Umfrage zur kostenpflichtigen Arzneidatenbank

Gesundheitspolitik Autor: Anke Thomas

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Eine Befragung unter rund 550 Vertragsärzten zu erneuerten Arzneidatenbanken ergab: 75% der Ärzte finden, dass Werbefreiheit nichts kosten darf!

Die Anforderungen der KBV an manipulationsfreie Arzneidatenbanken führen dazu, dass höhere Kosten auf die Ärzte zukommen (MT berichtete). Über 75 % der Niedergelassenen würden jedoch lieber Werbung statt der Mehrkosten in Kauf nehmen.

Durch werbefreie Datenbank Mehrkosten von 500 € pro Jahr

Den Verzicht auf „verfälschte Preisvergleichslisten, Pop-ups mit indikationsbezogener Werbung und automatische Häkchen bei aut idem“, den die KBV ab dem 1. Juli von Arzneimittelinfosystemen fordert, müssen die Ärzte bezahlen. Wie hoch die Kosten konkret ausfallen werden, ist noch unklar.


Für den höheren Entwicklungsaufwand und den Wegfall der Werbung werden etwa 500 Euro pro Jahr zusätzlich auf den Arzt zukommen, schätzen IT-Experten. Um die Vorgaben der KBV zu erfüllen, werden auch höhere Datenbestände nötig sein.

Arzneimitteldatenbank - 549 Ärzte wurden zu Mehrkosten befragt

Dies wiederum wird eine höhere Leistungsfähigkeit der Praxis-PCs erforderlich machen. Je nachdem könnten damit weitere Mehrkosten auf Ärzte zukommen, wenn bei den Computern nachgerüstet werden muss.


Eine werbefreie Arzneimitteldatenbank – das hört sich zunächst gut an. Aber ist es auch im Sinne der Ärzte, dass sie die Kosten dafür übernehmen müssen? Im Rahmen des CMG-GesundheitsMONITORs, einer Initiative der CompuGroup Medical AG und von Medical Tribune, wurden dazu 549 Ärzte befragt.

Kostenpflichtige Datenbank?Jeder vierte Arzt würde monatlich 16 Euro zahlen

Gut 75 % antworteten, dass sie nicht gewillt sind, für eine Datenbank zu zahlen. Lieber würde dafür die Werbung in Kauf genommen werden (siehe Grafiken). Etwa jeder vierte Arzt gab an, dass er durchaus bereit wäre, einen monatlichen Obolus zu leisten – im Durchschnitt knapp 16 Euro. Dass die Werbung in den derzeitigen Arzneimitteldatenbanken das Verordnungsverhalten beeinflusst hat, verneinten 370 Ärzte (Mehrfachantworten waren möglich).


Verordnung durch Werbung beeinflusst?Knapp 170 Mal wurde angegeben, dass die Informationsangebote und die Werbung zu Arzneimitteln oft auch als hilfreich empfunden wird. 62 der 549 Befragten gaben an, dass eine Beeinflussung ihres Verordnungsverhaltens durchaus sein könne.

Mit oder ohne Werbung - kein Unterschied?!

Bei manchen Kollegen stoßen die Änderungen auf Unverständnis. So erklärt MT-Leser Dr. Detlef Suhr aus Gotha: „Für mich spielt es überhaupt keine Rolle, ob unten auf dem Desktop ein Fenster aufpoppt oder nicht. Sehr ärgerlich ist, dass die Kosten wieder einmal auf die Ärzte umgewälzt werden.“

Quelle: CGM-GesundheitsMONITOR