Strukturierte Adipositastherapie Interessierte Praxisteams bitte melden!

Niederlassung und Kooperation Autor: Ulrike Viegener

Für die Studie bezüglich des Therapieprogramms Doc Weight werden noch Praxen gesucht. Für die Studie bezüglich des Therapieprogramms Doc Weight werden noch Praxen gesucht. © Stasique – stock.adobe.com
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Für eine Evaluierungsstudie, in der das multimodale Therapieprogramm Doc Weight® geprüft werden soll, werden noch qualifizierte Praxen gesucht. Maßgebliches Ziel der Untersuchung ist, Evidenz zu schaffen und eine Kostenübernahme durch die Kassen zu erwirken.

„Die Adipositastherapie in Deutschland ist eine Kata­strophe“, sagte Professor Dr. Hans­ ­Hauner, Institut für Ernährungsmedizin der TU München. Obwohl die zentrale Rolle der Adipositas bei der epidemieartigen Ausbreitung des Typ-2-Diabetes seit Langem unstrittig ist, fehlt es an Therapiekonzepten. Viele Menschen mit Adipositas würden nach wie vor mit gut gemeinten Ratschlägen abgespeist, bei deren Umsetzung aber meist allein gelassen. Was es laut Prof. Hauner brauche, seien Konzepte, die den Betroffenen helfen, ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren und ihr Outcome nachweislich verbessern.

Das erste nicht-kommerzielle multimodale Therapieprogramm für Erwachsene mit Adipositas ist Doc Weight, das gemeinsam vom Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. und dem Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. entwickelt wurde.

Ein außergewöhnlicher Deal mit dem GKV-Spitzenverband

Dies geschah bereits vor zehn Jahren, trotzdem komme das Programm nicht in dem Umfang zum Einsatz, wie man es sich wünschen würde, sagte Prof. Hauner weiter. Hürden seien der Aufwand der mehrgleisigen Intervention sowie die relativ hohen Kosten, die sich derzeit nicht im Rahmen der Regelversorgung abrechnen lassen. Dies soll sich jetzt ändern. 2022 startet eine Studie, in der der Nutzen von Doc Weight „methodisch überzeugend“ dokumentiert werden soll. Wie Prof. Hauner berichtete, konnte man mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen „außergewöhnlichen Deal“ aushandeln: So will der Verband bereits zu Beginn der Studie an seine Mitglieder die Empfehlung aussprechen, die Kosten für das Programm zu übernehmen. „Die Entscheidung liegt zwar letztlich bei den einzelnen Krankenkassen, aber die Empfehlung des Spitzenverbands wird als wichtiges Signal gewertet“, führte Prof. Hauner aus.

Für die Studie wurde Doc Weight überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Dafür hat man auch ein zusätzliches optionales Formulamodul entwickelt. „Formuladiäten, erleben derzeit auf Basis neuer Evidenz eine Renaissance“, erklärte der Referent, „was sich auch in den neuen Leitlinien niederschlagen wird.“ Das neue Modul kann dem bisherigen Programm auf Wunsch vorangestellt werden. Die Teilnahme kostet mit bzw. ohne Formula 2.800 Euro bzw. 3.000 Euro.

Die Interventionsstudie ist offen, prospektiv und clusterrandomisiert geplant. Sie läuft über zwölf Monate mit einem ebenfalls zwölfmonatigen Follow-up. Die Patienten der drei Studienarme werden entweder mit dem Doc-Weight-Basisprogramm, dem Basisprogramm plus vorgeschalteter Formuladiät oder einer gängigen Standardtherapie – bestehend aus fünf Beratungen – behandelt. Pro Gruppe sind 60–80 Personen geplant. Evaluiert werden die Auswirkungen der verschiedenen Interventionen auf Gewicht, körperliche Leistungsfähigkeit, Essverhalten, relevante Laborparameter sowie Begleit- und Folgeerkrankungen einschließlich depressiver Verstimmungen.

Für die Teilnahme suchen die Initiatoren noch Schwerpunkt- und andere Praxen, die sich in der Lage sehen, ein interdisziplinäres Team aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapeuten zu stellen. Die Praxen erhalten eine niederschwellige Einstiegsmöglichkeit in Form einer Online-Schulung.

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