Bundesländer legalisieren Online-Glücksspiel, Suchtexperten fordern Konsumentenschutz

Gesundheitspolitik Autor: Isabel Aulehla

Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Glücksspiel-Werbung. Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Glücksspiel-Werbung. © georgejmclittle – stock.adobe.com
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Ab Juli 2021 ist Online-Glücksspiel legal. Suchtexperten warnen vor den Risiken und fordern besseren Konsumentenschutz.

Online-Glücksspiele sind in Deutschland derzeit verboten, die Angebote im Internet boomen jedoch und können kaum reguliert werden. Um den Schwarzmarkt einzudämmen, haben die Bundesländer einen neuen Glücksspielstaatsvertrag beschlossen. Entscheidende Neuerung: Online-Glücksspiel ist in Deutschland ab Juli 2021 legal.

Zwar sollen bestimmte Einschränkungen die Spieler vor einer Sucht bewahren. Diese Regelungen seien jedoch bei Weitem nicht ausreichend, warnen die DAK-Gesundheit, der unabhängige Fachbeirat Glücksspielsucht und das Deutsche Zentrum für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters (DZSKJ). Sie plädieren gegen eine Legalisierung. Auch Datenschützer haben bereits Bedenken geäußert.

Spieler sollen monatlich nicht mehr als 1000 Euro verzocken

Der novellierte Staatsvertrag sieht vor, dass die Betreiber von Online-Glücksspielen für jeden Nutzer ein eigenes Spielkonto anlegen müssen. Auf dieses sollen monatlich maximal 1000 Euro eingezahlt werden können. Die Regelung soll verhindern, dass Nutzer noch größere finanzielle Verluste erleiden. Diese Höchstgrenze müsse „drastisch reduziert werden“, fordert Professor Dr. Rainer Thomasius, Leiter des DZSKJ am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch der Fachbeirat Glücksspielsucht, der die Bundesländer berät, weist darauf hin, dass der Betrag um ein Vielfaches über der Summe liege, die ein durchschnittlicher Haushalt im Monat überhaupt für Freizeit ausgebe. Zudem sei die Einschränkung mittels mehrerer Konten bei unterschiedlichen Anbietern leicht zu umgehen.

Die Aufsicht über die Angebote wird bei einer zentralen Glücksspielbehörde der Länder liegen. Sie soll ihren Sitz in Sachsen-Anhalt haben und eine Sperrdatei verwalten, in der Personen registriert sind, die sich selbst gesperrt haben oder die von Dritten gesperrt wurden. Datenschützer kritisieren die Speicherung dieser Daten scharf.

Rundfunk-Werbung für Online-Glücksspiele darf künftig nicht zwischen 6 und 21 Uhr ausgestrahlt werden. Die DAK-Gesundheit betont, dass vor allem Kinder und Jugendliche anfällig für die Werbung sind. Sie erhöhe die Glücksspielproblematik minderjähriger Spieler nachweislich.

Auch andere Games enthalten Elemente von Glücksspiel

Die Experten des Fachbeirats Glücksspielsucht fordern, dass neben herkömmlichen Glücksspielen auch Online-Spielformen reguliert werden müssen, in denen Spieler gegen Geld Gewinnchancen erwerben, etwa durch sogenannte Lootboxen. Diese würden den Einsatz von Geld insbesondere für Kinder und Jugendliche normalisieren.

Medical-Tribune-Bericht

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