Physician Assistant als rechte Hand des Arztes?

Gesundheitspolitik Autor: Klaus Schmidt

Der Physician Assistan soll Aufgaben des Arztes übernehmen. © Thinkstock

Am Arztberuf darf nicht gerüttelt werden, findet Dr. Ilka Enger, 2. stellvertretende Vorsitzende der KV Bayerns auf einer Diskussion über den Wandel der Berufsbilder.

Nur wenige sind befugt, die Heilkunde auszuüben, stellte Dr. Enger fest. Das sind der Arzt und – mit Abstand – der Heilpraktiker. Also freie Berufe, die nur ihren Patienten und ihrem Gewissen verantwortlich sind.

Versuche, die schwindende Menge an Ärzten zu substituieren, wären ihrer Ansicht nach zum Scheitern verurteilt. Dann würden andere Player – Organisationen und gewinnorientierte Unternehmen – auf die medizinischen Entscheidungen Einfluss nehmen. Der Ökonomisierung wären Tür und Tor geöffnet.

Allerdings steht schon jetzt eine wachsende Zahl von Angehörigen eines neuen Berufsbilds bereit, originäre Aufgaben des Arztes zu übernehmen. Das ist der Physician Assistant. Er ist in den USA ums Jahr 1960 herum entstanden. Und mittlerweile sind schon mehr als 100 000 dieser Helfer im Einsatz.

Die Aufgabe: „Helping the doctor to be a doctor“

In Deutschland fördert u.a. die private Hochschule Fresenius den neuen Bachelor-Studiengang "Physician Assistance" im Bereich Medizin.

PD Dr. Joachim Jockwig, Dekan des Fachbereichs Medizin dieser Hochschule, argumentiert, dass der Fachkräftemangel zu einem Umdenken zwingt. Im Jahr 2030 würden bei uns 106 000 Ärzte und 575 000 Pflegekräfte fehlen. Diese Lücke könnte der Physician Assistant füllen.

Seine Aufgabe sei "helping the doctor to be a doctor". Der Bachelor-Mediziner führe delegierte ärztliche Tätigkeiten aus – im Krankenhaus, aber auch in MVZ, Ärztehäusern oder großen Praxen, allgemein- und fachärztlich, immer zugeordnet zum ärztlichen Dienst.

Delegation oder doch Substitution?

Die Warnung der Deutschen Ärztetage vor der Substitution ärztlicher Leistungen hält Dr. Jockwig für nicht angebracht. "Immer wenn ein Arzt Leistungen abgibt, delegiert er." Es handele sich eindeutig um Delegation, nicht um Substitution.

Grundsätzlich stehe es dem Arzt frei, welche Maßnahme er an welchen Mitarbeiter abgibt. Dabei muss er dessen Kompetenz und Bildungsniveau beachten, ihn anleiten und überwachen.

Dr. Jockwig: "Alle Leistungen sind delegierbar, außer denjenigen, die höchstpersönlich erbracht werden müssen. Das sind aber nur ganz wenige."

Bachelor-Abschluss 
nach acht Semestern

Zu den Tätigkeiten des Physician Assistant rechnet Dr. Jockwig u.a.:

  • Vorbereitung der Erstanamnese

  • Verdachtsdiagnose erarbeiten

  • kleine Eingriffe vornehmen

  • Assistenz bei Operationen

  • administrative Entlastung des Arztes und medizinische Dokumentation

  • Mithilfe bei der Aufstellung von Behandlungsplänen und Organisation der Durchführung

  • Schnittstellenkommunikation n Unterstützung der Patientenberatung und -aufklärung


Der Bachelor-Studiengang wird von der Hochschule Fresenius derzeit in Frankfurt/M. und ab Winter 2015 auch in München angeboten. Voraussetzungen sind allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife sowie das Bestehen eines Aufnahmeverfahrens.

Für das achtsemestrige Studium müssen die Absolventen monatlich 575 Euro bezahlen sowie 200 Euro Anmeldegebühr und 390 Euro für die Abschlussprüfung.

Mit diesen neuen Fachkräften, so versicherte Dr. Jockwig, werde ein wichtiger Beitrag für die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung geleistet.