Neue bayerische Gesundheitsministerin Huml will sich für Hausärzte starkmachen

Gesundheitspolitik Autor: Klaus Schmidt

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Am zweiten Tag in ihrem neuen Amt hatte die frisch gekürte bayerische Gesundheitsmi­nisterin Melanie Huml ihren ersten öffentlichen Auftritt vor dem 72. Bayerischen Ärztetag in Bamberg.

Melanie HumlDie gelernte Medizinerin, mit 38 Jahren die Jüngste im Kabinett von Horst Seehofer, seit Oktober 2007 schon als Staatssekretärin im Minis­terium für Gesundheit und Umwelt tätig, bat um etwas Geduld für den Umbau des Hauses in ein Ministerium für Gesundheit und Pflege. Grundsätzlich aber sprach sie sich für eine verstärkte Förderung der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung aus.


Sie versprach den Hausärzten, sich für Hausarztverträge ohne Honorar-Obergrenze bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen in Berlin starkzumachen. Huml erklärte: Der Hausarzt ist der zentrale Ansprechpartner für die Menschen. Dieser Dienst am Menschen muss angemessen gewürdigt werden, damit sich wieder mehr junge Menschen aus Überzeugung für diese so wichtige Tätigkeit entscheiden – besonders im ländlichen Raum.


Hausarztverträge sind ein wichtiges Instrument, um die Hausarztversorgung auch zukünftig flächendeckend zu erhalten. Bayern fordert vom Bund daher, den Selbstverwaltungspartnern wieder den vollen Verhandlungsspielraum zurückzugeben. Aber auch die fachärztliche Versorgung müsse gestärkt werden, denn hier gefährde eine ähnliche Altersentwicklung wie bei den Hausärzten die flächendeckende wohnortnahe Versorgung.

Einfluss der Kassen sollte zurückgefahren werden

BLÄK-Präsident Dr. Max Kaplan freute sich, endlich ein eigenes Gesundheitsministerium erhalten zu haben. Er lobte die ärztliche Nachwuchsförderung durch die Förderprogramme des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Sie trügen bereits erste Früchte.
Doch sei noch mehr zu tun: Das Bundesland Bayern müsse eine ausreichende Zahl an Medizinstudienplätzen schaffen, die Zugangskriterien für die Studienplatzvergabe an den medizinischen Fakultäten ändern und es müssten bundeseinheitliche Auswahlkriterien geschaffen werden.


Dr. Kaplan forderte auch eine flächendeckende und angemessene Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr und warb für Inves­titionsförderungen, um jungen Ärztinnen und Ärzten die Niederlassung in strukturschwachen Regionen zu erleichtern. „Darüber hinaus sind die mit dem Versorgungsstrukturgesetz eingeleiteten Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter auszubauen“, so Bayerns Ärzte-Präsident.


Der direkte Einfluss der Krankenkassen auf das Arzt-Patienten-Verhältnis müsse zurückgefahren werden. „Ärztinnen und Ärzte benötigen gerade mit Blick auf den ärztlichen Nachwuchsmangel Planungssicherheit“, sagte Dr. Kaplan und verlangte feste und wirklich kostendeckende Preise.


Der Termin des Bayerischen Ärztetags so kurz nach der bayerischen Landtagswahl und der Bundestagswahl schien dem BLÄK-Präsidenten geeignet, ein starkes Signal an die Politik auszusenden. Der Gesundheitsfonds müsse mindestens um die Hälfte reduziert werden, für die Krankenversicherung sei eine Kombination aus Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren anzustreben, die PKV sollte einen Mindestleistungskatalog anbieten, der nicht unter dem Niveau der GKV liegen dürfe, die Tarife müssten transparent werden und das „Ärgernis“ Makler-Provision gehöre abgeschafft.

Ärzte müssen wieder mehr wertgeschätzt werden

Im ambulanten Sektor sei ein fairer Wettbewerb zwischen Kollektiv- und Selektivvertrag angesagt. Er plädierte auch für eine Renaissance des Belegarztwesens und die Überwindung der Sektorengrenzen. Im Krankenhaus müsse es bei der dualen Finanzierung bleiben. Von der Politik und der Öffentlichkeit forderte er „mehr Wertschätzung für die ärztliche
Tätigkeit“.


Quelle: 72. Bayerischer Ärztetag, Bamberg, 2013