KV Hessen: „Die Lasten besser verteilen!“

Gesundheitspolitik Autor: Michael Reischmann

Zeitnahe Praxistermine via Callcenter – die Politik will diesen KV-Service ausbauen. Die Körperschaften sind nicht begeistert. © iStock.com/Neustockimages

Der Vorstand der KV Hessen zieht die Zügel an. So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Die Hausärzte sollen weniger Patienten mit „dringlicher Überweisung“ an die Terminservicestelle verweisen und die Fachärzte haben dieser mehr freie Plätze zu melden.

Als die Terminservicestelle vor zwei Jahren startete, waren die hessischen Hausärzte „sehr vorbildlich unterwegs“ und haben dringliche Überweisungen „nur in den Fällen ausgestellt, in denen tatsächlich eine medizinische Begründung dafür vorlag“, schreibt der Vorstand an die Hausärzte. Da sich die Morbidität der Bürger kaum grundlegend geändert haben dürfte, sei der „beachtliche Anstieg“ der Überweisungen bzw. Vermittlungen in den letzten Quartalen wohl mit „einer veränderten Reaktion der verordnenden Ärzte auf den fordernden Patienten“ zu erklären, meinen die KV-Chefs Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke.

Sie äußern Verständnis dafür, dass es im Praxisalltag eine Zumutung sei, sich mit fordernden Patienten darüber auseinanderzusetzen, ob die Erkrankung eine dringliche Überweisung rechtfertige oder nicht, und dass man dann „unter Umständen eine Überweisung zu viel ausstellt“.

Was aber im Einzelfall unproblematisch sei, führe in der Summe zu einer „regelrechten Explosion“ und steigenden Inanspruchnahme der Terminservicestelle. Damit stiegen auch deren Kosten (eine Million Euro pro Jahr), die aus dem KV-Verwaltungshaushalt zu bestreiten sind. Der Vorstand erinnert an die „besondere Verantwortung“ der Grundversorger und Lotsen zu entscheiden, ob der Patient der Vermittlung durch die „kostspielige Terminservicestelle“ bedarf oder ob eine „Steuerung durch Ihre Praxis in Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen möglich ist“.

Mit einer „gemeinsamen Kraftanstrengung“ will man wieder den Status wie zu Beginn des Terminservice erreichen. Die Maxime laute deshalb: „Dringliche Überweisungen dürfen nur dann attestiert werden, wenn es medizinisch tatsächlich indiziert ist.“

Immer weniger Praxen von Fachärzten machen mit

Auch den Fachärzten redet der KV-Vorstand ins Gewissen. Um die gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können, „benötigen wir mehr fachärztliche Termine zur Vermittlung als in den letzten Monaten“. Die Bereitschaft, Termine an die Servicestelle zu melden, sei deutlich gesunken und „leider auch auf immer weniger Praxen beschränkt“.

„Wir müssen sehen, dass wir die Lasten wieder besser verteilen“, schreiben Dastych und Dr. Starke. Man will an der Freiwilligkeit der Terminmeldungen festhalten – vorausgesetzt, es werden wieder mehr. Für dieses Jahr gibt die KV den meis­ten Fachgruppen vor, ihr einen Termin pro Arzt und Woche zu melden. Bei Neurologen, Rheumatologen und Radiologen sind es zwei.

Künftig auch Termine bei Haus- und Kinderärzten

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, dass künftig auch Termine bei Haus- und Kinderärzten vermittelt werden. Die 2017 eingeführte Vermittlung von Erstgesprächen in eine psychotherapeutische Sprechstunde (ohne Überweisung) hatte der KV Hessen eine Verdreifachung der täglichen Anrufe (300 statt 80) und Verdoppelung der Terminabsprachen (60 statt 29 pro Tag) beschert. Was im Vergleich zur Gesamtzahl der fachärztlichen Behandlungsfälle (6,2 Mio. pro Quartal) aber dennoch bescheiden klingt.