TI-Alternative Elektronischer Briefwechsel zwischen Praxen und Krankenhäusern

Niederlassung und Kooperation Autor: Michael Reischmann

Selektivvertragspartner in Baden-Württemberg gehen mit ihrer TI-Alternative weiter voran. (Agenturfoto) Selektivvertragspartner in Baden-Württemberg gehen mit ihrer TI-Alternative weiter voran. (Agenturfoto) © iStock/gesrey
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AOK, Hausärzteverband und Medi in Baden-Württemberg bleiben mit ihren Selektivverträgen Vorreiter. Jetzt haben sie den „elektronischen Einweisungs- und Entlassbrief“ zwischen Praxen und Kliniken gestartet.

Der strukturierte, „elektronische Einweisungs- und Entlassbrief“ (eEE) – in Baden-Württemberg ist diese Alternative zu Postversand, Fax oder Patientenmitgabe keine Utopie mehr. Die Selektivvertragspartner des Hausarzt- und Facharztprogramms der AOK kündigen den eEE als fünfte und neueste Fachanwendung ihrer „elektronische Arztvernetzung (eAV)“ an.

Der eEinweisungsbrief der Haus- und Fachärzte wird direkt aus der Vertragssoftware erzeugt, schildern AOK, Medi und Hausärzteverband das Prozedere. Der Brief enthält definierte Inhalte, die aus dem Arztinformationssystem (AIS) strukturiert übernommen werden können. Dazu zählen: der Grund der Überweisung/Einweisung, Diagnosen, frühere Erkrankungen und die Medikation. Die Unterschrift erfolgt wie beim eArztbrief durch Komfortsignatur via Arztzertifikat, sodass nur einmal täglich ein Passwort einzugeben ist. Die Krankenhäuser können die Daten automatisiert in ihr Klinik­informationssystem übernehmen.

Start mit zwei Kliniken und zehn AIS-Anbietern

Wie bei vier eAV-Fachanwendungen eAU, eArztbrief, „Hauskomet“ (Austausch von Medikationsinformationen) und dermatologische Telekonsile setzen die Vertragspartner auf die Integration im AIS und die Übertragungstechnik mittels HZV-Online-Key. Laut AOK, Medi und Hausärzteverband haben bisher zehn AIS-Anbieter die Umsetzung des eEE angekündigt: T2med, Duria, Tomedo, Quincy, S3 Praxiscomputer, Indamed, DataAL, Pro-Medico, Hausarzt+/Praxis4More und Abasoft.

Teilnehmende Kliniken zum Start sind das Universitätsklinikum Heidelberg und die RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim. Sie waren auch in die Testphasen mit zuweisenden Haus- und Fachärzten eingebunden. Der von den Klinikärzten erstellte Entlassbrief wird automatisiert den Praxen zum elektronischen Abruf bereitgestellt. Für den eEE-Transfer sind die Krankenhäuser ans AOK-Netzwerk angebunden. Ziel ist es, in Praxen und Kliniken Zeit zu sparen sowie die gegenseitige Information zu verbessern. Das soll auch helfen, unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

Technologisch zeitgemäß und angemessen vergütet

„In den Haus- und Facharztverträgen nutzen wir unsere regionalen Gestaltungsspielräume, um eine sinnvolle und sichere Digitalisierung der Praxen voranzubringen. Mit dem eEE heben wir die elektronische Vernetzung mit Kliniken auf ein neues Niveau“, erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Chef von Medi Baden-Württemberg und Medi Geno Deutschland. „Natürlich brauchen wir diese Anwendungen auch in der Regelversorgung, aber gerade die letzten Monate zeigen deutlich, dass den Ankündigungen der gematik zumeist unausgereifte und chaotische Umsetzungen folgen.“ Solange sich das nicht ändere, vertraue man auf die etablierte Arzt-zu-Arzt-Kommunikation in den Selektivverträgen.

Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Hausärzteverbands Baden-Württemberg, fügt hinzu: „Sichere und technologisch zeitgemäße Digitalisierungslösungen mit angemessener Vergütung, wie die eAV in Baden-Württemberg, müssen deshalb weiterbestehen dürfen, bis eine technisch und inhaltlich funktionale TI 2.0 realisiert ist.“

Quelle: Pressemitteilung von AOK, Medi und Hausärzteverband Baden-Württemberg

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