Legt Panschern das Handwerk!

Kolumnen Autor: Erich Kögler

Fachleute sprechen mittlerweile davon, dass jedes hundertste Medikament gefälscht sein könnte. © fotolia/monropic

Die traurige Realität gepanschter Medikamente  - in unserer Meinungskolumne "Mit spitzer Feder".

Spätestens nach dem aufwendig inszenierten und prominent besetzten Fernsehfilm "Gift" hätte ich erwartet, dass eine Welle der Empörung durch Deutschland schwappt. Doch nichts dergleichen geschah, nicht einmal ein laues Lüftchen rauschte durch den Blätterwald. Dabei geht es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod, denn immer mehr gepanschte Medikamente sind im Umlauf, darunter auch so wichtige Arzneimittel wie Antibiotika oder Krebsmittel. Oft enthalten diese Pillen statt wirksamer Ingredienzien lediglich Sägemehl, Backpulver, Kreide oder gefärbtes Wasser! Dass das Menschenleben kostet, ist nicht nur die plakative Story eines spannenden Thrillers, sondern vielmehr traurige Realität.

"Keine plakative Story eines spannenden Thrillers, sondern traurige Realität"

Aktuellen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge erzielt der Handel mit gefälschten, minderwertigen und illegalen Medikamenten jährlich weltweit Umsätze bis zu 430 Milliarden US-Dollar – mit Umsatzsteigerungen in Europa von bis zu vierzig Prozent pro Jahr. Über Zwischenhändler kann gepanschte Ware auch nach Deutschland in den legalen Handel kommen. Apotheken müssen nämlich mindestens fünf Prozent ihres Umsatzes von Importeuren beziehen. Diese Re-Importe werden oftmals über zahlreiche Zwischenhändler kreuz und quer durch die EU weiterverkauft. Je mehr Hände dabei im Spiel sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass auch die Hände von Kriminellen involviert sind.

Der Kampf gegen diese skrupellosen Verbrecher ist ein ungleicher: Auf der einen Seite professionell operierende, bestens vernetzte Banden – auf der anderen Seite Zoll, Polizei, das Paul-Ehrlich-Institut und diverse Behörden und Bezirksregierungen, denen die eigentliche Medikamentenaufsicht obliegt. So sind beispielsweise in ganz Bayern gerade einmal sechs Wissenschaftler für die amtliche Arzneimittelanalyse zuständig. Entsprechend gering ist denn auch die Zahl der Fälschungen, die von den Aufsichtsbehörden tatsächlich entdeckt werden.

Fachleute sprechen mittlerweile davon, dass jedes hundertste Medikament gefälscht sein könnte – welch eine beunruhigende Zahl! Die Pharmaindustrie überwacht inzwischen ihre Zulieferer für Wirkstoffe, andere Vorprodukte und Fertigarzneimittel vor Ort. Sie dokumentiert zudem alle Kontrollen, wozu sie gesetzlich verpflichtet ist. Um das Problem in den Griff zu bekommen, reicht das allein jedoch bei Weitem nicht aus. Mit Stichproben kommen wir an dieser Stelle nicht mehr weiter.

"Die Importpflicht für Apotheker gehört endlich abgeschafft"

Wir brauchen gewiss viel mehr und besser ausgestattete Ermittler, aber vor allem auch eine wesentlich intensivere internationale Zusammenarbeit. Der Datentransfer vom Zoll zu den anderen Strafverfolgungsorganen wie den Landeskriminalämtern findet nämlich nicht in ausreichendem Maße statt. Eine Verschärfung der Kontrollmechanismen ist also durchaus wünschenswert, aber sie löst auch nur einen Teil des Problems. Die eingangs erwähnte Apotheker-Importpflicht gehört endlich abgeschafft!

Das Thema ist weit mehr als nur der Stoff für einen unterhaltsamen TV-Abend mit Heiner Lauterbach und Maria Furt­wängler. Jedes Opfer dieser skandalösen Machenschaften ist eines zu viel. Also, liebe Politiker: aufgewacht! Es muss gehandelt werden. Jetzt!