Tests zur eGK: Endlich den Nutzen für Ärzte in den Fokus rücken

Gesundheitspolitik Autor: Ruth Bahners

Für Praxen nützliche Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sollten vorrangig getestet werden. Nur dann kann die Akzeptanz unter den Ärzten hergestellt werden.

Das fordert Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärzt­lichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und Sprecher der fünf KVen, die an den geplanten Tests der Telematik-Infrastruktur rund um die eGK teilnehmen.

Die neue eGK wird am 1. Januar 2015 die alte Krankenversichertenkarte (KVK) ablösen. Ihr Einsatz wird sich aber zunächst nicht von dem der alten KVK unterscheiden. Daher sieht Dr. Kriedel im Gegensatz zu den Gegnern der eGK auch keine Probleme für die Praxen: "Das wird reibungslos laufen."

Das elektronische Potential der neuen Karte muss erst noch auf seine Praxistauglichkeit getestet werden. Das soll laut gematik ab dem 1.4.2015 geschehen.

In rund 1000 Praxen der Regionen Nordwest und Südost soll als Erstes der Online-Abgleich der Versichertenstammdaten erprobt werden.

Dabei sollen schon beim Einlesen der Daten in der Praxis über einen Router die Angaben online mit den Daten bei den Krankenkassen abgeglichen und gegebenenfalls direkt auf der eGK geändert werden. Erst in einem zweiten Schritt sollen medizinisch sinnvolle Anwendungen getestet werden.

Daran setzt Dr. Kriedels Kritik an: "Bisher ist der Nutzen der neuen Technologie für die Praxen kaum zu spüren." Dr. Kriedel verlangt, dass auch die Verbesserung der Arzt-zu- Arzt-Kommunikation von Beginn an mitgetestet wird. Sonst bestünde die Gefahr, dass das ganze Projekt ins Stocken gerät, bevor es für die Ärzte wirklich nützlich wird.

Die Kassen drängten verständlicherweise auf den Stammdatenabgleich. Das sei der vorrangige Nutzen ihrer Investition von fast 900 Millionen Euro in das Projekt eGK. "Doch dabei darf es nicht stehen bleiben", verlangt der Westfale.

Deshalb führt die KVWL in Bochum und in weiteren Regionen Westfalen-Lippes eigene Tests durch. Hier steht der Versand von Arztbriefen im Fokus. Finanzielle Anreize, wie sie Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe fordert, hält Dr. Kriedel für sinnvoll. Aber für die Akzeptanz der neuen Technologie sei das Geld nicht entscheidend.

Dass ein elektronischer Arztbrief bezahlt werden soll, sei gut. "Aber wenn nicht genügend Praxen vernetzt sind, bringt auch das nicht weiter", so Dr. Kriedel. Deshalb kritisiert er auch die bisherige Auswahl der Testpraxen, bei der der tatsächliche Kommunikationsbedarf der teilnehmenden Ärzte keine Rolle spielt.

Überleitungsmanagement nur mit einer Handvoll Ärzten testbar?

So sollen in Meschede im Hochsauerlandkreis weniger als eine Handvoll Ärzte und nur eine Klinik dabei sein. "Wie will man da z.B. das Überleitungsmanagement testen", zweifelt Dr. Kriedel.

Bei der Auswahl der Praxen in der Region Nordwest war ausschlaggebend, welches Praxis-System im Einsatz war. Und da zeigt sich nach Meinung Dr. Kriedels das Generalproblem: die unterschiedlichen von Anbieter abhängigen Schnittstellen der verschiedenen PVS-Systeme.

"Das muss der Gesetzgeber ändern", verlangt Dr. Kriedel. Die Schnittstellen müssten standardisiert werden.

Aus gut unterrichteten Kreisen ist inzwischen zu hören, dass der Start der Tests der Telematik-Infrastruktur erneut verschoben werden soll. Die Rede ist jetzt vom 1. Oktober 2015.

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