Leibniz-Expertin: Vom Darmkrebs-Screening abzuraten, ist absurd

Gesundheitspolitik Autor: Cornelia Kolbeck

Einem Großteil der Frauen würde vom Screening abgeraten werden. © iStock/PhonlamaiPhoto

Deutliche Kritik übt eine Wissenschaftlerin an einer neuen Empfehlung zum Darmkrebs-Screening, veröffentlicht im Fachblatt BMJ.

Die Empfehlung rät nur Personen zur Screening-Teilnahme, die mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 3 % in den kommenden 15 Jahren an Darmkrebs erkranken. Einem Großteil der Frauen würde damit vom Screening abgeraten werden – obwohl der Nutzen für sie klar belegt sei, mahnt Professor Dr. Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. Sie verweist auf aktuelle Leitlinien, welche die Darmkrebsfrüherkennung für Männer und Frauen ab 50 Jahren gerade deshalb empfehlen, weil Darmkrebs sehr langsam aus Vorstufen entstehe und das Screening Erkrankungsfälle verhindere, die erst viel später im Leben auftreten würden.

Die Wissenschaftlerin kritisiert auch die Methodik, die zur Empfehlung geführt hat. Ein Expertengremium sollte demnach einschätzen, wie groß der Nutzen absolut betrachtet sein müsste, damit die meisten Personen sich für das Screening entscheiden. Dabei seien „vergleichsweise extreme Antwortmöglichkeiten“ angeboten worden, so Prof. Haug. „Es verwundert also nicht, dass letztlich die Schwelle relativ hoch angesetzt wurde und im Resultat sehr restriktive Empfehlungen entstanden sind.“ Würde man die Empfehlung anwenden, müsste man nicht nur dem Großteil aller Frauen vom Screening abraten, dessen Anwendung würde sich zudem insgesamt in höhere Altersgruppen verlagern.

Quelle: Pressemeldung des Leibniz-Instituts