Menstruation: Regelmäßig die Regel?

Autor: Dr. Beatrice Wagner

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Muss das so sein? Hormone können die Menstruation sogar jahrelang unterdrücken. Debatte eröffnet!

...  26, 27, 28: In Gedanken werden sofort die Kalendertage abgezählt, wenn eine Fahrradtour mit Freunden ansteht. Bitte nicht! Die Terminplanung wird doch nicht schon wieder vom allmonatlichen „roten Besuch“ unterlaufen. Etwa 35 Jahre lang hat eine Frau Monat für Monat ihre Menstruation. Das sind 400 bis 500 Blutungen im Laufe eines Lebens.

Regelmäßig die Periode?

Die meisten Frauen in unserem Kulturkreis finden es selbstverständlich, einmal im Monat „ihre Tage“ zu haben – wenngleich es manchmal lästig sein mag. In dieser Zeit wird die in der Gebärmutter übermäßig aufgebaute Schleimhaut wieder abgestoßen –  sofern sich kein befruchtetes Ei eingenistet hat. Gehört es für eine Frau also einfach dazu, dass sie alle vier Wochen ihre Tage hat?


Bei Naturvölkern und auch im spirituellen Denken gilt diese Zeit als etwas Besonderes: „Nichts symbolisiert den Ablauf des Lebens derart bedeutungsvoll wie der weibliche Zyklus“, heißt es etwa in dem spirituell geprägten Buch „Sonnensex und Mondblut“ von Tanja Schröder über die Menstruation.

Häufige Blutungen nicht unbedingt nötig

Aber auch Frauen, die dieser Denkweise nicht so viel abgewinnen können, empfinden die Periode oft als positiv: Sie gönnen sich zwangsläufig mehr Ruhe und legen häufiger Pausen ein, auch wenn sie durch die Arbeit eingespannt sind.


Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Häufige Blutungen sind  im Sinne der Evolution gar nicht unbedingt nötig. Sie scheinen vielmehr Begleitumstände unseres modernen Lebens zu sein. Frauen aus Urvölkern haben ihre Tage seltener, berichtet der Frauenarzt PD Dr. Martin Sillem aus Emmendingen. Die Regelmäßigkeit, wie wir sie kennen, bleibt ihnen erspart, weil sie häufiger schwanger sind als ihre Geschlechtsgenossinnen in industrialisierten Ländern, außerdem stillen sie ihre Babys viel länger.

„Überlebensvorteil“ ohne Menstruation?

So verblüffte eine Studie mit 50 Frauen des Stammes der Dogon in Mali die Wissenschaftler: Nur zwei der Frauen hatten Monat für Monat ihre Regel. Das führte zu Diskussionen unter Fachleuten. Wird das ausgiebige Stillen nur zugunsten des neuen Erdenbürgers betrieben? Oder hat es auch „ovulationsunterdrückende Gründe“ – nach dem Motto: Müttern, die länger stillen, bleiben die Menstruationsblutungen länger erspart. Und das könnte ein Überlebensvorteil sein!

Monatliche Blutung unerwünscht

Eine Umfrage unter 855 Frauen zwischen 15 und 57 Jahren ergab, dass sich auch bei uns nur ein Viertel der Befragten eine monatliche Blutung wünscht. Knapp die Hälfte würde am liebsten ganz darauf verzichten oder aber das blutungsfreie Intervall verlängern.


Da jahrelanges Stillen als „Menstruationsverhütung“ nicht mehr in unsere Kultur passt, ziehen manche Frauen zwar medikamentös herbeigeführte Langzyklen in Erwägung, fragen sich aber auch zu Recht, welche Gefahren dahinter lauern könnten.

Menstruation mit Hormonen unterdrücken?

Wissenschaftler tüfteln schon seit Längerem daran, die Blutungshäufigkeit zu beeinflussen. Das Ziel sind Langzyklen, bei denen die Blutung nicht nur über Monate, sondern sogar über Jahre unterdrückt wird. Dazu versucht man neue Pillentypen zu entwickeln, die über diese langen Zeiträume hinweg durchgehend eingenommen werden können. Geeignet sind dazu Verhütungsmittel, die keine Schwangerschaft „vortäuschen“ – es darf sich also unter Hormongabe keine Gebärmutterschleimhaut aufbauen. In den USA ist ein explizit für diesen Einsatz zugelassenes Medikament  bereits auf dem Markt.


In Deutschland wurde zwar bislang noch keine Pille für das Projekt „Langzyklus“ zugelassen. Bisherige Erfahrungen scheinen aber nicht dagegen zu sprechen, gängige Verhütungsmittel zu diesem Zweck einzusetzen. Geeignet sind allerdings nur einphasige Pillen, also Mikropillen. Sie enthalten in allen 21 Dragees jeweils die gleiche Menge an Östrogen und Gestagen. Vor allem niedrig dosierte Präparate werden empfohlen. Mit dieser Art von Pille kommt es also nicht mehr zur monatlichen Abbruchblutung, da der schwangerschaftsverhütende Hormonspiegel permanent aufrechterhalten wird.


Und auch mit einem hormonhaltigen Verhütungsring lassen sich Zyklen verlängern, wie Studien gezeigt haben.

Drei bis vier Monate lang keine Periode

Und wie funktioniert’s ? Sowohl die Mikropille als auch der Hormonring können offenbar drei bis vier Zyklen lang ohne Unterbrechung genutzt werden. Während dieser Zeit wird die Pille einfach durchgehend weitergenommen oder eben der nächste Ring eingesetzt – also ohne Auslasspause. Wird keine Pille mehr geschluckt oder der Hormonring weggelassen, setzt binnen weniger Tage die gewohnte Blutung ein. Diese Pause nach drei bis vier Zyklen wird von Frauenärzten generell empfohlen.


Die möglichen Nebenwirkungen sind die gleichen wie bei der gewöhnlichen Anwendung der Mikropille, also wie bei der Einnahme mit regelmäßigen Unterbrechungen. Da beim Langzyklus der Hormonentzug wegfällt, werden die Präparate sogar manchmal besser vertragen. Es können allerdings häufiger leichte Zwischenblutungen auftreten.


Nach heutigem Wissen sind keine Gesundheitsrisiken und keine Schädigungen der Fruchtbarkeit zu erwarten. Bevor man sich für einen Langzyklus entscheidet, sollte man aber in jedem Fall ausführlich mit der Frauenärztin bzw. dem Frauenarzt darüber sprechen.