Wir brauchen mehr Unterstützung durch die Niedergelassenen!

Speakers' Corner Autor: Prof. Dr. Klaus Badenhoop

Zerstörungsprozess der noch funktionierenden Betazellen aufhalten! © Fotolia, Minerva Studio

Wie gut ist die Zusammenarbeit niedergelassener Diabetologen, Internisten oder Allgemeinmediziner mit einer universitären Fachabteilung am Ort, z.B. in der Behandlung eines Typ-1-Diabetes?

Kürzlich erkrankte der Sohn von Nachbarn kurz nach dem Abitur an einem Typ-1-Diabetes und war – nach Behandlung der Ketoazidose auf der Intensivstation – noch fünf Tage stationär in dem akademischen Lehrkrankenhaus auf die Insulintherapie ersteingestellt worden. Der dortige Oberarzt informierte die Familie über eine klinische Studie am nahegelegenen Uniklinikum und vermittelte einen Termin zur Vorstellung. Der Termin wurde nicht wahrgenommen.

Klinische Studie unterstützt bei körpereigener Insulinsekretion

Die klinische Studie hätte dem Patienten eine neuartige Unterstützung der körpereigenen Insulinsekretion ermöglicht in einem kritischen Zeitfenster, in dem die noch funktionierenden Betazellen in einem akuten Entzündungs- und Zerstörungsprozess sind. Dieser hätte durch die neuartige Therapie aufgehalten werden können.

Die unmittelbare Reaktion auf die Erstdiagnose eines Typ-1-Diabetes ist: "Mist, warum ich?" und schockiert zunächst Patienten und nahe Angehörige. Lebensplanungen werden unsicher und viele lehnen Diagnose, Insulintherapie und Blutzuckermessungen erst einmal ab. Je mehr Unterstützung, Schulung und Aufklärung, desto schneller und besser ist die Akzeptanz des Typ-1-Diabetes, was zu besseren Therapieergebnissen führt.

Ursache und pathophysiologische Mechanismen des Typ-1-Diabetes sind letztlich unklar. Die erforschten Immunphänomene ergeben ein komplexes Bild und erlauben noch keine gesicherte Therapie der zugrundeliegenden Betazellzerstörung. Seit einigen Jahren gibt es Phase-1- und Phase-2-Studien, die neue Therapieoptionen prüfen.

Noch keine gesicherte Therapie der Betazellzerstörung

Die aktiven Studienzentren an wenigen Universitätskliniken haben hierbei große Probleme, geeignete Patienten zu rekrutieren, ganz im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern. Dies ist einer der Gründe, warum es bei dieser Erkrankung keinen echten Fortschritt gibt und eine ursächlich gegründete Therapie auf längere Zeit unwahrscheinlich ist.

Wir benötigen für den Fortschritt bei dieser Erkrankung deutlich mehr Unterstützung der Universitätskliniken durch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Es ist zu hoffen, dass dies von den Niedergelassenen auch im Hinblick auf den langfristigen Nutzen erkannt wird.