So lässt sich der gemeine Hausarzt nieder

Niederlassung und Kooperation Autor: Anouschka Wasner

Existenzgründung: Mit 70.000 Euro sind Sie dabei! © iStock/chachamal

Welche Übernahmepreise sind die höchsten – die für Einzelpraxen oder für Gemeinschaftspraxen? Wo lassen sich Hausärzte gerne nieder? Wie viele der Existenzgründer starten als Einzelkämpfer, wie viele ziehen eine der Kooperationsformen vor?

Mehr als jeder Zehnte der hausärztlichen Existenzgründer hat sich im vergangenen Jahr für die Praxis auf dem Land entschieden. Das ist ein Prozent mehr als im Jahr davor, wie sich der jährlichen Analyse der Existenzgründungen von Ärzten der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) entnehmen lässt. In den ländlichen Regionen und Kleinstädten (bis 20.000 Einwohner) hat die Existenzgründung von Hausärzten anteilig sogar um rund 4 % zugenommen, während der Anteil der Existenzgründungen in größeren Städten im gleichen Maße gesunken ist.

Daniel Zehnich, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik der apoBank, führt den Anstieg auch auf die monetäre und beratende Unterstützung durch Initiativen der Kassenärztlichen Vereinigungen zurück. Ein Blick auf die Übernahmepreise zeigt allerdings auch, dass 2016 in der Großstadt mit durchschnittlich 100.000 Euro die höchsten Summen gezahlt wurden. Diese sind innerhalb von zwei Jahren um 27 % gestiegen. Dabei spiegelt der Übernahmepreis nicht alle notwendigen Investitionen wider, sondern lediglich den ideellen Wert, der vom Patientenstamm, vom Image und von der Lage der Praxis abhängt, sowie den materiellen Wert der Einrichtungsgegenstände und medizinischen Geräte.

Im Gegensatz zu den Übernahmepreisen in der Großstadt blieb der Durchschnittspreis für eine haus­ärztliche Einzelpraxis auf dem Land mit 68.000 Euro relativ konstant. Trotzdem bleibt der Hausärztemangel bundesweit eine Herausforderung: 2016 betrug der Anteil der hausärztlichen Existenzgründungen 26,4 %. Zum Vergleich: In der bestehenden ambulanten Versorgung arbeiten 43,3 % aller Vertragsärzte als Hausärzte.

Lieblingsmodell ist die Übernahme von Einzelpraxen

Die Niederlassung in einer Einzelpraxis ist die häufigste Form der Existenzgründung und findet meist durch die Übernahme einer bereits bestehenden Praxis statt. 2016 haben sich über die Hälfte (54 %) der hausärztlichen Existenzgründer auf diese Weise niedergelassen. Eine Praxisübernahme erforderte mit im Schnitt 134.000 Euro die höchsten Investitionen. Günstiger sind mit 104.000 Euro durchschnittlich die Neugründungen von Einzelpraxen, diese lagen im Jahr 2016 jedoch bei nur 5 %.

Ähnlich wie im Vorjahr entschieden sich 41 % der hausärztlichen Existenzgründer auch in 2016 für die Selbstständigkeit in Kooperationen. Die Niederlassungsformen sind dabei sehr vielfältig, entsprechend die benötigten Investitionen: Die günstigste Form war 2016 der Kauf und die Überführung einer Einzelpraxis in eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) mit 105.000 Euro. Am teuersten war die Übernahme einer BAG zusammen mit anderen Partnern. Diese schlug durchschnittlich mit 129.000 Euro zu Buche, kam jedoch eher selten zustande.


Der Übernahmepreis für Einzelpraxen liegt in Großstädten bei durchschnittlich 100.100 Euro (2013/2014: 78 000 Euro). Auf dem Land werden dagegen im Schnitt nur 68.100 Euro für eine Übernahme ausgegeben (2013/2014: 66 900 Euro) © apoBank/Zi, MT-Grafik