Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

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Koordinierungsstellen für die Weiterbildung zum Hausarzt sollen jungen Ärztinnen und Ärzten den Hausarztberuf schmackhaft machen, indem sie insbesondere bei der Organisation der Weiterbildungsstationen in Klinik und Praxis helfen.

Stefanie Blank (28) hat vor zwei Monaten ihre allgemeinmedizinische Weiterbildung in der Praxis einer Offenbacher Hausärztin begonnen. Von dem für solche Fälle vorgesehenen „Rundum-Sorglos-Paket“ der „Koordinierungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin“ hat sie zufällig erfahren. Das angekündigte Angebot findet sie gut.

Das hessische Weiterbildungs-Angebot zeichnet sich dadurch aus, dass neben der KV, der Landesärztekammer und der Krankenhausgesellschaft auch die allgemeinmedizinischen Kompetenzzentren der Universitäten Frankfurt und Marburg eingebunden sind. Diese bieten Begleitseminare (z.B. auch zum Thema Praxismanagement), Mentoren sowie eine Evaluation der Weiterbildung an.

Besonders das Mentorenangebot und die Seminare findet Stefanie Blank interessant: So hat man weitere Ansprechpartner und hört, wie es bei anderen in der Weiterbildung läuft. Allerdings lässt die aus Schleswig-Holstein stammende Ärztin offen, ob sie nach der Weiterbildung eine Niederlassung anstreben wird. Derzeit erscheint ihr eine Anstellung näher liegend.

Fehlverteilung auch durch "Landflucht"

Dass es viele Einflussfaktoren – z.B. Wohnort, Familienplanung, Teilzeitarbeit – gibt, die die Entscheidung für eine hausärztliche Tätigkeit beeinflussen, ist dem Wissenschaftler Professor Dr. Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Frankfurter Goethe-Universität, bestens bekannt. Neue flexible Arbeitsmodelle, bei denen sich mehrere Ärzte zusammenschließen, könnten hier helfen, sagt er.

Prof. Gerlach spricht von zwei Formen der „Fehlverteilung“: Zum einen habe die Zahl der niedergelassenen Fachspezialisten von 1993 bis 2009 um gut 50 % zugenommen, während die Zahl der Hausärzte um fast 8 % zurückging. Zum andern wird die Niederlassung in der wohlhabenden Innenstadt einer Landpraxis klar vorgezogen. Der Arztmangel droht also vor allem auf dem Land.

Ärztemangel: Nachfolgerbedarf nimmt bis 2025 gravierend zu

Das zeigen auch die Hochrechnungen auf Kreisebene für Hessen bis zum Jahr 2025. Die Prognose der KV lautet, dass bei einer Praxisabgabe im Alter von 65 Jahren bis zum Jahr 2025 ein Nachfolgerbedarf für rund 2600 der derzeit 3900 Hausärzte besteht.

Allerdings: Seit 1999 haben in Hessen nur 1250 Ärztinnen und Ärzte bei der Kammer die Facharzt-Prüfung Allgemeinmedizin abgelegt. In der Vergangenheit hat das den Bedarf gedeckt, für die Zukunft ist es zu wenig. Dafür müsste die Nachfolgerzahl dreimal so hoch sein, schätzt Prof. Gerlach unter Berücksichtigung des Arbeitsumfangs von Angestellten und Teilzeittätigen, die das (demografiebedingt sogar noch wachsende) Pensum der heutigen Selbstständigen übernehmen sollen.

Wo sollen diese künftigen Hausärzte herkommen? Aus anderen Bundesländern? Aus der Inneren Medizin? „Jeder zerrt an der zu kurzen Decke“, beschreibt Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft, das Verteilungsproblem. Seiner Ansicht nach wird die Politik nicht umhinkommen, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen.

Die KV fördert künftig auch Facharztweiterbildungen

Um junge Mediziner auf ihre Unterstützung aufmerksam zu machen, legt die Koordinierungsstelle an Unis und in Kliniken ihren Flyer „Ja, ich will Hausärztin/Hausarzt in Hessen werden“ aus. Die Web­site www.allgemeinmedizinhessen.de soll neben den üblichen Hinweisen auch Musterarbeitsverträge und eine Stellenbörse bieten.

Eine gute Nachricht zur Förderung der Weiterbildungsstellen hatte KV-Chef Frank-Rüdiger Zimmeck auf Nachfrage parat: Der Streit in der KV-Vertreterversammlung um mehr Fördergeld ist beigelegt. Alle beantragten allgemeinmedizinischen Weiterbildungsstellen können finanziert werden, so Zimmeck.

Bekanntlich teilen sich KV und Kassen die monatliche Förderung von 3500 Euro für eine Vollzeitstelle fifty-fifty. Für 2013 hat die KV ein Fördervolumen von 4,2 Mio. Euro (entspricht 200 Vollzeitstellen) eingeplant – sowie 800 000 Euro für die Förderung fachärztlicher Weiterbildungsstellen. Da es für Letzteres keine Verpflichtung gibt, rechnet man bei der KV derzeit nicht damit, dass sich auch die Kassen daran beteiligen werden, obwohl es mancherorts z.B. schon an Augenärzten mangelt. Noch nicht entschieden ist, welche Facharztgruppen gefördert werden und wie hoch der Zuschuss ausfällt.