Facharztweiterbildung Aus der Klinik in die Praxen

Niederlassung und Kooperation Autor: Isabel Aulehla

Niedergelassene, die selbst weiterbilden oder Coach werden möchten, können sich registrieren. Niedergelassene, die selbst weiterbilden oder Coach werden möchten, können sich registrieren. © iStock/lemono
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Damit mehr Ärzte in Weiterbildung sich später für eine Niederlassung entscheiden, will die KV Hessen Interessierte über Jahre hinweg betreuen. Bereits niedergelassene Mediziner werden als Coaches und Weiterbilder gesucht.

Für die ambulante Weiterbildung angehender Allgemeinmediziner wurden in den vergangenen Jahren Strukturen geschaffen. Doch Absolventen anderer Fachrichtungen scheuen oft die Tätigkeit in der Praxis oder eine eigene Niederlassung, zu unvertraut scheinen ihnen Praxismanagement und Bürokratie.

Das „Ärztliche Kompetenzzentrum“ der KV Hessen soll daher während der Weiterbildung mehr Berührungspunkte zwischen Nachwuchs und Niedergelassenen schaffen. Mitte Januar nahm es die Arbeit auf.

Ziel ist es, interessierte Studierende und Ärzte in Weiterbildung über Jahre hinweg persönlich zu betreuen, idealerweise bis zur eigenen Niederlassung. Wer sich auf dem „Online-Campus“ registriere, bekomme einen persönlichen „Zukunftsmanager“ zugeordnet, heißt es seitens der KV. Es handelt sich um Mitarbeiter der Körperschaft, die mit den Teilnehmern in Kontakt bleiben und z.B. Fragen zur Tätigkeit als Vertragsarzt klären, bei Entscheidungen unterstützen sowie Kontakt zu Ärzten in Praxen herstellen.

Ein Coaching-Programm ist ebenfalls vorgesehen. Interessierte können sich dabei neben ihrer Weiterbildung zusätzlich von einem niedergelassenen Arzt begleiten lassen, der ihnen Einblicke in den Praxisalltag gibt. Fachärzte, die als Coach teilnehmen möchten, werden vom Kompetenzzentrum geschult. Die KV Hessen wirbt unter anderem damit, dass die Mediziner Erfahrungen als Berater sammeln und ihren eigenen Werdegang reflektieren können.

Auch für Mediziner, die in ihren Praxen selbst weiterbilden, soll das Portal Vorteile schaffen. So können etwa Antragsformulare für Förderprogramme der KV online ausgefüllt und eingereicht werden.

Zentrum vermittelt passende Stellen

Die KV hilft auch bei organisatorischen Problemen. Für Studierende würden etwa Weiterbildungspläne erstellt, heißt es. Bei Bedarf werde berücksichtigt, ob in der jeweiligen Region ein Kassensitz frei werde und ob eine Chance auf Übernahme bestehe. Ärzte in Weiterbildung können sich auch dann melden, wenn sie fürchten, bestimmte Inhalte an ihrer aktuellen Stelle nicht erwerben zu können. Das Zentrum vermittle eine andere Stelle aus dem Weiterbildungsnetzwerk oder eine Hospitationsstelle.

Der Online-Campus bietet zudem eine Akademie, die sowohl medizinische Fachkenntnisse als auch Wissen rund um das ambulante System zugänglich machen soll. Neben dem Selbststudium sollen Online-und Präsenzveranstaltungen möglich sein.

Die Finanzierung des Projekts erfolgt aus dem Strukturfonds der KV. Seit 2019 stehen dafür Budgets in sechsstelliger Höhe zur Verfügung, 2022 beispielsweise 600.000 Euro. Es gebe schon einige Anmeldungen von angehenden Fachärzten und Weiterbildern, berichtet die KV. Wie viele Teilnehmer in den kommenden Jahren eine eigene Praxis eröffnen, bleibt abzuwarten.

Medical-Tribune-Bericht

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