Boomt die HzV, ist Verstärkung vonnöten

Praxismanagement , Praxisführung Autor: Michael Reischmann

Bei der Suche nach Weiterbildungsassistenten muss sich eine Praxis viel einfallen lassen. © fotolia/Rido

Starke HzV-Praxis, mit Lehrkontakt zu Universität, von Ärztinnen geführt. Selbst solch einem Arbeitgeber kann es – trotz des Trends zur Anstellung – schwerfallen, Nachwuchskräfte zu finden. Hausärztin Dr. Susanne Bublitz ist froh, dieses "Riesenproblem" vorerst wieder gelöst zu haben.

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) in Baden-Württemberg gilt als Erfolgsgeschichte. 1,5 Mio. AOK-Versicherte haben sich eingeschrieben sowie 600 000 Versicherte der anderen Krankenkassen im Land.

Auch Dr. Bublitz (41), die seit 2011 eine Gemeinschaftspraxis mit Dr. Petra Sandig in Pfedelbach, 25 Kilometer östlich von Heilbronn, betreibt, ist überzeugte HzV-Ärztin. Die beiden Hausärztinnen haben etwa 1300 ihrer 2300 Patienten in die HzV eingeschrieben, davon sind gut 1000 bei der AOK versichert.

Praxisinhaberinnen arbeiten 50 bis 60 Stunden die Woche

Denn dieser Vertrag überzeugt Dr. Bublitz am meisten: Der Spruch von der Bierdeckelabrechnung stimme, in zwei Stunden sei die Quartalsabrechnung erledigt, erzählt sie. Auch die zwei "Verahs" der Praxis kommen bei den Patienten gut an; eine kümmert sich im Fallmanagementprogramm "PraCMan" speziell um multimorbide Patienten. Und dass sie bei rabattierten Generika keine Zuzahlung leisten müssen, macht die HzV für AOK-Versicherte grundsätzlich attraktiv, erklärt Dr. Bublitz; sie selbst richtet sich bei ihren Verordnungen gern nach den grün markierten Vorschlägen in der HzV-Arzneimitteldatenbank.

Zur HzV kam die Praxis übrigens auf Druck der Patienten. Diese sagten, sie müssten leider wechseln, um so schneller einen Termin beim Psychotherapeuten oder Facharzt zu bekommen. Also stieg die Praxis in die HzV ein. Tatsächlich habe die Vermittlung innerhalb von 14 Tagen zunächst gut geklappt, erzählt Dr. Bublitz. Seitdem aber immer mehr Patienten und Haus­ärzte in der HzV mitmachen, dauere es wieder bis zu vier Wochen. Die KV-Terminservicestelle hält die Ärztin für keine Alternative; lieber kümmert sich das Team um dringende Facharzttermine.

Trend zur Anstellung

32 350 im ambulanten Bereich angestellte Ärztinnen und Ärzte weist die Statistik der Bundesärztekammer für 2016 aus. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2009 und sechsmal so viele wie 1993.

Das Praxis-Duo ist kein Beispiel für Teilzeit arbeitende Ärztinnen. Im Gegenteil: Sie und ihre Kollegin arbeiten etwa 50 bis 60 Stunden die Woche, berichtet Dr. Bublitz. Sie ist Mutter von drei Kindern, bei der Betreuung der Jüngsten kann sie auf die Unterstützung ihrer Mutter zählen. Wenn nötig, arbeitet sie per sicherer Datenverbindung von zu Hause aus.

Sie ist froh darüber, dass ab Juli wieder eine Ärztin in Weiterbildung mitarbeiten wird. Da die Praxisräume nicht für drei Ärzte reichen, werden dort immer nur zwei Kolleginnen gleichzeitig anwesend sein.

Es sei nicht einfach, Verstärkung zu finden, erzählt Dr. Bublitz. Mit Anzeigen und Headhunter suchte die Praxis lange intensiv und erfolglos, bis sich endlich eine Kollegin meldete, die eingestellt wurde. Als sie nach einem dreiviertel Jahr wegen Elternzeit ausschied, ging die Suche wieder von vorne los, u.a. auch über die Verbands-Plattform "Perspektive Hausarzt". Es hagelte keine Bewerbungen, aber eine Ärztin konnte nun doch wieder gewonnen werden.

Dabei ist der Kontakt zur Universität Heidelberg vielleicht ein Vorteil. Denn die Praxis ist dort als akademische Lehrpraxis registriert und bietet z.B. im Januar und Februar dreimal zweiwöchige Blockpraktika für Studierende an. Die Rückmeldungen der Studenten auf diese Praxiserfahrung seien sehr positiv, berichtet Dr. Bublitz. Sie erhofft sich von der Maßnahme auch, "dass der Nachwuchs auf uns aufmerksam wird".

Hausarztverband erreicht Vergütungsplus von 6,5 %

Es gibt noch einen weiteren Vorteil: HzV-Ärzte, die im Rahmen der von der AOK geförderten "Verbundweiterbildung plus" einen Arzt in Weiterbildung beschäftigen, erhalten einen Zuschlag von drei Euro auf die kontaktunabhängige Pauschale P1.

Zwar findet Dr. Bublitz nicht alles in der HzV vorteilhaft geregelt (z.B. Palliativbetreuung, Verahmobil), doch sie schätzt es, nicht überlegen zu müssen, welche Einzelleistung noch "sinnvoll" erbracht werden könnte. Zudem meldete der Hausärzteverband gerade, dass im zweiten Halbjahr die Vergütung bei AOK, Bosch BKK und BBK VAG linear um ca. 6,5 % steigt.

Quelle: Medical-Tribune-Bericht 


Dr. Susanne Bublitz, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Pfedelbach © privat