Barmer BEK plädiert für mehr Hautkrebs-Screening

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Thinkstock

Es werden immer mehr bösartige Neubildungen der Haut diagnostiziert. Angesichts der guten Heilungschancen bei früher Intervention wird über eine Ausweitung der Krebsfrüherkennung nachgedacht.

Im Jahr 2012 waren laut Arzt­report der Barmer GEK 1,56 Mio. Menschen in Deutschland von bösartigen Neubildungen der Haut betroffen.

Verwundert zeigte sich Kassen-Vize Dr. jur. Rolf-Ulrich Schlenker bei der Vorstellung des Arztreports auf einer Pressekonferenz über Äußerungen von Professor Dr. Jürgen Windeler, dem Leiter des IQWiG. Dieser hatte vor einigen Wochen in einem Interview den Sinn vieler Früherkennungsmaßnahmen infrage gestellt und dabei auch das Hautkrebs-Screening genannt.

„Beim Thema Hautkrebs sind wir der Meinung, dass der Nutzen deutlich überwiegt“, so der Kassenvorstand. Die Untersuchung per Auflichtmikroskop sei mit keiner körperlichen Belastung verbunden, das Risiko falsch positiver Befunde sei angesichts der deutlichen Merkmale für Hautkrebs gering und die Heilungchancen seien groß. Dr. Schlenker sprach sich deshalb für eine Ausweitung der Früherkennung aus.

49 000 sind jünger als 35, doch mit Hautkrebsdiagnose

Seit 2008 zahlt die Barmer GEK den Check alle zwei Jahre für unter 35-Jährige. Diese Altersgrenze sieht Dr. Schlenker jedoch als ein „Problem“. Denn laut Arztreport waren 2012 rund 48 800 Menschen von Hautkrebsdiagnosen betroffen, die aufgrund ihres Alters nicht am Screening teilnehmen durften, darunter 15 400 Frauen und 8200 Männer mit einem malignen Melanom.

 

Dr. Schlenker monierte, dass die klinischen Krebsregister erst bis Ende 2017 flächendeckend etabliert sein werden. Die Bundesländer sollten hier schneller arbeiten.


Arztreport-Autor Dr. Thomas G. Grobe vom Aqua-Institut in Göttingen präsentierte die nach seiner Aussage „beeindruckenden“ Zahlen zum Hautkrebs.

So ergibt sich nach Hochrechnungen der Daten der Barmer GEK auf die Gesamtbevölkerung von 2005 bis 2012 beim malignen Melanom (ICD10-Code C43) eine Steigerung der Diagnosezahlen um 60  %. Die Zahl der Betroffenen wuchs von 189 000 auf 318 000.

Beim sog. hellen Hautkrebs (C44) wurden 2005 rund 647 000 Betroffene gezählt, 2012 waren es 1,3 Millionen. Insgesamt waren 2012 etwa 1,56 Millionen Menschen (1,9 % der Bevölkerung) von bösartigen Neubildungen der Haut betroffen.

Als einen Grund für den Anstieg der Diagnoseraten gab Dr. Grobe das seit Juli 2008 von den Kassen bezahlte Hautkrebs-Screening an. Dieses habe für die Erkrankung mehr Sensibilität geschaffen. Allerdings lasse sich damit nur ein kleinerer Teil des Gesamtanstiegs begründen.

Mit der Teilnahmerate am Hautkrebs-Screening wenig zufrieden

Von einem „relativ positiven Ergebnis“ sprach Dr. Grobe bezüglich der Überlebensrate zwei Jahre nach der Melanom-Diagnose. Diese betrug 2010 bei Männern 97,3 % und bei Frauen 97,5 %. Weniger zufrieden zeigte er sich dagegen mit der Teilnahmerate am Hautkrebs-Screening.

2011 und 2012 nahm nur rund ein Drittel der Berechtigten die Untersuchung wahr. Die Teilnahmequoten bei den hausärztlichen Screenings waren in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 12,6 %, 13,2 % und 11,1 % weit unterm Bundesdurchschnitt (18,9 %), in NRW (34,9 %) und Niedersachsen (33,7 %) klar darüber. 2012 rechneten Hausärzte 4,18 Mio. Untersuchungen ab und Dermatologen 3,37 Millionen.

Dass beim Screening durch Dermatologen mehr Hautkrebs-Diagnosen gestellt werden als bei den Haus­ärzten (bei 10,2 % versus 2,6 % der Teilnehmer), sieht Dr. Grobe als Folge der Betreuung von Risikopatienten durch Hautärzte an.

Screeningrate müsste mehr als doppelt so groß sein

„Haus- und fachärztliche Betreuung ergänzen sich gut“, sagte er. Und Dr. Schlenker ergänzte: „Hausärzte sind wichtig, um auch sozial nicht privilegierte Menschen an das Screening heranzuführen."

Auch der Leiter des Aqua-Instituts, der Allgemeinmediziner Professor Dr. Joachim Szecsenyi, nannte die 30-%-Rate beim Screening nicht zufriedenstellend. Nötig seien 70 %. Er begrüßte den durch die Hausärzte möglichen „niederschwelligen Einstieg“ ins Screening.

Dass Hausärzte als Grundlage für den Check (nur) eine Fortbildung im Umfang von acht Stunden absolvieren müssen, sieht er als ausreichend an. Wichtig sei ein gutes Überweisungssystem zum Spezialisten.