmel) jetzt auch ein Aküschlü (Abkürzungsschlüssel) im staatsexamenspflichtigen Lehrfach Abbreviologie fest in die PO (Prüfungsordnung) gemäß ÄAppO (Ärztliche Approbationsordnung) der angehenden Mediziner eingeführt werden sollte.
 
Medical Tribune
von Fritz Meyer

Heiter bis wolkig: Raum für Zeit und Zuwendung

Aus meiner Assistenzarztzeit erinnere ich mich an eine denkwürdige Begebenheit. Bei einer vom Professor geleiteten Visite sollte der Stationsarzt die Patientenanamnese referieren. Leider war der Kollege schlecht disponiert und schüttelte bei detaillierteren Fragen des Chefarztes ratlos den Kopf. Ziemlich angesäuert meinte dieser daraufhin: "Ich frage jetzt die Damen aus der Kantine, die reden wenigstens noch mit den Patienten." Und in der Tat: Auch in der hausärztlichen Praxis finden Gespräche statt, die sich außerhalb ärztlicher Sphären bewegen. Offensichtlich existiert ein extraordinärer Beratungsbedarf, der ohne ärztliche Absegnung erledigt werden kann.
 
Medical Tribune
von Sandra Blumenthal

Junge Allgemeinmedizin kommentiert: „Die Männerquote“

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat ein Radiologe die Einführung einer Männerquote unter Medizinstudierenden gefordert. Junge Frauen wären Männern hinsichtlich der Abiturnote zwar überlegen, brächen dann aber häufiger das Studium ab – oder übten nach dem Examen ihren Beruf nicht aus. Fertige Ärztinnen seien zu allem Überfluss dann bevorzugt halbtags tätig. Der radiologische Gastkommentator hat eine Flut an Leserbriefen ausgelöst.
 
Medical Tribune
von Regina Feldmann

Versichertenbefragung: Lob und Arbeitsauftrag

Die aktuelle KBV-Versichertenbefragung zeigt nun bereits im zehnten Jahr, dass sich die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten einer gleichbleibend hohen Wertschätzung ihrer Patienten erfreuen können. Sie erhalten Bestnoten für ihre fachliche Kompetenz und die Freundlichkeit im Umgang mit den Patienten. Wir können also mit Recht sagen: Unsere Patienten vertrauen uns! Das empfinde ich als eine schöne Anerkennung für unseren Berufsstand.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Boom bei MVZ: Neue Optionen für Hausärzte

Der Trend ist eindeutig: Die Neigung von Ärzten, sich für neue Kooperationsformen zu entscheiden, nimmt weiter deutlich zu. Abzulesen ist dies an den Ergebnissen einer neuen Umfrage von Springer Medizin und der Deutschen Bank, an der sich 350 Haus- und Fachärzte beteiligt haben. 55 %25 aller befragten Mediziner sehen in der „verstärkten Bildung von Kooperationen“ das Thema, das in den nächsten Jahren den Gesundheitsmarkt am nachhaltigsten beeinflussen wird. Münden wird dies zunehmend in größere Praxiseinheiten, die durch das gerade in Kraft getretene Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) noch einen weiteren Schub erhalten.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Allgemeinmedizinische Forschung: Was bringt das den Hausärzten?

Was leisten eigentlich die 27 Institute oder Abteilungen für Allgemeinmedizin für die Versorgung von Patienten? Eine ganze Menge, meint nicht nur Prof. Ferdinand Gerlach, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). So hatten sich universitäre Einrichtungen der Allgemeinmedizin schon lange mit Themen wie Multimorbidität und Multimedikation befasst, bevor diese gesundheitspolitisch salonfähig geworden sind. Im Jahr 2011 etwa das Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, das mit dem Thema Polymedikation vorgeprescht war. Seitdem sind viele Erkenntnisse gesammelt und Medikationslisten veröffentlicht worden, die für den Hausarzt von großer Bedeutung sind.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Hausarztzentrierte Versorgung: Bremser und Blockierer an allen Fronten

Das sind ja mal wieder richtig schöne Erfolgsgeschichten, die die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) schreibt. Und wieder einmal ist Baden-Württemberg ganz vorne mit dabei, was aber inzwischen keinen mehr so recht überrascht. Bei Patienten, die an der HzV der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK teilnehmen, ist die Inzidenz für Darmkrebs von 2009 bis 2014 um 9,6 pro 100.000 bei den Frauen und sogar um 24,5 pro 100.000 bei den Männern zurückgegangen. Bei regelversorgten Patienten fallen die Ergebnisse hingegen eher bescheiden aus: 8,5 pro 100.000 bei den Männern und gar nur 1,8 je 100.000 bei den Frauen.
 
Medical Tribune
von Jens-Martin Träder

Hausarztmedizin: Der schönste Beruf nach dem Papst

Die Situation der Allgemeinmedizin wird seit Jahren in nahezu allen Medien mit negativen Kommentaren, kritischen Bewertungen und düsteren Zukunftsorakeln beschrieben. Abgesehen davon, dass es mit Sicherheit an vielen Details unseres Berufsumfeldes Dinge zu verbessern gibt, muss man sich natürlich fragen, was diese Darstellung für Außenwirkungen hat – auf die Patienten, auf „die Politik“ und – vor allem! – auf unseren beruflichen Nachwuchs.
 
Medical Tribune
von Sebastian Harder

Arzneimittelverordnung: Kommunikation hilft, Fehler zu vermeiden

Fehler können auf allen Ebenen des Medikationsprozesses, von der ärztlichen Verordnung über die Ausgabe des Medikamentes durch die Apotheke bis zur Einnahme durch den Patienten, auftreten. Man geht derzeit davon aus, dass über alle diese Ebenen hinweg bis zu 20 %25 aller Medikamentengaben mit irgendeinem Fehler behaftet sind, und sei es nur z. B. der falsche Einnahmezeitpunkt: Murphy’s Law („Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“) lässt grüßen …
 
Medical Tribune
von Hans-Michael Mühlenfeld

Berufsbild: Bremen schafft den Allgemeinarzt „light“

„Die Allgemeinmedizin – ein Fach im Aufwind an den Medizinischen Fakultäten“, las ich neulich im Deutschen Ärzteblatt. Die Meldung klang gut und zweifelsohne gab es in den letzten Jahren große Fortschritte. Betrachtet man aber die Entwicklung über die letzten 50 Jahre, dann wird klar, wie zäh die Anerkennung der Allgemeinmedizin verläuft, gerade im Vergleich zu anderen Staaten mit einem entwickelten Gesundheitssystem.
 
Medical Tribune
von Dr. Ingolf Dürr

Der andere Nobelpreis: Lustige Welt der Wissenschaft

Weltweit gehen Millionen Wissenschaftler täglich ihren Forschungsarbeiten nach, bemühen sich, die Ergebnisse zu publizieren, und etliche erhoffen sich vielleicht auch, einmal in ihrem Forscherleben in Stockholm einen Nobelpreis für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse überreicht zu bekommen. Den wenigsten gelingt dies. Für den großen Rest bleibt dann aber immer noch eine Alternative: der Ig-Nobelpreis. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Forschung zumindest die Lachmuskeln reizt oder zum Kopfschütteln anregt. Wir stellen die Preisträger des Jahres 2014 vor.
 
Medical Tribune
von Susanne Grundke und Andreas Klement

Pflege: Herausforderungen für Hausärzte und Pflegefachkräfte

Nach wie vor ist die vertraute eigene Häuslichkeit der bevorzugte Versorgungsort für die meisten pflegebedürftigen Menschen. Neue Wohn- und Versorgungsformen sind jedoch zunehmend häufiger eine Alternative, so der aktuelle Pflege-Report 2015. Dementsprechend wird die Bedeutung der Fortentwicklung kommunaler Pflegeinfrastruktur mit Blick auf soziale und wohnungsbauliche Fragen sowie die Verkehrsanbindung im Report als zentrale Aufgabe der Zukunft herausgestellt.
 
Medical Tribune
von Gernot Rüter

Berufsbild: Was tut der Hausarzt?

Bekanntlich hat das Fach Allgemeinmedizin ein Nachwuchsproblem. Auf Ursachensuche fällt ein merkwürdiges Paradox auf: Einerseits wird die hausärztliche Arbeit immer wieder mit leichten, sogenannten Bagatellerkrankungen assoziiert. Gemäß Äußerungen aus der „Politik“ scheinen Husten, Schnupfen und Fußpilz den hausärztlichen Alltag auszumachen. Im Gespräch mit Studierenden bietet sich oft ein genau umgekehrtes Bild: Furcht vor Überforderung, vor Komplexität, vor Unsicherheit lässt eher den Weg in ein Fach mit begrenzter Methodik und weniger Heterogenität anstreben. Offenbar ist den Protagonisten der Allgemeinmedizin nicht gut gelungen zu kommunizieren, was Hausärzte tun.
 
Medical Tribune
von Burkhard Sonntag

Angestellte Hausärzte: Selbstständigkeit ist nicht alles

Ich war einmal Hausarzt. Jetzt bin ich es nicht mehr. Ich war gerne Hausarzt, aber ich bereue es nicht, wieder in einer Klinik zu arbeiten. Vielleicht verdiene ich jetzt weniger Geld als meine niedergelassenen Kollegen, aber ich weiß genau, wie viel Ende des Monats auf mein Konto kommt. Ich habe keine schlaflosen Nächte, weil ich bei keiner Bank mit mehreren hunderttausend Euro für einen Praxis-Kredit in der Kreide stehe. Stattdessen habe ich Anspruch auf 30 Urlaubstage im Jahr und falls ich einmal krank werden sollte, darf ich zu Hause bleiben. Was der Himmel verhüten möge, aber dank Lohnfortzahlung führt eigene Krankheit nicht mehr zwangsläufig zum finanziellen Ruin.
 
Medical Tribune
von Christian Hälker

e-Health : Wir brauchen ein klares Ziel

Die Bedeutung von eHealth nimmt international rasant zu. Global Player sehen im Gesundheitswesen einen riesigen Wachstumsmarkt. Doch während sich weltweit die Wirtschaft in Richtung Industrie 4.0 bewegt, hat das deutsche Gesundheitswesen erst begonnen, die Schwelle zur industriellen Revolution 3.0 zu nehmen. Aus diesem Grunde ist dringend eine Gesundheitsstrategie erforderlich, die ein klares Zielbild formuliert und den handelnden Akteuren eine stärkere Investitionssicherheit vermittelt.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Masernwelle: Allgemeinärzte gleich doppelt in der Pflicht

Es ist schon paradox. In vielen Staaten dieser Welt schaffen es die dortigen Ärzte und Gesundheitspolitiker nicht annähernd, ausreichend hohe Impfraten zu erzielen, weil schlichtweg die Impfstoffe fehlen. So werden in Bosnien-Herzegowina nur Impfquoten von knapp über 50 %25 erzielt. Die Folge: Mehr als 2 000 Menschen haben sich in dieser Balkanregion mit dem Masernvirus infiziert. Von einer Gruppe aus dem Balkan wurde offenbar der verantwortliche Genotyp D8 nun auch in die deutsche Hauptstadt geschleppt. Dort konnte er sich insbesondere in den bekannt impfresistenten Berliner Gegenden ausbreiten. Bis Mitte April waren rund 1 000 Menschen an Masern erkrankt.
 
Medical Tribune
von Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach

Anti-Korruptionsgesetz: Sonderstrafrecht für Angehörige eines Heilberufs?

Korruption, egal durch wen und wo, ist rechtswidrig und belastet das gesellschaftliche Miteinander, ja es stört Vertrauen, zerstört es sogar. Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Die überwiegende Zahl der Ärzte und anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen arbeitet jedoch völlig korrekt. Nun liegt ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums vor, der für Angehörige eines Heilberufs mit staatlich geregelter Ausbildung einen Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen formuliert. Um die schwarzen Schafe unter den Kollegen aufzudecken, brauchen wir jedoch keine neuen Gesetze und ganz sicher nicht eines, das speziell eine Gruppe der Gesellschaft in den Fokus rückt, sondern eine konsequente Anwendung und gegebenenfalls eine Nachbesserung der bestehenden Regulierungen.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Delegation: Die VERAH® hat Hochkonjunktur

Sie entfaltet ein Potenzial, das selbst die kühnsten Optimisten noch vor Jahren für undenkbar gehalten haben. Die Rede ist von der VERAH®, der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, deren Bedarf bundesweit rapide ansteigt. Dies liegt daran, dass die VERAH® auf allen Seiten Kräfte freigesetzt hat, in der Politik, bei den Kassen und nicht zuletzt bei den Ärzten selbst. Vor gut 5 Jahren war die Delegation ärztlicher Leistungen noch auf den Bereich der Pflege beschränkt. Nunmehr ist die Übertragung ärztlicher Leistungen auf „ein von einem Hausarzt geführtes Team“ verlagert worden. Völlig zu Recht verwies der Hauptgeschäftsführer des Hausärzteverbandes, Eberhard Mehl, bei der practica 2014 in Bad Orb darauf, dass damit bei der Delegation die „Philosophie“ komplett verändert worden ist.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Waisenkinder der Medizin: Die „Seltenen“ sind gar nicht so selten

Sie gelten als die Waisenkinder in der Medizin, und dennoch betreuen mitunter auch Allgemeinärzte nicht wenige Patienten, bei denen eine Seltene Erkrankung vorliegt. Verwunderlich ist dies nicht, leben doch allein in Deutschland rund 4 Millionen Menschen (EU-weit rund 30 Millionen), die von einer der über 7 000 verschiedenen Seltenen Erkrankungen betroffen sind. In der Gesamtheit kommen die „Seltenen“ also durchaus häufig vor.
 
Medical Tribune
von U. Ibold

Leserclub: Hausärztemangel: Die wahren Ursachen

In der letzten Zeit nehmen die Berichte über den zunehmenden Hausärztemangel auf dem Land und vermehrt auch in den Städten zu. Nur wird nie über die wahren Ursachen dieser sich seit Jahren abzeichnenden Entwicklung berichtet. Stattdessen unternehmen die Kommunen und die Politik immer hilflosere Aktivitäten, um zu retten, was seit langem nicht mehr zu retten ist. Und wenn nichts mehr geht, dann muss man die Ärzte eben kaufen, dann werden sie schon kommen!
 
Medical Tribune
von U. Brühl

Schweiz: Endlich wieder Hausarzt sein!

Wer von uns Hausärzten kennt das nicht: Es ist schon sehr spät am Abend, die letzten Patienten haben die Praxis verlassen und es herrscht endlich etwas Ruhe von der Alltagshektik. Jetzt können wir uns noch mit Beschwerden über Medikamentenaustausch in der Apotheke, Forderung nach Heilmittelrezepten beschäftigen. Endlose Listen wären zu bearbeiten, Chroniker-Ziffern, Geriatrisches Basis-Assessment, wer hier nicht konsequent überprüft, verliert viel Geld. Und da wartet auch noch ein Stapel Papier: Versorgungsamtanfragen, REHA- und Rentenanträge, Widerspruchsschreiben, weil die Pflegekasse wieder einmal ungerechtfertigt die Inkontinenzartikelversorgung abgelehnt hat. Die Kostenerstattung dafür bewegt sich zwischen 2,98 und 8,23 Euro, da kann die Beantwortung schon mal warten. Denn: Meine Familie wartet auch auf mich!
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Weiterbildung: Warten auf den großen Durchbruch

Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen: Anfang bis Mitte der 1990-er Jahre haben sich ganze 7 wissenschaftliche Mitarbeiter – bundesweit verstreut – der Herkulesaufgabe verschrieben, das Fach Allgemeinmedizin in Deutschland universitär zu etablieren. Mit dabei gewesen war damals auch der heutige DEGAM-Präsident Prof. Ferdinand M. Gerlach. Daraus sind bis heute 25 allgemeinmedizinische Lehrstühle geworden, 6 weitere stehen vor der Gründung oder sind ausgeschrieben. In wenigen Jahren werden wohl alle 37 Universitäten einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin vorweisen können.
 
Medical Tribune
von Gernot Rüter

Medizinethik: Dem Patienten als Person begegnen

Seit der griechischen Antike beinhaltet wissenschaftliches Denken die Entwicklung von Modellen. In Modellen wird die Komplexität der wahrgenommenen Wirklichkeit auf wenige Kernaussagen, Gesetze, reduziert. Sie ermöglichen, wenn das Modell stimmt, Vorhersagen über künftige Wirklichkeiten. In diesen reduktionistischen Modellen sind oft nur wenige Variablen zulässig, was zu linearen Kausalitätszusammenhängen (ver)führt: Die Komplexität der Wirklichkeit geht im Modell verloren, was die Gefahr beinhaltet, das Modell für die Wirklichkeit zu halten. Modelle werden erweitert, korrigiert oder verworfen, wenn sie mit der beobachteten Wirklichkeit nicht übereinstimmen (Falsifizierung) oder keine Erklärung für die Wirklichkeit liefern können.
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Klaus-Dieter Kossow

Ambulante Versorgung: Die Kommunen unterstützen

Zu den Zielen für die Gestaltung von Gesundheitssystemen zählen Gleichmäßigkeit, Bezahlbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung nach dem Facharztstandard. Das gilt für die gesamte ambulante Versorgung durch Hausärzte und Spezialisten. Hier lauern Zielkonflikte. Eine flächendeckende Versorgung durch Subspezialisten in dünn besiedelten Gebieten überfordert ohnehin die Finanzierungsmöglichkeiten auch der reichsten Länder. Auch Fachärzte kleiner Gebiete werden nur ausnahmsweise ihr Auskommen in ländlichen Regionen finden. Die Gliederungsprinzipien der KBV für die Fachversorgung sind schon deshalb verfehlt, weil sie allenfalls in sehr dicht besiedelten Ballungsgebieten umsetzbar sind. Hinzu kommt, dass auf dem Lande ein doppelter Bruch des Solidarprinzips stattfindet. Einerseits zahlen Bürger und Betriebe dort entsprechend ihrem Einkommen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile in der gleichen Höhe wie in der Stadt. Andererseits bekommen sie als Gegenleistung nur ein ausgedünntes Versorgungsangebot. Besonders schlimm wird es, wenn auch Hausärzte nicht mehr vorhanden sind, weil Hausarztstellen vergeblich ausgeschrieben wurden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Sprechende Medizin: Nicht der Weisheit letzter Schluss

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ist zwar noch nicht lange im Amt, scheint mitunter aber den richtigen Riecher zu haben. „Dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, sich in unserem Gesundheitswesen zurechtzufinden, muss uns aufrütteln“, stellte er jüngst ernüchternd fest. Recht hat er, der Herr Minister. Bisher haben die mangelnde Aufklärung und die daraus folgende höchst unzureichende Adhärenz aber so recht niemanden aufgerüttelt. Das verwundert doch sehr. Immerhin gehen in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 13 Milliarden Euro allein auf das Konto der mangelnden Einnahmetreue von Medikamenten.
 
Medical Tribune
von Thomas G. Schätzler

Honorarverhandlungen: Alle Jahre wieder, Daumen hoch oder nieder?

Das PROGNOS-Desaster gab es 2012: Ein „Gutachten“ im Auftrag des Spitzenverbands Bund (SpiBu) sollte eine 7-%25-Minusforderung bei Vertragsarztpraxen untermauern. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte wider besseres Wissen das Bedrohungsszenario nicht erkannt und errechnete naiv eine Plus-10-%25-Forderung. Der Schiedsspruch des Gesundheitsökonomen Prof. Wasem ergab schließlich ein Honorarplus von 0,9 %25.
 
Medical Tribune
von Norbert Metke

Bürokratieabbau: Mehr Zeit für Patienten!

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), eines der bedeutendsten Meinungs- und Trendforschungsinstitute in Deutschland, hat es klar zum Ausdruck gebracht: Die Patienten beklagen sich darüber, dass die Ärzte zu wenig Zeit für sie haben. In einer aktuellen Befragung des Institutes gaben die Patienten im Schnitt elf Minuten als Zeitrahmen ihres Arztes beim letzten Besuch an. Insgesamt ist etwa ein Drittel der Patienten der Ansicht, dass sich der Arzt zu wenig Zeit für seine Patienten nimmt. Die Untersuchung bestätigt eine Einschätzung, die auch Ärzte teilen. In einer Befragung der KBV zusammen mit dem NAV-Virchowbund im vergangenen Jahr wurde von den Ärzten als größtes Manko in ihrem Berufsalltag angegeben, dass sie zu wenig Zeit für die Patienten haben. Es scheint also etwas dran zu sein.
 
Medical Tribune
von Norbert Metke

Bürokratieabbau: Mehr Zeit für Patienten!

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), eines der bedeutendsten Meinungs- und Trendforschungsinstitute in Deutschland, hat es klar zum Ausdruck gebracht: Die Patienten beklagen sich darüber, dass die Ärzte zu wenig Zeit für sie haben. In einer aktuellen Befragung des Institutes gaben die Patienten im Schnitt elf Minuten als Zeitrahmen ihres Arztes beim letzten Besuch an. Insgesamt ist etwa ein Drittel der Patienten der Ansicht, dass sich der Arzt zu wenig Zeit für seine Patienten nimmt. Die Untersuchung bestätigt eine Einschätzung, die auch Ärzte teilen. In einer Befragung der KBV zusammen mit dem NAV-Virchowbund im vergangenen Jahr wurde von den Ärzten als größtes Manko in ihrem Berufsalltag angegeben, dass sie zu wenig Zeit für die Patienten haben. Es scheint also etwas dran zu sein.