20 % warten über drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Aktuelle Umfragen belegen, dass die Versicherten zufrieden mit ihrem Arzt sind, aber unzufrieden mit Wartezeiten und Ärztemangel. Gleichermaßen befürchten Patienten und Ärzte, dass das Niveau der Versorgung künftig nicht gehalten werden kann.

91 % der Bürger haben ein gutes und sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt, 92 % schätzen den Therapeuten als (sehr) kompetent ein. Das hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV bei der 5. Versichertenbefragung im September 2011 herausgefunden.

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler äußerte sich auf einer Pressekonferenz zufrieden: „Das freut mich natürlich sehr, denn es zeigt, dass die Menschen die Arbeit der Ärzte schätzen.“ Das Thema Wartezeiten scheine aus Sicht der Patienten längst nicht so kritisch gesehen zu werden, wie es die Kassen gerne darstellten, so Dr. Köhler. Immerhin hätten drei Viertel der Befragten die Wartezeit auf einen Termin nicht als zu lang empfunden.

Ein genauer Blick in die Auswertung der Befragung offenbart jedoch: 21 % der Befragten mussten sich trotz eines akuten Problems bis zu drei Tage gedulden, bis sie zum Arzt vorgelassen wurden; weitere 24 % warteten sogar mehr als drei Tage. Deutlich wird auch, dass der Unmut über Wartezeiten steigt. Das gilt für gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen. Bezogen auf mindestens einen Tag Wartezeit stieg die Zahl der Unzufriedenen bei den Privatpatienten von 6 % im Vorjahr auf jetzt 17 % an. Bei den gesetzlich versicherten Personen wurde ein Anstieg von 18 % auf 23 % verzeichnet.  

Jeder dritte Privatpatient kommt sofort dran

Während beim Hausarzt die Wartezeit noch relativ moderat ist und viele Patienten auch ohne Termin an die Reihe kommen, zeigt sich beim Facharzt ein anderes Bild. Nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte und jeder dritte Privatversicherte wurde sofort vorgelassen. 54,3 % der Befragten warteten mehr als drei Tage, 20,5 % über drei Wochen auf den Termin. Interessant wäre hier eine weitergehende Differenzierung nach Monaten gewesen, denn Wartezeiten in dieser Größenordnung sind in einigen Fachgebieten und Regionen durchaus nicht ungewöhnlich.

Langes Warten weckt Zweifel an Kompetenz

Wie die Studie weiter zeigte, spiegeln sich zu lange Wartezeiten in der eingeschätzten Fachkompetenz des Arztes wider. 9 % der lange auf einen Termin Wartenden bescheinigen dem Arzt keine gute Kompetenz, bei den nicht lange Wartenden sind es 4 %. Warten in der Praxis wirkt sich noch deutlicher aus. So sprechen 16 % der Patienten, die mehr als eine Stunde warten, ihrem Arzt fachliche Kompetenz ab. Bei den schnell Behandelten sind es 3 %.

Geht es nicht wie bei der KBV-Umfrage allein um den letzten Arzttermin, sondern wie beim „MLP Gesundheitsreport 2011“ um das gesamte Gesundheitssystem, so sind Kritik und Sorge der Menschen deutlicher spürbar. Wie der vom Institut für Demoskopie Allensbach mit Unterstützung der Bundesärztekammer von September bis November erstellte Report ergab, beurteilen 72 % der Bürger und 88 % der Ärzte die aktuelle Gesundheitsversorgung zwar noch als „gut“ oder „sehr gut“.

Aus Kostengründen eine Behandlung verschoben

Doch Einschnitte sind bereits deutlich sichtbar. So gaben 59 % der Ärzte an, schon einmal aus Kostengründen gezwungen gewesen zu sein, eine Behandlung auf einen späteren Zeitraum zu verlegen; 16 % davon mussten dies sogar häufiger tun. Zwei Drittel der Ärzte sehen ihre Therapiefreiheit aus Kostengründen infrage gestellt.

Länger auf einen Arzttermin warten mussten in den letzten zwei, drei Jahren bereits 20 % der Patienten. Als Grund wird hierfür unter anderem der Ärztemangel gesehen. Besonders deutlich wird das in Thüringen. Hier beklagen 43 % der Befragten den Ärztemangel. Mit einer langen Wartezeit auf einen Termin bzw. in der Praxis sind 35 bzw. 36 % der Befragten unzufrieden. 58 % fürchten, aus Kostengründen die notwendige Versorgung nicht zu erhalten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Hessen und Hamburg.

Die Prognosen für die kommenden zehn Jahre fallen düster aus. Vier von fünf Bundesbürgern gehen nicht davon aus, dass die heutige gesundheitliche Versorgung für alle Bevölkerungsschichten aufrecht erhalten werden kann (2008: 69 %). 79 % erwarten steigende Krankenkassenbeiträge, 78 % höhere Zuzahlungen für Medikamente, 79 % die „Zwei-Klassen-Medizin“. 

TK