Gütesiegel für Brustzentren bewährt sich als Qualitätsnachweis

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

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258 Brustkrebszentren sind zertifiziert oder befinden sich im (Re-)Zertifizierungsprozess. 205 haben ein Gütesiegel erhalten. Professor Dr. Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS), sieht mit diesen Qualitätskontrollen einen Paradigmenwechsel in der Krebsbehandlung.

Prof. Wallwiener zeigte sich auf einer Pressekonferenz der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) überzeugt, dass die Zertifizierung ein Meilenstein in der Onkologie ist. Damit sei es möglich, zu beweisen, dass in den mit Gütesie­geln versehenen Brustkrebszentren höchste evidenzbasierte Medizin stattfindet. Patientinnen in solchen Zentren könnten sicher sein, eine viel bessere Heilungschance zu haben als bei der Behandlung in einem nicht zertifizierten Zentrum.

Das Zertifizierungssystem für Brustkrebszentren wurde von DGS und DKG entwickelt. Um das Gütesiegel zu erhalten müssen die Einrichtungen bei jährlichen Begehungen nachweisen, dass sie 26 evidenzbasierte Qualitätskennzahlen erfüllen. Sie betreffen die Einhaltung der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau“. So muss z.B. in mindestens 95 % der Fälle eine postoperative Fallbesprechung erfolgen, 80 % der Frauen mit rezeptornegativem Befund müssen eine Chemotherapie erhalten und 20 % der Brustkrebspatientinnen müssen in Studien einbezogen sein.

Kennzahlen werden in der Regel erreicht

Auch der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft Professor Dr. Werner Hohenberger ist zufrieden: „Wir sehen mit Freude einen hohen Standard, der für die Behandlung in den Brustzentren spricht.“ Er präsentierte einen Benchmark-Bericht für 2010 mit Daten von rund 50 000 Patientinnen aus 246 zertifizierten Zentren. Deutlich wird, dass die vorgegebenen Kennzahlen i.d.R. erreicht oder übertroffen werden.

Es zeigen sich aber auch Schwachstellen. Drei Monate Zeit zum Nachbessern erhalten die Zentren bei groben Abweichungen von der Norm, kleinere Defizite sind bis zum nächs­ten Audit abzustellen. Trotz dieser Chance haben acht Zentren das Gütesiegel letztendlich nicht erhalten.

Details zum Benchmark-Bericht lieferte der Vorsitzende der Zertifizierungskommission und Koordinator der S3-Leitlinie Brustkrebs, Professor Dr. Rolf Kreienberg. So sollen z.B. mehr als 60 % der Patientinnen mit positivem Hormonrezeptorstatus und Lymphknotenbefall eine Chemotherapie erhalten. Die zertifizierten Zentren setzen diese Behandlung im Mittel bei 75,1 % der relevanten Patientengruppe ein. 86,5 % der Brustzentren erfüllen die Norm, 13,5 % tun es nicht.

Professor Dr. Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie der Universität Köln stellte eine repräsentative Patientinnenbefragung in 128 Brustkrebszentren vor. Es zeigte sich eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem Personal und mit der medizinischen Behandlung. 95 % der 7000 befragten Frauen gaben an, dass sie sich auf den Arzt verlassen können. 80 % bestätigten, die Ärzte seien bereit, sich Probleme in Zusammenhang mit der Krankheit anzuhören. Weniger Befragte waren mit der Einbeziehung von Angehörigen in die Behandlung (66,4 %) und mit der psychoonkologischen Betreuung (69,1 %) zufrieden.

Karin Meißler, Bundesvize der Frauen­selbsthilfe nach Krebs, erklärte, die positive Bewertung dürfe nicht über den Verbesserungsbedarf hinwegtäuschen. So sei z.B. an einigen Brustzentren zu beobachten, „dass die Entlassung der Patientin bei einer brusterhaltenden Operation mit Sentinel-Lymphknotenbiopsie bereits am ersten postoperativen Tag erfolgt – und zwar aus ökonomischen Gründen“. Sicher seien kurze Liegezeiten positiv zu bewerten, so Meißler, jedoch könnten dann ganzheitliche und Info-Angebote sowie Unterstützungsleistungen von den Frauen oft nicht genutzt werden.