Dörfer mit Lockangeboten für Hausärzte

Gesundheitspolitik Autor: Klaus Schmidt

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Ein preiswertes Grundstück, niedrige Mieten, günstige Lebensbedingungen sind Lockangebote, die Gemeinden auf Internetseiten von Ärzteverbänden feilbieten, um Mediziner aufs Land zu holen.

 

Angefangen mit dem Online-Kontakt hat der Hausärzteverband Baden-Württemberg. Die Initiative "Perspektive Hausarzt Baden-Würt­temberg" betreibt seit 2012 eine Plattform, auf der Studierende der Medizin und Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin mit Praxisinhabern, Gemeinden und Landkreisen zusammengebracht werden. Hier können sich Praxisinhaber und Kommunen gezielt dem Nachwuchs mit einer umfangreichen Darstellung präsentieren.

Dörfer online auf der Suche nach Hausärzten

So sucht z.B. die Gemeinde Mötzingen über perspektive-hausarzt-bw.de nach Hausärzten. Die Gemeinde mit 3500 Einwohnern im Landkreis Böblingen steht vor dem Problem, dass der bisherige Hausarzt kurzfristig seine Praxis geschlossen hat.

Der Bürgermeister Marcel Hagenlocher hat sich deshalb an die "Perspektive Hausarzt" gewendet. "Das geht heutzutage neben den klassischen Möglichkeiten am besten online", sagt Hagenlocher. Auf der Seite www.perspektive-hausarzt-bw.de und den angeschlossenen Kanälen wie z.B. Facebook wird Mötzingen seit April in der Zielgruppe beworben.

Dass dieses Vorgehen richtig ist, zeigen die Ergebnisse der Plattform: In diesem Jahr wurden bereits drei niederlassungswillige Nachwuchsmediziner mit Gemeinden zusammengebracht.

Wohnung, Bauplatz, attraktive Mietkosten

Dem baden-württembergischen Beispiel folgt nun auch der Bayerische Hausärzteverband. Mit dem Portal "Gemeinde sucht Hausarzt" haben Gemeinden nicht nur die Möglichkeit, ein einfaches Gesuch aufzugeben. Sie können das künftige Arbeitsumfeld des Hausarztes ausführlich schildern und Angaben zu einer eventuellen Unterstützung seitens der Gemeinde machen.

Derzeit sucht erst eine Gemeinde auf der Plattform: Die Gemeinde Neusorg – 2000 Einwohner im Landkreis Tirschenreuth (Ober­pfalz) – hätte gerne eine Hausärztin oder einen Hausarzt als Nachfolger für eine Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin. Die Praxis wird derzeit von zwei Ärzten geführt, die sich in zwei bis drei Jahren zur Ruhe setzen werden.

In dieser Übergangszeit sollte sich ein Neuer zur Übernahme und Weiterführung der Praxis einarbeiten können. Die Gemeinde Neusorg bietet u.a. ihre Mithilfe bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Bauplatz sowie attraktive Praxismietkosten an. Das vorhandene Ärztehaus befindet sich im Eigentum der Gemeinde.

Hoch im Norden, im Kreis Dittmarschen in Schleswig-Holstein, beauftragte die Gemeindewerke St. Michel-Energie GmbH jüngst die Ärztegenossenschaft Nord mit der Projektierung eines Ärztezentrums in kommunaler Trägerschaft.

Ihr Geschäftsführer Andreas de Vries und Andreas Rinck, Arzt und Vorstandsmitglied der Ärztegenossenschaft, sehen in dem Vertragsschluss einen Meilenstein, um eine gute hausärztliche Versorgung in der Region auf Dauer zu erhalten. Die Ärztegenossenschaft Nord wird ein Gesamtkonzept für eine kommunale Eigeneinrichtung erstellen, in dem Ärzte später wahlweise angestellt oder freiberuflich arbeiten können.

Allgemeinarzt warf bereits nach 2 Jahren das Handtuch

Inzwischen gibt es ähnliche Initiativen von Gemeinden überall im Bundesgebiet. Sie alle wollen es dem künftigen Arzt so angenehm wie möglich machen. Etwa die 1500-Seelen-Gemeinde Wenholthausen im Sauerland. Hier wurde das Ärzte­haus grundlegend renoviert, u.a. mit Fenstern in Dreifachverglasung und neuer Fassade.

Das Haus mit "Sauerländer Charme" liegt im Dorfzentrum auf einem 795 qm großem Grundstück mit altem Baumbestand – direkt am Kurpark. Im Dachgeschoss des Fachwerkhauses befindet sich die 150 qm große Arztwohnung mit Blick in den Park.

Nach mehr als zwei Jahren Suche hatte sich Ende 2011 ein Allgemeinarzt gefunden, der aber schon Anfang 2014 wieder aufhörte, angeblich mangels Patienten. Ein neuer Kollege ist jedoch in Sicht – ein 62 Jahre alter Allgemeinarzt aus der Nachbarschaft will dort jetzt eine Zweigpraxis eröffnen.

In Hessen sollen Ärzte mit einer Prämie von 50 000 Euro aufs Land gelockt werden. Das Geld für den Kauf einer Praxis oder deren Einrichtung muss nicht zurückgezahlt werden.